Tamara Walter verkauft Brot- und Backwaren im Klatschmohn. 
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Tamara Walter verkauft Brot- und Backwaren im Klatschmohn. 

"Gießener Helden" 

Klatschmohn Gießen: Per "Einbahnstraße" zu den Backwaren

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Tamara Walter arbeitet im Bioladen Klatschmohn. Dort kanalisiert man den Kundenverkehr in Corona-Zeiten mit einer vorbildlichen Einbahnregelung.

So richtig daran gewöhnen kann man sich nicht, findet Tatjana Walter. Denn die Kommunikation ist eingeschränkt, man versteht einander schlechter, bei den Masken bleibt die Mimik weitgehend im Verborgenen. "Da wir einen engen und guten Draht zu unseren Kunden haben, tut es uns schon sehr weh, dass wir nicht wie sonst miteinander plaudern können", sagt die Verkäuferin. Die 52-Jährige ist im Bioladen Klatschmohn seit neun Jahren für das Bistro und die Backwaren zuständig, aufgrund der derzeit dünneren Personaldecke sieht man sie aber auch im Laden.

Es ist ein toller Job, sagt sie, denn er sei vielfältig und sorge für Kontakte mit unterschiedlichen Menschen. Außerdem steht sie hinter dem Konzept; Regionalität, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit sind ihr wichtig. Deshalb betrachtet sie mit Sorge, dass es in der Krise Rückschritte gibt. "Leider greifen die Leute wieder mehr zu verpackten Produkten, weil sie glauben, das sei sicherer". Sie beobachte das überall, und man könne es am Müll sehen.

Klatschmohn Gießen: In einer Einbahnregelung durch den Laden

Im Klatschmohn hat man sich vorbildlich auf die Corona-Bestimmungen eingestellt. Man betritt den Laden von hinten über den Parkplatz und landet zunächst in der früheren Spülküche. Dort können die Kunden entscheiden, ob sie sich die Hände waschen oder desinfizieren möchten oder gleich beides erledigen wollen. Dann geht es in einer Einbahnregelung entlang der Backwaren in das Geschäft. Nach dem Einkauf wird der Laden durch den früheren Ausgang verlassen. Zum Leidwesen vieler Stammkunden und der Mitarbeiter muss derzeit auf das Bistro verzichtet werden. Die Tische in der Ecke sind sonst beliebter Treffpunkt (zum Beispiel nach dem Marktbesuch), außerdem haben die kleinen Gerichte eine große Fangemeinde. Das Sortiment ist wie immer, und wie überall gab es zwischenzeitlich Engpässe bei Mehl- und Körnersorten. Längst sind die Regale aber wieder gut gefüllt, nur bei einem Produkt greift man ins Leere. "Die Hefe ist schon wieder weg", sagt Tamara Walter.

Klatschmohn Gießen: So gut wie nie Probleme mit Kunden 

Probleme mit Kunden, die sich nicht an Corona-Regeln halten, gab es im Klatschmohn so gut wie nie. Die meisten Verbraucher, die hierher kommen, sind gut informiert und haben den Ernst der Lage erkannt. Keiner läuft gerne mit Maske herum, aber wenn es sein muss, macht man es eben. So sehen es auch die Mitarbeiter. Doch während die Kunden nach dem Einkauf den Mund-und-Nasenschutz abnehmen, schützen sie sich und andere während ihrer gesamten Schicht. "Das ist anstrengend, keine Frage", sagt Tamara Walter. Sie trägt statt der Maske ein Visier aus Kunststoff. So bleibt das Gesicht frei, und ihre Kunden sehen, wenn sie lächelt oder lacht. Beides tut sie gerne und oft. Und dann erahnt man auch unter der Maske des Gegenübers, dass sich das Gesicht erhellt.

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