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Steffen Kraft, Kanalbau-Chef bei den Mittelhessischen Wasserbetrieben, muss im Hollerwegstunnel den Kopf einziehen. Er überprüft die beiden neuen Fernwärmerohre (links) sowie das einbetonierte Schmutzwasserrohr darunter. Das Regenwasser fließt auf dem Tunnelboden. Die Leerrohre für Wasser (blau) und Gas (orange) werden demnächst an der rechten Seitenwand fixiert.

Klärgas heizt Veterinärklinik

Kaum jemand kennt den 130-Meter-Tunnel, der unter den 21 Gleisen des Gießener Güterbahnhofs den Hollerweg mit der Margaretenhütte verbindet. Dabei ist der Bau schon mehr als 90 Jahre alt. In den Blickpunkt geraten ist er jetzt wieder dadurch, dass zwei Fernwärmeleitungeneingezogen wurden. Die stellen sicher, dass die Veterinärklinik beheizt werden kann – mit Klärgas aus dem Klärwerk.

In den Faultürmen des Gießener Klärwerks wird zwar schon eine Weile durch Verbrennen des Klärgases Wärme erzeugt. Doch wurde diese Energie aus dem Blockheizkraftwerk bisher nur innerhalb der Anlage genutzt. Das hat sich geändert: Seit einigen Wochen ist das Klärwerk mit dem städtischen Fernwärmenetz verbunden. Wichtigste Abnehmer sind das einstige Notaufnahmelager am Meisenbornweg und die Veterinärklinik zwischen Frankfurter Straße und Hollerweg.

Das größte Problem bei dieser Ausdehnung des Fernwärmenetzes war die Unterquerung des Güterbahnhofs mit seinen 21 Gleisen. Dabei kam den Stadtwerke zupass, dass es bereits eine unterirdische Verbindung gibt, nämlich den 130 Meter langen Hollerwegstunnel. Er war zwischen 1905 und 1913 angelegt worden. Das aus Kanalklinkern gemauerte Profil ist 1,75 Meter breit und 1,80 Meter hoch. Entwässert wird durch diesen Tunnel das Gebiet zwischen Klinik- und Thaerstraße sowie dem Aulweg und den Eisenbahngleisen. Später waren eine Gas- und eine Wasserleitung dazugekommen.

Die Untersuchungen ergaben, dass der Infrastrukturtunnel sich immer noch in gutem Zustand befindet. Deshalb konnten nun zwei Fernwärmerohre eingezogen und an einer Seitenwand befestigt werden. Zugleich wurden die Wasserkanäle sauber getrennt; bei stärkerem Regen hatte sich bisher das Oberflächenwasser, das eigentlich direkt in die Lahn gelangen soll, mit dem Schmutzwasser vermischt. Jetzt fließt das Regenwasser offen auf dem Tunnelboden, während das Schmutzwasser durch ein Rohr geführt wird. Bei Trockenwetter ist der Tunnel deshalb begehbar.

Begonnen hatten die Bauarbeiten der Mittelhessischen Wasserbetriebe im Sommer 2014 mit einer Erneuerung des baufälligen Einstiegsbauwerks im Hollerweg. Das war ein wenig diffizil, weil sich die Baugrube direkt neben der Stützmauer und dem Hochhaus der Veterinärmedizin befand. Erschwert wurden die Arbeiten auch durch die Starkstromleitung der Bahn über der Baustelle.

Erneuert und wesentlich erweitert wurde im Zuge der Maßnahme auch das Einstiegsbauwerk an der Ecke Hüttenweg/Margaretenhütte auf der anderen Seite des Güterbahnhofs. Rund 850 000 Euro hat diese Sanierung des Hollerwegstunnels gekostet. Nur die Erneuerung der Gas- und Wasserleitung durch die Stadtwerke ist noch nicht abgeschlossen. Guido Tamme

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