So sah es am Samstag nach der Schließung in den Räumen von CCC aus.
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So sah es am Samstag nach der Schließung in den Räumen von CCC aus.

Schnäppchenjagd eskaliert

Gießen: Tumult bei CCC-Ausverkauf im Seltersweg - Querdenker in Löwengasse

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Es war ein beschäftigungsreicher Tag für die Gießener Ordnungspolizei: Der Ausverkauf bei CCC im Seltersweg eskalierte, danach tummelten sich Querdenker in der Löwengasse.

  • Am Samstag (5.12.2020) musste die Ordnungspolizei die CCC-Filiale in Gießen schließen.
  • Beim Räumungsverkauf war es zu einem solchen Chaos gekommen, dass die geltenden Abstands- und Corona-Regeln nicht mehr einzuhalten waren.
  • In der Löwengasse in Gießen hatte das Ordnungsamt es danach noch mit Maskenverweigerern zu tun.

Gießen (mö/mac). Chaos beim Räumungsverkauf des Schuhgeschäfts CCC und Stress mit sogenannten Querdenkern: Es war ein arbeitsreicher Samstag für die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts.

Vor allem die Tumulte bei der Schnäppchenjagd im oberen Seltersweg beschäftigten die Stadtpolizei, die die große Filiale am Freitag zeitweise und dann am Samstagnachmittag endgültig schloss, weil die Infektionsschutzbestimmungen in dem Durcheinander nicht mehr einzuhalten waren. Eine Geldbuße verhängt die Stadt gegen die in Insolvenz befindliche Schuhmodenkette gleichwohl nicht. »CCC hat sich bemüht, die Bestimmungen zur Bekämpfung und Eindämmung der Corona-Pandemie umzusetzen. Auch der Anordnung der Ordnungspolizei ist CCC unverzüglich nachgekommen. Ein schuldhaftes Verhalten, welches hätte geahndet werden können, lag am Samstag nicht vor«, erklärte Stadtsprecherin Claudia Boje.

Gießen: Ausverkauf bei CCC ruft Ordnungspolizei auf den Plan

Das Problem seien die Kunden gewesen, nicht das Personal. In dem Tohuwabohu sei es der Ordnungspolizei auch nicht möglich gewesen, sich die besonders rabiaten Personen herauszugreifen. »Die sich vor dem Geschäft versammelte Menschenmenge löste sich nach Schließung und erfolgter allgemeinen Aufforderung, den Platz zu verlassen, langsam auf. Die Personen, die dem Personal zuvor aggressiv gegenüber aufgetreten sind, gaben sich nach Eintreffen der Ordnungspolizei am Samstag nicht mehr zu erkennen«, erläuterte die Stadtsprecherin.

CCC-Schließung: Szenen wie in Gießen sind einzigartig

»Ein Abverkauf bei einer derart großen Kette wie CCC ist auch ohne Corona-Auflagen schon eine Herausforderung«, erklärte Thomas Schulz, Sprecher der Sanierungsgeschäftsführung von CCC. In Gießen sei erschwerend hinzugekommen, dass sich einige Mitarbeiter krank gemeldet und andere Resturlaub gemacht hätten. In Filialen in Berlin, Bremen und Neu-Isenburg habe es auch Probleme mit dem Kundenansturm gegeben, aber nicht so gravierende wie in Gießen. »Die Fotos aus Gießen haben in der Firmenzentrale in Osnabrück durchaus Eindruck hinterlassen«, sagte Schulz. In Berlin sei ein Sicherheitsdienst hinzugezogen worden, bei den noch laufenden bzw. bevorstehenden Räumungsverkäufen sollen derartige Vorkommnisse unbedingt vermieden werden.

»CCC Germany« schließt bundesweit 54 seiner 59 Läden, in Gießen sollte der Samstag ohnehin der letzte Öffnungstag sein.

Gießen: Maskenverweigerer in Löwengasse

Am späteren Samstagnachmittag griff die Ordnungspolizei zudem in der Löwengasse ein, weil einige Teilnehmer eines Infostands, den sogenannte Querdenker bei der Stadt angemeldet hatten, offensichtlich vorsätzlich keine Mundnasenbedeckung trugen. Als die Ordnungspolizei von einigen den Personalausweis sehen wollte, sank ein Mann, der auf seinen Behindertenausweis verwies, theatralisch zu Boden. Eine gesundheitliche Beeinträchtigung war nicht zu erkennen, kurz darauf stand er wieder. Zu diesem Zeitpunkt war der Stand bereits abgebaut worden. Wie die Stadt am Dienstag bestätigte, sind Bußgeldverfahren eingeleitet worden. Seit dem 1. Dezember besteht für die Gießener Fußgängerzone eine Pflicht zum Tragen einer Mundnasenbedeckung.

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