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Gerd Hasselbach vom Umweltamt (l.) und Kleingärtner Oliver Biberger tauschen sich über Blühstreifen aus.

Kleingärtner schaffen Lebensräume

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Hier summt, zirpt und zwitschert so einiges. Der Kleingartenverein Am Sellnberg an der Ringallee hat in den vergangenen Jahren viel für die Artenvielfalt rund um die Anlage auf die Beine gestellt. »Die Resonanz ist super, und die Pächter ziehen mit«, berichtet Vorstand Oliver Biberger.

In der Corona-Zeit haben wir überlegt, was wir am Rand unserer Anlage verbessern können, weil das eigentlich nur noch eine Toilettenwiese für Hunde war und wir das so unseren Pächtern nicht mehr zumuten wollten«, erzählt Oliver Biberger, Vorsitzender des Kleingartenvereins Am Sellnberg an der Ringallee. »Ein Blühstreifen wäre ja eine tolle Sache, aber wir dachten erst, das könnte sich schwierig gestalten«, berichtet er weiter. Biberger wandte sich an Ludwig Wiemer vom Liegenschaftsamt, der verwies ihn an Dr. Gerd Hasselbach, Leiter des städtischen Amtes für Umwelt und Natur.

Nach einer Ortsbegehung ging alles recht fix: Sechs Kleingärtner, darunter Biberger, bereiteten in Eigenregie an einem Wochenende die Wiese zum Aussäen vor. Hasselbach stellte das Wildblumen-Saatgut im Wert von ca. 80 Euro für 700 Quadratmeter zur Verfügung. Nun blüht es vor der Ringallee 68 auf einer Strecke von rund 250 Metern.

»Schauen Sie mal ein bisschen länger hier rein, was sich hier an Insekten tummelt«, sagt Hasselbach im Gespräch. »Das ist ein Segen.« Und die im Herbst runtergefallenen Samen keimen dann mehrere Jahre. Eine Bitte hat Biberger an Passanten: dass sie keine Sträuße pflücken. »Der Streifen ist ausschließlich für Insekten gedacht«, betont er.

Die relativ teure Saatgutmischung stelle die Stadt gerne bereit, sogar auch für Privatpersonen. »Wir unterstützen, wo wir können«, sagt Hasselbach. Als »intensiver Zeitungsleser« stelle er fest, dass seit einiger Zeit überall Blühstreifen entstehen. Dabei gehe es nicht allein um Lebensraum für Insekten. Rund um Lützellinden zum Beispiel hatte die Rebhuhnpopulation um mehr als 90 Prozent abgenommen. Nachdem man hier und da halbe Hektar solcher Wiesen angelegt hatte, sei der Bestand inzwischen wieder »so stark wie nie«, berichtet der studierte Landwirt. Weil die hohen Blumen Sichtschutz bieten und so Jäger die Jungtiere nicht sehen.

Der Blühstreifen ist längst nicht alles, was der Kleingartenverein für den Artenschutz in Angriff genommen hat. Vor drei Jahren wurden ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Stadt Nistkästen für Meisen und die bedrohten Gartenrotschwänzchen aufgehängt; die seien jedes Jahr voll, viele sogar mit zwei Nestern belegt, sagt Biberger. Drei eigene Bienenstöcke haben ein kleines, wildes Eckchen samt Tümpel bekommen; ein großes Insektenhotel wurde gebaut, Disteln als wichtige Nektarquelle für Schmetterlinge angelegt. Und wenn bald die alten Wege zwischen den Gärten neu gemacht werden, entstehen auch dort Blühstreifen.

Die Pächter werden selbst aktiv

Diese Sensibilität geben sie auch an die Pächter weiter. Immer mehr legen selbst Lebensräume für Kleintiere an. Läuft man durch die Anlage, sieht man Teiche, Insektenhotels, Nistkästen. »Die Anlage lebt«, sagt Biberger freudig. Es sei schön zu sehen, wie schnell die Natur dieses Angebot annimmt - und dass sich die Sichtweisen ändern und junge Eltern beispielsweise ihren Kindern zeigen wollen, dass Tomaten und Gurken am Strauch wachsen und nicht aus Plastikschalen kommen. »So ein Engagement ist super«, betont auch Hasselbach.

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