Jedes Jahr, wie hier 2015 in der Pankratiusgemeinde, veranstaltet der Christliche Verein junger Menschen eine Weihnachtsfeier für Menschen, die kein Geld, keine Wohnung oder keine sozialen Kontakte haben. Wegen Corona steht die Veranstaltung dieses Jahr auf der Kippe. ARCHIVFOTO: JOW
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Jedes Jahr, wie hier 2015 in der Pankratiusgemeinde, veranstaltet der Christliche Verein junger Menschen eine Weihnachtsfeier für Menschen, die kein Geld, keine Wohnung oder keine sozialen Kontakte haben. Wegen Corona steht die Veranstaltung dieses Jahr auf der Kippe. ARCHIVFOTO: JOW

Keine Wohnung, kein Heiligabend?

  • vonSebastian Schmidt
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Wohnungslose und Geflüchtete, Menschen ohne Geld oder ohne soziales Netz - das Publikum beim Heiligabend des Christlichen Vereins junger Menschen ist gemischt. Ob die gemeinsame Feier dieses Jahr stattfinden kann, ist nicht sicher. Pläne haben die Organisatoren aber schon gemacht.

Viele Menschen feiern Weihnachten mit Freunden und Familie; Sie haben ein gemütliches Abendessen und packen Geschenke unter dem Tannenbaum aus. Manche können sich das aber nicht leisten oder haben nicht einmal eine Wohnung, in der sie einen Baum aufstellen könnten. Für diese Menschen veranstaltet der Christlichen Verein junger Menschen (CVJM) in Gießen jedes Jahr eine Weihnachtsfeier. Fest steht aber schon jetzt: In dem Gemeindehaus der Pankratiusgemeinde, dem Veranstaltungsort der letzten Jahre, wird dieses Jahr keine Feier stattfinden können.

Wegen Corona vermiete die evangelische Kirche gerade nicht an Externe, sagt Tim Schilp, der Ansprechpartner der Heiligabend-Aktion des CVJM. In den Räumen zu feiern, wäre auch nicht möglich gewesen. "Es ist schwer vorstellbar, mit 180 Menschen auf engem Raum zusammen zu sitzen." Selbst mit den Corona-Regeln des Sommers wäre das schwierig, da rund ein Viertel der Gäste keinen festen Wohnsitz haben.

Gesundheitsamt soll entscheiden

Eine Kontaktverfolgung lasse sich so nur schwer umsetzen, sagt Schilp. Deswegen habe sich der CVJM neue Konzepte für den Heiligabend überlegt. "Dabei versuchen wir, so zu planen, dass möglichst viel stattfinden kann. Aber wir rechnen auch damit, dass nichts stattfinden darf." Es hänge vom Gesundheitsamt ab, wie ihr Heiligabend letztlich aussehen werde. "Ohne deren Zustimmung geht es nicht", sagt Schilp. Sie haben dem Amt ihre Ideen vorgelegt und warten auf eine Rückmeldung.

Das wohl am leichtesten Umzusetzende wäre laut Schilp eine reine Geschenk-Ausgabe. Man würde vor den Vereinsräumen in der Ludwigstraße 42 die gespendeten Geschenke an alle, die vorbeikommen, verteilen.

"Natürlich mit Mundschutz, Wegekonzept und begrenzter Anzahl von Menschen im Inneren", sagt Schilp. In den letzten Jahren waren Hygieneartikel wie Zahnbürsten und Duschgel, aber auch Schokolade, Kaffee und haltbare Lebensmittel beliebte Geschenke.

Ihre zweite Idee sei, das Angebot mit einer Essensausgabe zu verknüpfen. Die Gäste könnten sich dann eine abgepackte kleine Mahlzeit mitnehmen. "Ich glaube, mit den Richtlinien im Moment ist das nicht möglich, aber ich würde mich freuen, wenn doch", sagt Schilp. Wie die letzten Jahre habe auch diesmal wieder das Restaurant Gutburgerlich angeboten, das Essen zu stellen. Ob Gulaschsuppe mit Würstchen oder Spaghetti Bolognese, die Gäste freuen sich immer über die warme Mahlzeit, erzählt Schilp.

Die letzte Idee, die sie dem Gesundheitsamt vorgeschlagen haben, ist es, Feuertonnen auf dem Innenhof der evangelischen Stadtmission in der Löberstraße aufzustellen. Dann könnten sich die Besucher - mit Mindestabstand - aufwärmen und auch in ein Gespräch kommen. "Die Not der Menschen an Heiligabend ist nicht nur materiell. Viele sind auch einsam", erklärt Schilp.

Not der Menschen nicht nur materiell

Es würde ihnen sehr leid tun, wenn der Heiligabend komplett ausfallen würde, erklärt Schilp. Vor allem, da die Situation der Wohnungslosen wegen Corona bereits schwieriger als sonst sei. Ihre bis zu 50 Helfer würden aber bereit stehen, falls das Gesundheitsamt sein Okay gebe. Schilp sagt: "Es ist auch für uns und die Helfer immer ein besonderer Abend."

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