1. Gießener Allgemeine
  2. Gießen

Kein machtvoller Klimastreik

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Burkhard Möller

Kommentare

oli_fff2_290122_4c
Die Klimastreikenden auf der Südanlage. © Oliver Schepp

Gießen (mö). Der »Weltschmerz« habe sie vor drei Jahren nach ihrer ersten »Fridays for Future«-Demonstration in Gießen ergriffen, sagte Havvanur Adak am Freitag in ihrer Rede, die sie auf dem Elefantenklo hielt. September 2019, das war vor der Corona-Pandemie, als zum Klimastreik der jungen Umweltschutzbewegung noch über 1000 Leute kamen. Die sollten es eigentlich auch gestern werden, hatten die Organisatoren gehofft.

Aber es waren nur knapp 300, die am frühen Nachmittag unter der Wintersonne eine zweistündige Demonstrationsrunde um den Anlagenring drehten.

Von einer »enttäuschenden« Resonanz sprach Junis Poos, Schülersprecher der Gesamtschule Gießen-Ost. Corona sei für Demonstrationen nicht nur infektiologisch und organisatorisch ein Problem, die Pandemie überlagere auch andere Themen wie den Klimaschutz. Sogar ein dramatisches Ereignis wie die Flut an Ahr und Erft gerate zu schnell in Vergessenheit.

Rede aus 2019 gehalten

In seiner Rede auf dem Berliner Platz bediente sich Poos eines Tricks, um deutlich zu machen, dass beim Klimaschutz aus seiner Sicht alles zu langsam geht. Er hielt seine Rede aus dem Jahr 2019, in der er beklagt hatte: »Es passiert fast nichts.« Drei Jahre später müssten junge Menschen immer noch die Schule schwänzen, um auf das Problem des Klimawandels aufmerksam zu machen. Es gebe zwar eine neue Bundesregierung und ein neues Datum für den Kohleausstieg, aber »über 2030 können wir nur lachen«, sagte der Ostschüler. Aus Gießen sei auch noch nicht die »fahrradgerechte« Stadt geworden, in der beim ÖPNV der Nulltarif gelte. Beides hatte Poos damals gefordert.

In die gleiche Kerbe schlug bei seiner Rede auf dem Elefantenklo Finn Becker. Die damalige Oberbürgermeisterin habe das Engagement von FFF vor drei Jahren in den höchsten Tönen gelobt, die Stadt selbst indes habe seitdem wenig gemacht. »Es gibt schöne Klimaberichte,. aber dem selbstgesteckten Ziel der Klimaneutralität bis 2035 ist man nicht nähergekommen«, sagte der Jurastudent aus Rödgen. Auch Becker bedauerte mit Blick auf die magere Teilnehmerzahl: »Corona bremst die Klimaschutzbewegung aus.«

Teilnehmer sinken auf den Asphalt

Auf der Runde durch die Gießener Innenstadt wurden kurze Kundgebungen abgehalten. Am Oswaldsgarten sanken die Demoteilnehmer, unten denen man etliche mittelalte und ältere Leute sah, auf den Asphalt.

Von den Jüngeren, die in der Mittagsstunde in kleineren Sternmärschen ins Stadtzentrum gezogen waren, trugen viele Plakate und Banner mit sich. Auf einem stand in Englisch: »Marschiere jetzt oder schwimme später.«

Auch interessant

Kommentare