Der Besuch von Gottesdiensten bleibt im "Lockdown light" weiter möglich. Drei Kirchen - die Bonifatiuskirche (Foto) und die Johanneskirche in Gießen sowie die Christuskirche in Pohlheim - bieten nun Musikern an, in diesem Rahmen aufzutreten und so "Mit Musik durch den Winter" zu kommen.	FOTOS: ARCHIV/PM/WEGST
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Der Besuch von Gottesdiensten bleibt im »Lockdown light« weiter möglich. Drei Kirchen - die Bonifatiuskirche (Foto) und die Johanneskirche in Gießen sowie die Christuskirche in Pohlheim - bieten nun Musikern an, in diesem Rahmen aufzutreten und so »Mit Musik durch den Winter« zu kommen. FOTOS: ARCHIV/PM/WEGST

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Kirchenmusiker helfen Künstlern

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Konzertsäle und Bühnen sind geschlossen und viele Musiker wissen nicht, wie es für sie unter Pandemie-Bedingungen weitergehen kann. Drei Kantoren aus dem Gießener Raum haben nach Lösungen gesucht - und auch gefunden.

Warum dürfen wir in diesen Tagen keine Konzerte oder Theater besuchen, während im Gottesdienst Menschen weiter zusammensitzen - wenn auch unter erheblichen Einschränkungen? Diese Klage hört man immer wieder. Die Antwort ist ganz einfach: Mit Rücksicht auf die verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit hat die Landesregierung, anders als noch im März dieses Jahres, darauf verzichtet, für Gottesdienste und andere religiöse Feiern ähnlich strenge Vorgaben zu machen, wie für nichtreligiöse Zusammenkünfte.

Die Deutsche Orchestervereinigung hatte daher an die Kirchen appelliert, in den kommenden Wochen bei Gottesdiensten bevorzugt freischaffende Musiker auftreten zu lassen und diese zu bezahlen. Und genau das wollen auch Regionalkantor Michael Gilles von der katholischen Bonifatiuskirche, Kantor Christoph Koerber von der evangelischen Johanneskirche und Dekanatskantorin Cordula Scobel von der Christuskirche in Watzenborn-Steinberg mit ihrem ökumenischen Projekt unter dem Titel »Mit Musik durch den Winter« erreichen.

Die hauptamtlichen Kirchenmusiker sehen, dass besonders freischaffende Künstler durch die Auftrittsverbote hart betroffen sind und immer mehr in finanzielle Bedrängnis geraten. Nicht weniger problematisch seien die fehlenden Auftritte für das Selbstverständnis eines Musikers. »Wir hauptamtlichen Kirchenmusiker aus Gießen wollen deshalb Musikerinnen und Musiker in dieser schwierigen Zeit mit einer kollegialen Geste unterstützen«, betonen sie. Sie bieten über die Wintermonate professionellen Musikern aus Gießen und Umgebung an, als Solist oder im Duo in ausgewählten Gottesdiensten und Abendmusiken in ihren Kirchen zu musizieren. »Das sind quasi die einzigen kulturellen Veranstaltungen die gerade möglich sind«, macht Koerber deutlich.

Einige Kollegen hätten zwar schon Musikern Auftrittsmöglichkeiten in ihren Gotteshäusern geboten, berichtet Kantorin Scobel. Aber es sei ihnen wichtig gewesen, diese Initiative, »die Gießen guttut«, gemeinsam zu organisieren. »Das war allein nicht zu stemmen«, stimmt ihr Gilles zu und verweist auf zahlreiche Anfragen und die besseren Vernetzungsmöglichkeiten.

Das Angebot richtet sich an professionelle Musiker aus Gießen und Umgebung, die an einer Auftrittsmöglichkeit interessiert sind. Für die musikalische Gestaltung eines Gottesdienstes kann jedem Musiker ein Honorar von 150 Euro ohne Probe und 180 Euro mit einer Probe angeboten werden - finanziert aus dem Budget der Kantoren und ergänzt durch eine Spendenaktion (siehe Kasten).

Bei der Auswahl der Stücke sind die Grenzen weit gesteckt. »Jeder Musiker hat in seinem Repertoire sicher etwas, das passt«, meint Gilles. Dabei bieten sich er und die anderen beiden Kirchenmusiker auch schon einmal als Duo-Partner an der Orgel oder am Klavier an.

Einen Überblick über die bislang feststehenden Termine findet man auf der Homepage bonifatius-giessen.de mithilfe der Sucheingabe des Stichworts »Mit Musik durch den Winter«. Hier sollte man sich immer aktuell informieren, denn schließlich stehe momentan noch nicht endgültig fest, »ob wir Heiligabend überhaupt Gottesdienste haben können«, so Scobel.

Viele Musiker haben sich bereits beworben, weitere Interessierte können sich aber noch melden per E-Mail an wintermusik-giessen@gmx.de.

Am Sonntag Auftakt der Aktion

Terminiert sind bislang Auftritte in den Gottesdiensten bis inklusive 20. Dezember. Los geht es an diesem Sonntag mit Harfenistin Cordula Poos in der Kirche in Watzenborn-Steinberg und Geigerin Jiyeon Shin in der Johanneskirche in den 10-Uhr-Gottesdiensten, am Sonntag drauf treten (jeweils um 18.30 Uhr) Sängerin Karola Pavone in der Johanneskirche und Saxofonist Martin Zörb in der Bonifatiuskirche auf. An den folgenden Sonntagen und den verschiedenen Abendmusiken im Advent sind weitere Musiker mit vielfältiger Musik von Klassik bis Pop in den drei Kirchen zu hören.

Besucher müssen sich nicht für die Gottesdienste anmelden, allerdings die aktuell gültigen »AHA«-Regeln einhalten (Kontaktdaten hinterlassen, Mundschutz tragen). In der Bonifatiuskirche können dann maximal 50, in der Johanneskirche 100 und in der Pohlheimer Christuskirche 70 Personen den Gottesdienst erleben und so auch »Mit Musik durch den Winter kommen«.

Um die Aktion möglichst lange aufrechterhalten zu können, sind die drei Kantoren auf Spenden angewiesen. Spenden werden auf einem Unterkonto des Fördervereins »Freunde der Kirchenmusik St. Bonifatius Gießen e. V.« gesammelt und von dort an die veranstaltende Gemeinde nach einem festgelegten Schlüssel weitergeleitet.

Spenden kann man auf den Namen Freunde der Kirchenmusik St. Bonifatius Gießen (DE86 5139 0000 0073 0850 20). Als Betreff bitte Name und Adresse (für eine Spendenbescheinigung) eintragen.

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