Die Warteschlange: mal stumm und mal eine Art Stammtisch. FOTO: SCHEPP
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Die Warteschlange: mal stumm und mal eine Art Stammtisch. FOTO: SCHEPP

Der kleine Maskenmann muss es ausbaden

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Bitte einzeln eintreten. Im Verkaufsraum dürfen sich nicht mehr als zwei Personen aufhalten. Kein Problem, wir stellen uns hinten an. Mittlerweile ist es Routine, eine Schlange zu bilden. Zum Beispiel vor der Apotheke. Selbstverständlich mit Lücken. Manchmal stehen alle stumm und schweigen. Manchmal entwickelt sich ein Gespräch, und manchmal stellen wartende Menschen steile Thesen auf. Ist doch so! Muss man doch auch mal sagen dürfen!

In diesen Fällen ist es meist ein Glück, wenn es ein Stück vorwärts geht. Der nächste darf mit seinem Rezept in den Laden, alle recken die Hälse, um abschätzen zu können, wann sie an der Reihe sind. "Der kleine Mann muss es ausbaden", sagt ein kleiner Mann. Er zupft an seinem Mundschutz und schaut sich Beifall heischend um. "Das ist doch alles Quatsch, und die da oben machen eh, was sie wollen." Man ahnt, was kommt. Und tatsächlich enttäuscht der Empörte die Wartenden nicht. "Das hat man ja im Aufzug gesehen. Die verarschen uns doch." Das Desaster im Aufzug des UKGM, als unter anderen Gesundheitsminister Spahn und Ministerpräsident Bouffier dicht gedrängt beieinander standen, wird den Politikern noch lange nachhängen. Dafür werden die kleinen Männer und Frauen der Republik schon sorgen. Die Schlange bewegt sich wieder ein Stück nach vorne. "Mein Schwager ist Arzt", gibt eine adrett gekleidete Frau am Ende der Schlange bekannt. Sie kennt sich also aus. "Und der sagt auch immer, dass das mit den Masken nichts bringt."

Spätestens jetzt reift der Plan, in der Apotheke nach Ohrstöpseln zu fragen. Die helfen auch gegen bräsige Dauernörgler, die alles nachplappern. Hoffentlich sind sie nicht weggehamstert, das kann man nie wissen heutzutage. Ach ja, die Masken. Wer findet sie schon toll? Aber was ist so schlimm daran, sie vorsichtshalber aufzusetzen? Die Schwägerin des Arztes weiß nicht nur mit Masken Bescheid. Sie setzt noch einen drauf: "Also ich finde es gut, wie es in Schweden gemacht wird. Da ist alles geöffnet, das ist viel besser."

Woanders ist es immer viel besser. Das stimmt eigentlich nie, aber gerade jetzt in diesem Moment eben doch. Besser als in dieser Warteschlange auf jeden Fall. (cg)

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