Kein Corona-Test nach Tirol-Urlaub

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Gießen(kw). Beide waren im Skiurlaub in Tirol. Beide arbeiten im Uniklinikum Gießen und Marburg. Der eine, technischer Angestellter, wird umgehend für zwei Wochen in häusliche Quarantäne geschickt - schließlich ist er aus einem Corona-Risikogebiet zurückgekehrt. Die andere muss als Pflegerin auf einer Intensivstation sofort wieder arbeiten, ohne Test auf das Virus. "Ich empfinde das als unverantwortlichen Umgang mit den Mitarbeitern und Patienten", sagt ein Leser, der die GAZ über den Fall informierte.

Ist es medizinisch sinnvoll, mit einem Test zu warten, bis Symptome auftreten - gerade bei Pflegenden und Ärzten, die engen Kontakt mit Patienten haben? Diese Nachfrage der GAZ beantwortet das Klinikum nicht. Bei der Testung folge man den "Empfehlungen und Vorgaben des Robert-Koch-Institutes", heißt es lapidar. Die UKGM-Pressestelle verweist auf die "Optionen zum Management von Kontaktpersonen unter medizinischem Personal bei Personalmangel".

Die hat die Bundesbehörde veröffentlicht, damit der Betrieb im Gesundheitswesen nicht zusammenbricht. Die offizielle Formulierung: Ziel ist "die Gewährleistung der akutmedizinischen Versorgung (größtmögliche Aufrechterhaltung der Kapazitäten)".

Tatsächlich hat das Land Hessen auf Basis dieser RKI-Empfehlung Ausnahmeregelungen für medizinisches Personal per Verordnung erlaubt. Demnach kann die Quarantäne ausgesetzt werden, so lange ein Pfleger oder Arzt keine Symptome der Erkrankung zeigt. Er oder sie soll in dieser Zeit möglichst wenig engen Kontakt zu Patienten haben.

Das soll allerdings nur eine Notlösung sein. Voraussetzung ist, "dass diese Person aufgrund sonst drohender, anders nicht zu kompensierender Personalengpässe ihre Tätigkeit verrichten muss".

Von diesem Personalmangel geht das UKGM - gemeinsam mit dem Gesundheitsamt - offenbar flächendeckend aus, und dies nicht erst seit der Verschärfung der Corona-Krise vor Ort. Bereits am 14. März ging eine E-Mail an alle Bediensteten, in denen die Anwendung der Ausnahmeregelung als Normalfall erläutert wird.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das RKI noch empfohlen, Rückkehrer aus Risikogebieten alle zwei Tage zu testen. Mittlerweile ist ein Test erst beim Auftreten von Symptomen vorgesehen. Hintergrund ist die allgemeine Überlastung der Test-Anlaufstellen und Labore,

"Der Schutz unserer Patienten und unserer Mitarbeiter hat höchste Priorität für uns", betont UKGM-Sprecher Frank Steibli. "Gleichzeitig haben wir die Funktionsfähigkeit des Universitätsklinikums als Ganzes im Blick, da wir als universitärer Maximalversorger den medizinischen Versorgungsauftrag für Mittelhessen und weit darüber hinaus haben."

Dankenswerterweise habe die Virologie am Standort Gießen hierfür zusätzliche Kapazitäten geschaffen, sodass Tests "an jedem Tag und in jeder Nacht der Woche durchgeführt werden können". Aber nur dann, wenn es offiziell nötig ist - selbst wenn manche Mitarbeiter sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen und gern Klarheit hätten.

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