Kirsten Mehring, Dimitrios Papanikolau, Wolfgang Wels, Vera Krauss, Evgeni Ganev und Ivan Krastev (v. l.) spielen eigens für die Abonnenten. FOTO: PM/WEGST
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Kirsten Mehring, Dimitrios Papanikolau, Wolfgang Wels, Vera Krauss, Evgeni Ganev und Ivan Krastev (v. l.) spielen eigens für die Abonnenten. FOTO: PM/WEGST

Im kleinen Rahmen

  • vonSascha Jouini
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Gießen(jou). Das dritte Kammerkonzert am Sonntagvormittag erinnerte ein wenig an Hausmusik, war es doch den Abonnenten vorbehalten: Gerade einmal 25 Besucher saßen mit gehörig Abstand im Theaterfoyer und kamen in den Genuss eines ebenso vielfältigen wie ansprechenden Programms vom Barock zur Moderne.

Unter den pandemiebedingten Einschränkungen war kaum mehr damit zu rechnen, dass in dieser Spielzeit überhaupt noch Klassikveranstaltungen stattfinden. Bereitwillig hielten sich die Besucher an die Auflage, die Gesichtsmaske erst am Sitzplatz ablegen zu dürfen.

Kirsten Mehring (Flöte) und Wolfgang Wels (Klavier) eröffneten die Matinee mit Carl Heinrich Grauns selten gespielter Sonate D-Dur. Über der schlichten akkordischen Klavierbegleitung erhob sich im Kopfsatz eine Flötenmelodie von liebreizender Anmut. Beim schnellen zweiten Satz beeindruckte die schwungvolle Virtuosität. Die feine, stilsichere Gestaltung des Duos fesselte bis zum Finale.

Bei Jacques Auberts Chaconne a-Moll für zwei Violinen lag der Charme in den weiten musikalischen Bögen, die Vera Krauss und Dimitrios Papanikolau entfalteten. Das Duo widmete sich zudem einer Sonatine des Hindemith-Schülers Harald Genzmer. Darin blieb besonders der effektvolle Kontrast zwischen expressiven und zarten, recht intimen Sätzen haften.

Zum Höhepunkt des Konzerts gerieten die Darbietungen des Konzertmeisters Ivan Krastev in Begleitung des Korrepetitors Evgeni Ganev am Flügel: Mit ihrer finessenreichen Interpretation von Wolfgang Amadeus Mozarts Violinsonate G-Dur KV 301 werden sie Klassikliebhaber entzückt haben. Kompositorisch spannend ist an dieser Sonate, wie die beiden Instrumente in einen Dialog treten und gleichberechtigt den motivisch-thematischen Aufbau prägen. Dies gilt auch für Franz Schuberts Sonatine D-Dur D 384, die dem Duo wieder makellos gelang.

Einen klanglich kernigen, fulminanten Schlussakzent setzte Ganev mit den Klavier-Variationen über ein bulgarisches Lied "Dilmano, Dilbero" op. 2 des hierzulande weitgehend unbekannten Komponisten Alexander Vladigerov (1933 bis 1993). Inspiriert durch Gershwin und den Jazz, bergen die Variationen hohe spieltechnische Anforderungen - die Souveränität, mit der Ganev diese meisterte, riss das Publikum zu begeistertem Applaus hin.

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