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„Der Scheich“: Schauspieler aus Gießen in neuer Paramount+-Serie

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Von: Kays Al-Khanak

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Aktuell ist der Schauspieler Omar El-Saeidi in der Serie „Der Scheich“ auf Paramount + zu sehen. Der gebürtige Gießener ist mittlerweile ein etabliertes Gesicht im Schauspielgeschäft.

Gießen - In diesem charmanten Schurkenstück des Regisseurs Dani Levy spielt der gebürtige Gießener Omar El-Saeidi den Chauffeur Amun Hamoudi, der schon früh den Durchblick hat. Aber aus Sympathie für seinen Chef verrät er nicht, dass dieser gar kein Scheich aus Katar ist, sondern ein Familienvater aus dem Schwarzwald. Auf der einen Seite der neuen Serie »Der Scheich« des Streamingdienstes Paramount + ist da also der Hochstapler, der in seine Rolle unfreiwillig hineinrutscht, auf der anderen Seite die gierigen Geschäftsleute, die beim Gedanken an einen wohlhabenden Scheich Dollarzeichen in den Augen haben. »Das ist eine liebevoll erzählte Gangstergeschichte mit Kapitalismuskritik«, sagt El-Saeidi.

Der 42 Jahre alte Schauspieler ist mittlerweile ein etabliertes Gesicht auf deutschen Theaterbühnen und Bildschirmen. Seine ersten Schritte als Darsteller macht er als Schüler in der Musical-AG der Gesamtschule Gießen-Ost. Eigentlich, erzählt er, habe er damals lieber Basketball gespielt. Zusammen mit Freunden sei er aber von Mädchen angesprochen worden, dass bei der Musical-AG von Waltraut Montag und Wolfgang Frank noch männliche Rollen besetzt werden müssten. »Wir waren mehr an den Mädchen als am Schauspielern interessiert«, sagt El-Saeidi und lacht.

Schauspieler Omar El-Saeidi aus Gießen: Aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Wieseck

Bei den Aufführungen von »Grease« jedoch habe er »unfassbar viel Zusammenhalt und Bestätigung« erfahren, die ihn wochenlang getragen habe. Nur: Damals habe er sich nicht vorstellen können, hauptberuflich zu schauspielern. Seine aus Ägypten stammenden Eltern hätten sich gewünscht, dass er Zahnarzt wird - ein Beruf, den er überall auf der Welt hätte ausüben können. Für Menschen mit einer Migrations- und Fluchtgeschichte ein wichtiger Aspekt. Die Schauspielerei hingegen, sagt El-Saeidi, der zusammen mit seinen sechs Geschwistern in Wieseck aufwächst, sei das Gegenteil von einem sicheren Beruf. »Man ist immer davon abhängig, ob man anderen Menschen gefällt.«

Auch aus Sicherheitsdenken beginnt er ein Studium der Immobilienwirtschaft - und schließt es in Rekordzeit ab. Parallel dazu spielt er weiter Theater, zum Beispiel auf freien Bühnen. »Ich wollte immer einen Job, der mir so viel Spaß macht, dass ich ihn freiwillig mache.« Die Mittagspause und der Feierabend als die schönsten Momente des Berufslebens - das wollte El-Saeidi nie.

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Omar El-Saeidi (r.) aus Gießen in seiner neuen Rolle in der Serie »Der Scheich«. © Red

In Rostock besucht er die Hochschule für Musik und Theater, eine klassische Theaterschauspielschule, wie El-Saeidi sagt. Ein Jahr vor dem Abschluss bewirbt er sich am Schauspielhaus Köln. Dort wollen die Verantwortlichen ein für das Jahr 2007 ungewöhnliches Konzept umsetzen: Ein Drittel der Schauspieler soll einen sichtbaren Migrationshintergrund haben. Denn die Diversität ist zu dieser Zeit im Schauspiel keine Selbstverständlichkeit, höchstens noch im Tanztheater.

Schauspieler Omar El-Saeidi aus Gießen: Soko-Ermittler und Attentäter

Es ist ein Thema, das El-Saeidi auch in seiner Abschlussarbeit beschäftigt: Er untersucht dort, ob Ensembles von Theatern die Bevölkerungsstruktur widerspiegeln. So hat in München zu der Zeit jeder Vierte einen Migrationshintergrund. Aber am »Resi« arbeitet damals kein einziger Schauspieler mit Einwanderungsgeschichte. »Da stellt sich doch die Frage, wie repräsentativ ein Theater ist«, sagt El-Saeidi.

Seit 2015 aber habe sich in dieser Frage »unfassbar viel geändert«. Es gebe nicht nur Rollenangebote für Menschen mit Einwanderergeschichte, in denen die Figur problembehaftet sei, sondern vielschichtige Rollen. So spielt El-Saeidi in der Serie »Soko Potsdam« den Ermittler David Grünbaum oder am kommenden Donnerstag, 20.15 Uhr, in der ARD-Krimireihe »Die Füchsin« Bernhard Wittig, den Assistenten eines Immobilienmoguls.

Am liebsten wäre es ihm aber, wenn ein solcher Charakter einen nicht-deutschen Namen hätte. Weil dies zeige, dass Menschen mit ausländischem Namen Alltag in Deutschland sind und dazugehören. Dass sie wie jeder andere erfolgreich sein wollen und können oder Liebeskummer haben - und nicht nur finstere Gedanken hegen oder krumme Dinger drehen.

Wichtig sind El-Saeidi vielmehr schlüssig erzählte Charaktere und Geschichten. Dann spielt er auch einen Terroristen wie in der vom US-Sender HBO produzierten Serie namens »SPY/Master«. Die spielt unter anderem in Rumänien zur Zeit des Diktators Ceausescu; es geht unter anderem um mehrere junge Ägypter, die vom KGB instrumentalisiert werden. Auch das zeigt, dass El-Saeidi nicht mehr in Schubladen gesteckt werden kann. Denn eine lange Zeit, sagt er, sei er nicht als Gangster oder als Attentäter gecastet worden - sondern eher als der Zweifler oder der nette Kerl von nebenan. (Kays Al-Khanak)

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