Im Oberwald weist der Magistrat seit vielen Jahren auf 85 Grabhügel aus der Hallstattzeit hin. FOTO: PM
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Im Oberwald weist der Magistrat seit vielen Jahren auf 85 Grabhügel aus der Hallstattzeit hin. FOTO: PM

Kaum ein Waldstück ohne Gräber

  • vonDagmar Klein
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Gießen und sein Umland sind voller Spuren aus früheren Kulturen. Das haben zahlreiche Ausgrabungen mittlerweile bestätigt. Im Oberwald im Stadtteil Lützellinden weist ein Hinweisschild auf Hügelgräber aus der Hallstattzeit hin.

Das Gießener Land und seine Umgebung sind voller Spuren aus früheren Kulturen. Die Funde reichen zurück bis in die Jungsteinzeit (4000 vor Chr.), etwa auf dem Schiffenberg. Schon im 19. Jahrhundert war das Interesse für Grabungen bei historisch interessierten Menschen geweckt. Besonders ergiebig waren Grabfelder, weil hier oft Beigaben zu finden waren. Tonscherben, die Rückschluss auf verschiedene Gefäße gaben, Metallstücke, die bei den Frauen in der Regel von Schmuck und bei Männern von Waffen herrührten. Die vor- und frühgeschichtliche Abteilung des Oberhessischen Museums birgt zahlreiche Fundstücke.

Viele Funde stammen aus der vorrömischen Eisenzeit zwischen 800 und 450 vor Christus. Diese wird auch als Hallstattkultur bezeichnet, nach dem ersten großen Fundort am Hallstatter See im oberösterreichischen Salzkammergut 1846, der mit Zeichnungen dokumentiert ist. Ebenfalls in diese Zeitstellung gehört der Begriff Kelten, der bekannter wurde, aber sehr unscharf und weder regional noch zeitlich exakt zu fassen ist.

Zur damaligen Siedlungsform gehörten Ackerbau und Viehzucht, Textil- und Metallverarbeitung. Dazu kam der (Tausch-)Handel, Handelsrouten bildeten sich aus. Die Bestattungen waren je nach Reichtum unterschiedlich aufwendig, das reichte vom Hügelgrab für Fürsten - wie auf dem Glauberg - bis zu (Urnen-)Gräberfeldern, die in der hiesigen Region recht häufig sind. In und um Gießen gibt es kaum ein Waldstück, in dem keine Gräberfelder der Hallstattzeit gefunden wurden.

Die Flächen, auf denen Grabungen stattfanden, sind heute teils überbaut, doch manche Gebiete liegen für die meisten unbekannt inmitten von Waldstücken. So auch im Oberwald im Stadtteil Lützellinden. Dort weisen sogar Schilder, die der Magistrat dort einmal anbringen hat lassen, auf Grabfelder der frühen Eisenzeit/Hallstattkultur hin.

Vor zwei Jahren stellte "hessenArchäologie" zudem Funde einer Besiedlung vor, die in dieser Region bei der Verlegung einer Ferngasleitung zutage gefördert wurden und sich auf die Linienbandkeramische Kultur (5500 bis 4900 vor Christus) datieren ließen.

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