Kita-Privatisierung als "großer Vorteil"

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Gießen-Rödgen (csk). Alle Welt spricht gerade über das Verhältnis von Politik und Jugend. Der Ortsbeirat Rödgen ist am Dienstagabend mit gutem Beispiel vorangegangen - und hat zwei "junge" Themen in den Mittelpunkt seiner Sitzung gestellt. Sowohl in Sachen Kita als auch zur Zukunft der Grundschule erhielten die Bürgervertreter dabei Informationen aus erster Hand: Die Stadträtinnen Gerda Weigel-Greilich (Grüne) und Astrid Eibelshäuser (SPD) erläuterten die aktuellen Pläne.

Der "Sachstandsbericht" zur Kita war nötig geworden, weil sich Eltern vermehrt beschwert hatten und die Stadt die Trägerschaft an die Arbeiterwohlfahrt abgeben möchte. Weigel-Greilich versuchte die Wogen zu glätten. Derzeit gebe es Schwierigkeiten vor allem mit der beliebten Bauernhofgruppe. Ein Wechsel zur Awo bringe "zusätzliche Qualität" und "eine größere Offenheit für alternative Konzepte". Dass die Trägerschaft abgegeben werden soll, liege an der zuletzt starken Erweiterung städtischer Kita-Angebote: Die öffentliche Hand stoße inzwischen an eine "Organisationsgrößengrenze".

Christoph Thiel (CDU) schlug vor, Fachleute aus einer Awo-Kita in die nächste Ortsbeiratssitzung einzuladen. Dagegen betonte Weigel-Greilich, entsprechende Diskussionen fänden öffentlich im Jugendhilfeausschuss statt. Ferner sicherte sie zu, dass die Bauernhofgruppe bei einem Trägerwechsel definitiv erhalten bleibt. Insgesamt versprächen die Pläne der Stadt "einen großen Vorteil für Rödgen", sagte sie. Einen Artikel im Ortsblättchen "De Räärer" kritisierten Weigel-Greilich und auch Jürgen Becker (SPD) dagegen scharf: "Wird Kita in Rödgen geschlossen?" zu titeln sei "im Moment überhaupt nicht zielführend" (Becker).

Bauernhofgruppe bleibt erhalten

Über die Hedwig-Burgheim-Schule diskutierte der Ortsbeirat, weil die Stadt die Satzung über Schulbezirke der Grundschulen ändern möchte. Grundsätzlich gehe es darum, neue Straßen zuzuordnen, erklärte Eibelshäuser. Der Bereich der Hedwig-Burgheim-Schule werde vorerst nicht verändert. Ordne man ihm etwa Straßen im Baugebiet "Am Alten Flughafen" zu, komme die Schule "ganz schnell über die Einzügigkeit". Mehr als eine Klasse pro Jahrgang lasse sich allerdings in dem Gebäude nicht unterbringen. Die Sorge, die Schule könnte bei sinkenden Schülerzahlen zur Debatte stehen, ist laut Eibelshäuser so oder so unbegründet: Einerseits seien die prognostizierten Schülerzahlen "eher günstiger für den Erhalt", andererseits stehe die Schule "überhaupt nicht zur Disposition". Entwickelten sich die Zahlen anders als vorhergesehen, seien "auch künftig Änderungen der Satzung möglich".

Auf wenig Gegenliebe stieß der Plan, eine Fläche an der Rödgener Grenze zu Buseck gegen Land am Hangelstein bei Wieseck zu tauschen; dieses Vorhaben präsentierte Horst-Friedhelm Skib vom Vermessungsamt. "Wir Rödgener haben von diesem Tausch überhaupt keinen Vorteil - im Gegenteil", schimpfte Dieter Geißler (SPD). Wenn schon ein Teil Rödgens an Buseck gehe, hätte im Gegenzug Rödgen eine Fläche aus Buseck erhalten sollen, so der Tenor. Platzbedarf gebe es, etwa für einen neuen Grillplatz.

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