Unternehmen müssen sich die Frage stellen, wie sie auf Veränderungen der Arbeitswelt reagieren sollen. FOTO: DPA
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Unternehmen müssen sich die Frage stellen, wie sie auf Veränderungen der Arbeitswelt reagieren sollen. FOTO: DPA

Keine Angst vor Digitalisierung

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Viele Menschen reden von der Digitalisierung oder der Industrie 4.0, können sich darunter aber wenig vorstellen. Das ZAUG will nun Geschäftsführer von Unternehmen und deren Mitarbeiter fit machen für die Veränderungen in der Arbeitswelt - und ihnen so Ängste nehmen.

These Nummer eins: "Wer mit der Digitalisierung nicht aufgewachsen ist, wird diese vierte industrielle Revolution nicht aussitzen können. Wer sich ihr verschließt, wird es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben." These Nummer zwei: "Planen wir Industrie 4.0 oder lassen wir es über uns ergehen? Der größte Fehler wäre, nichts zu tun." Den ersten Satz hat Henning Hinck gesagt, den zweiten Torsten Roth. Beide sind Projektmitarbeiter bei der ZAUG gGmbH. Die bietet eine Qualifizierung für kleine und mittlere Unternehmen an. Deren Angestellte sollen im Beratungs- und Qualifizierungszentrum Zukunftskompetenzen (BQZ) fit gemacht werden für die Veränderungen in der Arbeitswelt.

Fachkräfte sichern

Der Begriff Industrie 4.0 klingt gut, weil fortschrittlich. Ein Schlagwort, mit dem man schnell Zustimmung erntet. Aber konkret wissen die wenigsten damit etwas anzufangen. Der Begriff bezeichnet die intelligente Vernetzung von Maschinen und Abläufen in der Industrie mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologie. Firmen sollen von einer flexiblen Produktion profitieren, von Datenströmen und wandelbaren Produktionsstraßen, von kundenorientierten Lösungen und einer optimierten Logistik.

Dennoch seien gerade kleinere Unternehmen zurückhaltend, wenn es darum geht, Veränderungen anzugehen, sagt Hinck: "Für viele ist das Thema nicht greifbar, sie wissen nicht, wie sie ihre Mitarbeiter schulen sollen." Außerdem müssten sie Personal freistellen - und in die Technik investieren. Aufseiten der Angestellten herrsche oft die Sorge, dass Arbeitsplätze durch die Digitalisierung verloren gingen. "Das Gegenteil wird der Fall sein", sagt Hinck. "Die Arbeit wird erleichtert. Wichtig wird die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen."

Das Projekt BQZ läuft noch bis zum 31. März 2022 und ist auf die Metall- und Elektrobranche beschränkt. Gefördert wird es im Rahmen des Programms "Fachkräfte sichern" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sowie aus dem Europäischen Sozialfonds mit 626 000 Euro; der Eigenanteil der ZAUG beläuft sich auf 86 000 Euro. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen aus der Region. "Wir wollen sie nicht mit Lösungen von der Stange qualifizieren", sagt Dr. Norman Ciezki, ZAUG-Bereichsleiter für Projekt- und Regionalentwicklung, "sondern individuell beraten." Kooperationspartner sind unter anderem das Regionalmanagement Mittelhessen, die Handwerkskammer, die Industrie- und Handelskammer sowie die IG Metall.

Kreatives Denken

Wer an der Qualifizierung teilnehmen will, braucht keine besonderen Programmierkenntnisse. Während der Fortbildung sollen neben den Digitalkompetenzen vor allem Sozialkompetenzen gefördert werden, sagt Projektmitarbeiter Dr. Klaus-Jürgen Rupp. Zu Beginn eines Kurses sollen zunächst die Stärken der Teilnehmer ermittelt werden; anschließend werde dann die Qualifizierung passgenau zusammengestellt. Neben den ZAUG-Mitarbeitern sind externe Honorarkräfte eingebunden.

Dabei spielt auch Teamarbeit eine große Rolle, sagt Roth. Der Grund: Menschen werden in der neuen Arbeitswelt auch projektbezogen und firmenübergreifend arbeiten. Im Mittelpunkt stehen außerdem Spezialthemen wie "Digitales Schweißen" oder E-Learning. Ciezki nennt ein Beispiel: Unternehmen könnten in der Fortbildung zum Beispiel befähigt werden, eigene Video-Gebrauchsanweisungen zu produzieren, um Mitarbeiter leichter mit neuen Maschinen vertraut zu machen.

Lösungen finden

Wichtig sei es, sagt Roth, den Mitarbeitern zu helfen, strukturiert nach Lösungen für das Unternehmen zu suchen. Vor allem kreatives Denken müsse geschult werden. Der ZAUG-Mitarbeiter nennt Beispiele aus der Praxis: Ein Handwerker biete digitalisierte Regenrinnen an, die dem Bewohner einer Immobilie mitteilten, wenn sie verstopft sind.

Oder er erinnert an einen anderen Handwerker, der in einen Roboter investiert hat, der eine Treppe in einem Stück bauen kann. Wie er sich dieses Spezialgerät leisten kann? Er vermiete es zusätzlich an andere Handwerker. Querdenken scheint in der Industrie 4.0 genauso gefragt zu sein wie Fachwissen.

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