Die "Fahrt ins Blaue" des Reisebüros Jürgens aus Bad Nenndorf mit dem Hotel Steinsgarten als Übernachtungsort hatte die Behringer Touristik vorbereitet: Geschäftsführerin Christina Behringer ließ es sich deshalb nicht nehmen, zusammen mit Gastgeber Sven Appelt (l.) den Reiseleiter Dieter Stemme und Busfahrer Peter Hildebrand (r.) zu begrüßen. FOTO: TA
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Die "Fahrt ins Blaue" des Reisebüros Jürgens aus Bad Nenndorf mit dem Hotel Steinsgarten als Übernachtungsort hatte die Behringer Touristik vorbereitet: Geschäftsführerin Christina Behringer ließ es sich deshalb nicht nehmen, zusammen mit Gastgeber Sven Appelt (l.) den Reiseleiter Dieter Stemme und Busfahrer Peter Hildebrand (r.) zu begrüßen. FOTO: TA

TINA BEHRINGER

Keine gute Zeit für Gruppenreisen

  • Guido Tamme
    vonGuido Tamme
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Gießen(ta). Rund zwei Monate lang hatten nach dem Beginn der Corona-Pandemie alle Reisebusse in Deutschland in der Garage bleiben müssen; sämtliche Gruppenreisen mussten storniert werden. Von dieser Krise mit voller Wucht getroffen wurden auch die Unternehmen, die gebündelte Reiseleistungen organisieren und an Reisebüros und Busreiseveranstalter verkaufen - sogenannte "Paketer". Beruflich und ehrenamtlich hat das Tina Behringer hautnah erleben müssen, als Geschäftsführerin des Gießener Familienunternehmens Behringer Touristik und als Präsidentin des Internationalen Verbands der Paketer (VPR), der soeben seine Jahrestagung in Gießen abhielt.

Bis zum März hatte auch die Behringer Touristik GmbH & Co. KG mit einem normalen bis gutem Geschäftsjahr gerechnet; stark gefragt waren beispielsweise ihre Musikreisen zum Beethoven-Jubiläumsjahr, Kurzreisen an die ober-italienischen Seen und zu den Oberammergauer Passionsspielen, auch Rundreisen nach Skandinavien. Stattdessen gab es einen abrupten Umsatzrückgang und jede Menge Stornierungen mit der Folge, dass alle Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt werden mussten. Einige Mitarbeiter haben zwischenzeitlich eine andere Stelle gefunden, denn die Pandemie ist für die Reisebranche noch lange nicht überstanden.

Parallel zum Engagement für das eigene Unternehmen war die VPR-Präsidentin seit-dem in der Krise als Ansprechpartnerin für die "Sorgen und Nöte" der Mitgliedsunternehmen gefordert. Das hat sie viel Zeit und Nerven gekostet. Nicht alle "Paketer" haben die Krise überlebt; das zeigt auch die aktuelle Insolvenz der Grimm Touristik (Wetzlar) mit ihren 75 Beschäftigten.

Insgesamt aber beginnt sich die Lage in der Reisebusbranche allmählich zu normalisieren. Ein Beispiel dafür war im Best Western Plus Hotel Steinsgarten zu erleben. Dort rollte ein Bus des renommierten Reiseunternehmens Jürgens aus dem niedersächsischen Bad Nenndorf bei Hannover vor. 33 Stammgäste, überwiegend Senioren, hatten für 335 Euro eine dreitägige "Fahrt ins Blaue" gebucht. Corona reiste zwar mit, denn die Fahrgäste mussten im Bus ihren Mund-Nasen-Schutz tragen. Beim Einsteigen waren jeweils die Hände zu desinfizieren. Die Reisenden hätten das problemlos akzeptiert, weiß Reiseleiter Dieter Semmle, der sich auch über "wieder steigende Buchungszahlen" bei seinem Arbeitgeber freut.

