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Das ehemalige Kino Gloria im Seltersweg.

Kinokultur und Spuren des Gedenkens

  • Karola Schepp
    VonKarola Schepp
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Gießen (gl). Die Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins sind stets eine Fundgrube für alle, die sich für die Geschichte der Region interessieren. Nun ist der jüngste Band mit der Nummer 105 erschienen und bietet wieder ein Kaleidoskop unterschiedlichster Themen. So unternimmt Helmut Krasser im Kapitel »Der Gießener Cicero-Papyrus P.land 90« zu einem Dokument aus der Sammlung des Gießener Philologen Karl Kalbfleisch eine Zeitreise in die antike Buchkultur und zeigt, wie offenkundig hochentwickelt die römische Buch- und Lesekultur war.

Katharina Mohnicke widmet ihren Beitrag der archäologischen Baubegleitung in Pohlheim-Grüningen, als dort zwischen 2017 und 2019 Versorgungsleitungen entlang der Ortsdurchfahrt direkt an der mittelalterlichen Siedlungsgründung saniert wurden. Stefan Prange hat die spätmittelalterliche Kirchengeschichte von Lützellinden erforscht und Gerhard Steinl schildert die Geschichte der Hungener Landwehr auf Hof Grass.

Rolf Haaser hat zwei von insgesamt 44 Briefen des Naturwissenschaftlers und demokratischen Politikers Carl Vogt aus seinem Schweizer Exil an Justus Liebig, geschrieben zwischen 1839 und 1843, erforscht und Gerd Steinmüller stellt zwei bisher unbekannte Zeichnungen mit Linneser Motiven vor, die aus dem Jahr 1859 stammen.

Cicero-Papyrus und NS-Vergangenheit

»Altertumswissenschaft und Lyrik - War der Althistoriker Fritz Traeger ein Anhänger des Dichters Stefan George?« ist der Beitrag von Matthias Willing überschrieben. Spuren des Gedenkens in Gießen an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 stellt Dagmar Klein vor. Der frühere Stadtarchivar Ludwig Brake hat sich der Frühzeit der Gießener Kinogeschichte gewidmet und erzählt die Geschichte vom »Vitagraph zum Gloriapalast«. Bildmaterial und die Schilderungen von Karl Heinz Geyer, dem Sohn des früheren Kinobetreibers Otto Geyer, machen seinen Bericht zu einem spannenden Einblick in die Zeit, als auch in Gießen die Bilder »laufen« lernten. Journalistin Heidrun Helwig hat sich der zuvor eher unbekannten Geschichte der jüdischen Familie Abraham angenommen, an die auch vier im Jahr 2017 vor dem Haus Neustadt 31 verlegte Stolpersteine erinnern. Und Karl Müller thematisiert den »Kirchenkampf in den Gemeinden Oberhessens in der Zeit des Nationalsozialismus. Um theologische Forschung und ideologische Betätigung bei Georg Bertram und Karl Friedrich Euler in der NS-Zeit geht es im Beitrag von Michael Weise, den ein Beitrag von Michael Breitbach, der die erinnerungskulturelle Arbeit des Oberhessischen Geschichtsvereins am Fall seines früheren Mitglieds Karl Euler beschreibt, ergänzt.

Neben den Miszellen - kleinen Beiträgen etwa zur Fachwerkkirche in Climbach oder über eine Ausstellung zur Kinogeschichte im Landkreis Gießen - gibt es im Buch auch eine mehrseitige Dokumentation der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Bombenangriffs auf Gießen am 6. Dezember 1944.

Der Band 105 der Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins umfasst rund 450 Seiten und enthält zahlreiche Abbildungen. Er liegt nach Voranmeldung zur Abholung in der Geschäftsstelle im Stadtarchiv Gießen bereit.

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