Kein Ansturm auf das Standesamt

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Die "Ehe für alle" hat beim Gießener Standesamt nicht zu einem Ansturm gleichgeschlechtlicher Paare geführt. Eine einzige Anmeldung zur Umwandlung von einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe liege vor, erklärte Magistratssprecherin Claudia Boje auf Anfrage. Dieser Bund werde abseits der Öffentlichkeit geschlossen. Ein weiteres homosexuelles, bisher nicht verpartnertes Paar wolle heiraten, habe aber noch nicht alle Papiere beisammen.

Die "Ehe für alle" hat beim Gießener Standesamt nicht zu einem Ansturm gleichgeschlechtlicher Paare geführt. Eine einzige Anmeldung zur Umwandlung von einer Lebenspartnerschaft in eine Ehe liege vor, erklärte Magistratssprecherin Claudia Boje auf Anfrage. Dieser Bund werde abseits der Öffentlichkeit geschlossen. Ein weiteres homosexuelles, bisher nicht verpartnertes Paar wolle heiraten, habe aber noch nicht alle Papiere beisammen.

Am Sonntag (1. Oktober) tritt die Gleichstellung in Kraft, die der Bundestag Ende Juli beschlossen hat. Etliche Paare mit eingetragener Lebenspartnerschaft planen nun eine Art "Upgrade". Die reguläre Ehe eröffnet ihnen vor allem das Adoptionsrecht, unter Umständen auch eine Gleichstellung beim Miet-, Erb-, Steuer- oder Rentenrecht (mehr Hintergründe auf Seite 5).

Noch einige Monate dauern wird die technische Umsetzung. Diese Probleme gibt es bundesweit: Bisher sieht die Standesamt-Software an einigen Stellen vor, dass bei einer Eheschließung ein Mann und eine Frau eingetragen werden. "Mittlerweile ist sichergestellt, dass die Eheurkunde, die das Paar mitbekommt, nicht mehr die Bezeichnungen Gattin und Gatte enthält", erklärt Boje. "Das ist jetzt für gleichgeschlechtliche Paare neutral formuliert." Für das interne elektronische Eheregister hat der Hersteller ein Update für das nächste Jahr angekündigt. Boje: "Wir müssen nach der Software-Umstellung nacharbeiten und die falschen Bezeichnungen umwandeln."

Tauziehen um Trauzimmernutzung

Seit dem Jahr 2001 konnten homosexuelle Paare eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen. In Gießen haben laut Boje 83 Paare davon Gebrauch gemacht. Diese "Ehe light" wird nun abgeschafft.

Manche Bundesländer und Kommunen taten sich vor 17 Jahren schwer mit dem Gesetz der rot-grünen Bundesregierung. Sie nahmen den Paaren beispielsweise deutlich höhere Gebühren ab als Heterosexuellen oder verbannten sie zum Schließen des Lebensbundes in Hinterzimmer. Rechtliche Benachteiligungen wurden oft erst von Gerichten aus der Welt geschafft.

Auch in Gießen gab es um die Frage des geeigneten Raums ein politisches Tauziehen. Der seinerzeit für das Standesamt zuständige Bürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU) wollte das Trauzimmer in der Villa Leutert den homosexuellen Paaren nicht öffnen und fand Unterstützung bei seiner Partei und Fraktion. Die Eintragung einer Lebenspartnerschaft sei keine Trauung, demzufolge werde auch kein Trauzimmer benötigt, argumentierte Unionschef Klaus Peter Möller damals. Dagegen pochten die Freidemokraten, damals Koalitionspartner der CDU, auf Verpartnerungen im Standesamt.

SPD-Oberbürgermeister Manfred Mutz verfügte schließlich, dass eine Mitarbeiterin des Standesamtes die Aufgabe erledigt und das Trauzimmer dafür offensteht.

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