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Dietmar Knöß verabschiedet sich Ende des Monats aus seinem »Justus«.

Gastro-Szene

Gießen: Langjähriger Bootshaus- und Justus-Wirt zieht sich aus Gastro-Szene zurück

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
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Ende August ist Schluss. Dann verabschiedet sich Dietmar Knöß aus der Gießener Gastronomie-Szene. Angesichts dieses Einschnittes ist der langjährige Bootshaus- und Justus-Wirt mit sich im Reinen. »Ich muss mir diesen Schritt nicht schönreden. Ich freue mich darauf«, sagt der 58-Jährige.

Gießen - Am 31. August bricht Dietmar Knöß ein Versprechen. »Wir haben uns mal geschworen, dass wir gemeinsam in Rente gehen«, sagt Birgit Jung-Ruhl. Sie lacht. Die Frau im Dirndl ist genau wie ihr Chef Knöß eigentlich nicht aus dem Gasthaus »Justus« wegzudenken. Dass die langjährige Kellnerin ab September ohne den Vollblut-Gastronom hinter der Theke stehen soll, ist für sie im Moment daher kaum vorstellbar. Doch böse sein, kann sie ihm wegen des gebrochenen Versprechens und seines vorzeitigen Abschieds aus der Gießener Gastro-Szene nicht. Nach 13 Jahren als Wirt des »Justus« und zehn Jahren im »Bootshaus« habe er es sich »ja schließlich auch verdient«. Und sie bleibt dem Lokal trotzdem erhalten.

Gießen: Dietmar Knöß schon als Bub hinter der Theke

Knöß ist Gastronom mit Leib und Seele. Schon als Zehnjähriger hat er in der Kneipe seiner Tante im Vogelsberg hinterm Tresen gestanden und für ein paar Pfennige Bier gezapft. Sein Onkel hatte ihm extra einen Schemel gebaut, damit er überhaupt an die Zapfanlage heranreichte. Für Knöß war damals schon klar, dass er sein Geld mal in der Gastronomie verdienen werde.

Knöß startete als 15-Jähriger eine Koch-Ausbildung. Später führte ihn der Job an den Bodensee, in die Schweiz und nach Österreich. Als Saisonarbeiter in den Touristenregionen hat er gelernt, dass Gastro hart sein kann. Abgehalten davon, seine Zukunft in der Branche zu sehen, hat ihn dies aber nicht. Zurück in Gießen baute er mit seinem heutigen Ehemann Andreas Fuhr bald in dessen Metzgerei in Kleinlinden das noch heute bestehende Catering aus. 2008 übernahm er das »Justus«, sein erstes Restaurant. »Ich hatte schon immer ein Auge darauf geworfen«, gibt er zu. Die ersten 14 Tage habe er vor allem Freunde und Familie eingeladen, um die Abläufe zu testen. »Das hatte den Vorteil, dass das Lokal von Anfang an voll war und Gäste bei uns gleich reservieren mussten«, erzählt Knöß. Dies habe sich bis heute kaum verändert. Mit bodenständiger deutscher Küche und herzlicher Gastlichkeit hat sich das »Justus« in der Stadt einen Namen gemacht.

Gießener Gastronom aus Restaurant „Justus“ kaum wegzudenken

»Das Lokal ist mit uns gewachsen«, sagt Knöß, wenn er zurückdenkt. Für ihn war schnell klar, dass ein Restaurant zu führen, mehr bedeutet, als »nette Gäste zu begrüßen und ein paar Schnitzel durchs Lokal zu tragen«. Personal suchen, Rechnungen sortieren, Buchhaltung erledigen, Lieferscheine kontrollieren - all das gehört auch dazu und nimmt viel Zeit in Anspruch.

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»Obwohl ich mit meinem Mann 30 Jahre zusammen bin, hatten wir kaum gemeinsame Abende. Erst während des Lockdowns haben wir gemerkt, wie schön es sein kann, gemeinsam Feierabend zu haben und abends noch etwas zusammen zu kochen. Das hatten wir vorher nie«, erzählt Knöß. Auch diese Erkenntnis habe zu dem Schluss geführt, der Gastronomie nach mehr als 40 Jahren den Rücken zu kehren. »Wenn ich heute darüber nachdenke, dass wir bis 2020 auch noch das Bootshaus hatten, dazu die Metzgerei und das Catering - da frage ich mich schon, wie wir das immer alles geschafft haben«, gibt Knöß zu.

Gastro-Größe Knöß aus Gießen: „Es war mir immer eine Ehre“

Daher freue er sich nun vor allem auf mehr Ruhe und mehr Freiheiten. »Ich muss mir diesen Schritt nicht schönreden. Ich freue mich darauf«, sagt der Gastronom, wohl wissend, dass ihm in den ersten Tagen und Wochen vor allem sein Team und seine Gäste fehlen werden. »Wir haben auf der einen Seite immer mega gutes Personal gehabt, auf der anderen Seite waren mir die Begegnungen und Gespräche mit Gästen immer eine große Freude«, sagt Knöß.

Ganz zu Ruhe setzen wird er sich daher nicht. In der Metzgerei und im Catering wird er aushelfen, wenn er nicht gerade auf Reisen ist. Und die eine oder andere Veranstaltung dürfte er auch schon auf der Rechnung haben. 13-mal hat er mit seinem Team die Aids-Gala zugunsten der Aidshilfe Gießen veranstaltet und damit viel Gutes bewirkt. »Es wäre schade, wenn es dieses Ereignis nicht mehr geben würde«, sagt Knöß. Gut möglich, dass er zu diesem Anlass wieder als Gastgeber fungiert. »Es war mir immer eine Ehre. Ich habe keinen Tag bereut.« (Marc Schäfer)

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