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Die denkmalgeschützten Gebäude in der Straße Am Steg sind in den Jahren 1891 bis 1896 entstanden. FOITO: SCHEPP

Denkmalschutz kostet

Kein Studentenwohnheim in Alter Psychiatrie

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Das Gießener Studentenwerk hat seine Pläne für das Siesmayer-Karree am Klinikumsgelände aufgegeben. Der Umbau für studentisches Wohnen sei "zu teuer".

Gießen(si). Es klang zu schön, um wahr zu sein. 200 Wohnheimplätze sollten in der Alten Psychiatrie in der Straße Am Steg entstehen - in denkmalgeschützten Gebäuden, am Rande des Klinikumgeländes, einen kurzen Fußmarsch von der Innenstadt entfernt. Vor knapp vier Jahren machte das Studentenwerk diesen Plan bekannt, die Stadt passte den Bebauungsplan den Wünschen an. Inzwischen ist allerdings klar, dass daraus nichts wird. Das Projekt sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu verwirklichen gewesen, sagte Studentenwerks-Geschäftsführer Ralf Stobbe dieser Zeitung.

Offenbar erwiesen sich vor allem die Verpflichtungen aus dem Denkmalschutz als zu hohe Hürde. Er umfasst zum einen die sechs Gebäude, die als Ensemble der psychiatrischen Klinik von 1891 bis 1896 entstanden sind. Sie wurden bis zum Neubau der Psychiatrie, die 2016 wenige Schritte entfernt bezogen wurde, klinisch genutzt und stehen seitdem leer. Zum anderen fällt der 22 000 Quadratmeter große Park mit seinem alten Baumbestand unter Denkmalschutz. Er hätte vom Studentenwerk gepflegt werden müssen. Die gesamten Auflagen listet ein Gutachten auf, das seit Mitte 2018 vorliegt. Es macht auch deutlich, dass Anbauten an die alten Häuser nicht oder nur mit einem unverhältnismäßig großem finanziellen Aufwand möglich gewesen wären.

Neue Gespräche

Wie es mit dem Ensemble nun weitergeht, ist unklar. Beim Verkauf des Uniklinikums 2006 an die Rhön AG hatte das Land mit dem Unternehmen vereinbart, dass es die Fläche nur im Erbbaurecht erhalten werde; daraufhin machte der Konzern keine Ansprüche geltend, das Areal fiel an das Land zurück, das auch jetzt wieder gefordert ist. Es gebe "verschiedene Nutzungsoptionen", sagte Sprecherin Lisa Dittrich für die Justus-Liebig-Universität. Die Hochschule führe Gespräche mit dem Wissenschaftsministerium.

Die Bezeichnung "Siesmayer-Karree" für die Kulturdenkmäler an der Straße Am Steg wird erst seit der Planung für die neue Psychiatrie verwendet. Sie erinnert an Heinrich Siesmayer (1817-1900), einen bedeutenden hessischen Gartenarchitekten, der in ganz Deutschland über 500 Parks und Gärten geschaffen hat, darunter den Frankfurter Palmengarten, den Kurpark Bad Nauheim und den Schlosspark in Rauischholzhausen. Alte Rechnungen belegen, dass Heinrich Siesmayer und sein Bruder Nicolaus auch an der Bebauung des Seltersbergs in Gießen beteiligt waren, wo ab dem Jahr 1890 das Klinikum entstand.

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