Das Programm hatte die Firma Behringer als langjähriger Jürgens-Geschäftspartner vorbereitet und organisiert: Schifffahrt auf dem Edersee am Anreisetag, Stadtrundgang in Wetzlar, Besuch von Schloss Braunfels und Besichtigung des Limburger Doms am Samstag sowie eine Fahrt mit der Drachenfelsbahn im Siebengebirge am Rhein während der Rückreise.

Auch die Hausherren des Vier-Sterne-Hotels trugen zur gelungenen Programmgestaltung bei: Am Freitagabend begeisterte der Grünberger Carsten Skill mit seiner Zaubershow zwischen den Gängen des Abendessens die Gäste. Für Samstagabend war ein musikalischer Alleinunterhalter verpflichtet; tanzen durften die Reisenden allerdings in diesem Jahr nicht.

Auch sonst sind im Steinsgarten die Corona-Vorgaben weiterhin zu spüren: Die Mitarbeiter tragen Masken, die Gäste müssen dies im Haus nicht. Büfetts sind nicht möglich. Bei der beliebten Silvesterparty, zu der stets etliche auswärtige Reisegruppen kommen, darf Sven Appelt mit seinem engagiertem Team diesmal nur halb so viel Gäste zulassen wie üblich. Auch für 2021 kalkuliert der Hoteldirektor mit Einschränkungen durch die Pandemie.

Emotionaler Abschied

Eine Woche zuvor war das Gießener Best Western Hotel auch Gastgeber für die VPR-Jahrestagung mit Mitgliederversammlung. Dem Verband gehören 39 "Paketer" an, aus dem heimischen Raum dabei ist neben der Behringer Touristik GmbH & Co. KG auch die Gießener Service-Reisen Heyne GmbH & Co. KG, die 1973 diese Branche ins Leben gerufen hatte. Dazu kommen fast 80 außerordentliche Mitglieder, darunter Hotels, Versicherungen, Verlage und andere Dienstleister. Bei der VPR-Tagung wurde die bisherige Präsidentin, die das Ehrenamt vor viereinhalb Jahren in Wien übernommen hatte, mit großem Dank und viel Lob emotional verabschiedet. Vor der Wahl an die Verbandsspitze war die studierte Betriebswirtin zunächst sechs Jahre lang Kassenprüferin und dann weitere sechs Jahre lang Präsidiumsmitglied gewesen, zuständig zuerst für Verbandskooperation und dann für Nachwuchswerbung.

Zu den Hauptaufgaben des Verbandes gehören die Unterstützung der Mitgliederinteressen, Kontaktpflege zu anderen Verbänden und das Organisieren der Netzwerk-Veranstaltungen. In diesem Sinne leitete Tina Behringer über vier Jahre lang die Verbandsgeschicke mit ihrem Präsidiums-Team und mit Bodenhaftung, nachdem sie Anfang 2016 an die Verbandsspitze gewählt worden war. Bei der VPR-Hauptversammlung konnte sich die Unternehmerin nun guten Gewissens aus ihrer ehrenamtlichen Führungsposition zurückziehen. Zum neuen Präsidenten gewählt wurde Adriano Matera, Prokurist bei Service-Reisen Gießen.

Tina Behringer (53) ist in Heuchelheim aufgewachsen, absolvierte nach dem Abitur an der Gießener Herderschule eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und studierte dann Europäische Betriebswissenschaften.

Seit 2000 ist sie zusammen mit ihren Eltern, die das Unternehmen 1990 gegründet hatten, Geschäftsführerin der Behringer Touristik GmbH & Co. KG, die derzeit 65 Mitarbeiter zählt und im Gewerbegebiet West ansässig ist. Einen Namen in Gießen gemacht hat sich die Mutter zweier erwachsener Kinder auch durch ihre Aktivitäten im Lions Club Gießen Burg-Gleiberg sowie als leidenschaftliche Sportlerin, vor allem als erfolgreiche Aktive im Licher Golf-Club. FOTO: ÜM

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