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Die Kitas bleiben offen, obwohl sich das Virus laut Landrätin Anita Schneider gerade vor allem unter den jüngeren Menschen ausbreitet.

Corona

Kitas in der Corona-Krise: Viele Erzieherinnen lassen sich impfen

  • VonSebastian Schmidt
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In den städtischen Kitas lassen sich viele Erzieherinnen und Erzieher impfen. Wie die Einrichtungen mit der aktuellen Pandemie zurechtkommen.

Es stößt auf Unverständnis: Ab Montag wird an den Schulen in Gießen der Präsenzunterricht bis auf die Abschlussklassen eingestellt, aber die Kitas bleiben weiterhin geöffnet. Und das obwohl es an mehreren Kitas im Stadtgebiet gerade Quarantänemaßnahmen gibt und der Landkreis vor allem die Kinder als Virus-Überträger sieht.

Auf Facebook kann es eine Mutter nicht fassen: »Unsere Kita bleibt auf, obwohl in einer Gruppe das mutierte Virus nachgewiesen wurde. Aber mein Sohn, bei dem nichts ist, darf nicht zur Schule. Das soll man verstehen.« Insgesamt gibt es laut Landkreis-Sprecher Dirk Wingender nach Infektionsfällen im Stadtgebiet vier Kitas (Stand 23. März), in denen sich gerade Kinder in Quarantäne befinden: die Kita »Helen Keller«, die Kita Sankt Elisabeth, die Kita Helene Simon und die Kita Lutherberg. Trotzdem sagt Wingender: »Pläne zur Schließung von Kitas bestehen derzeit nicht.« Er erklärt, dass der Grund für den unterschiedlichen Umgang mit Schulen und Kitas in der Schulpflicht liege. Es gebe nämlich keine Kita-Pflicht. »Eltern können entscheiden, ob es derzeit erforderlich ist, eine Betreuung in Anspruch zu nehmen, oder nicht.«

Während in der Schule der Staat sonst die Kinder zwingen würde, sich einem höheren Infektionsrisiko auszusetzen, haben bei den Kindertagesstätten die Verantwortung die Eltern. Aber Berufstätige können ihre Kinder nicht in jedem Fall freiwillig zu Hause lassen. Denn es ist schwieriger, vom Arbeitgeber Rücksichtnahme zu fordern, wenn das Kind nicht zwingend zu Hause bleiben muss, sondern nur auf Wunsch der Eltern nicht in die Kita geht. Viele Berufstätige können sich so genötigt fühlen, ihr Kind weiter zur Kita zu bringen.

Dabei sieht es so aus, als sei das Infektionsrisiko an Schulen und Kitas hoch. In Hessen gehören Erzieherinnen und Erzieher mit Lehrerinnen und Lehrern laut der AOK zu der Berufsgruppe, die im vergangenen Jahr am zweitmeisten coronabedingt krankgeschrieben wurde, gleich nach medizinischen Fachangestellten. Eine aktuelle Studie der TU Berlin, die die Ansteckung über Aerosolpartikel untersucht, hat das Ansteckungsrisiko in Schulen, selbst bei nur 50 prozentiger Belegung und mit Maske im Vergleich zu Kino, Shopping oder Restaurant höher bewertet. Für Kitas dürfte das Gleiche gelten.

Der Landkreis scheint zu wissen, dass Kinder einen wichtigen Faktor im momentanen Infektionsgeschehen spielen. Landrätin Anita Schneider sagt: »Das Infektionsgeschehen im Landkreis ist diffus, gerade in jüngeren Altersgruppen kommt es zu einer Verbreitung des Virus.« Das liege auch daran, weil die Kinder nach Erkenntnis des Gesundheitsamtes häufig das Virus weitergeben, ohne selbst Symptome zu zeigen. In der Mitteilung, in der der Landkreis über die Schulschließung informiert, weist er auch daraufhin, dass Kita-Kinder, die in Quarantäne geschickt werden, sich unbedingt daran halten sollen.

Impfsituation in den städtischen Kitas

Wie sieht die Impfsituation in den Kitas gerade aus? Die Sprecherin der Stadt, Claudia Boje, gibt einen Überblick über die Kitas, die in städtischer Trägerschaft sind. Boje sagt: »Von unseren 130 Mitarbeitenden in der Kinderbetreuung haben sich ungefähr 90 Personen für die Impfungen registriert.« Geimpft sind davon bis jetzt 20 Personen. Es habe nach den Impfungen auch Ausfälle wegen Impfreaktionen gegeben, die hätten aber nur für geringe Auswirkungen im Betreuungsdienst gesorgt. Die Öffnungszeiten der Kitas konnten beibehalten werden.

Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Eltern im Vorhinein über die möglichen Einschränkungen informiert, wenn mehrere Mitarbeitende in einer Kita zeitgleich geimpft wurden.

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