Das kontaktlose Zahlen erlebt in der Corona-Krise einen deutlichen Schub. 
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Das kontaktlose Zahlen erlebt in der Corona-Krise einen deutlichen Schub. 

Wie bezahlen?

Kaum jemand zückt noch Bargeld

  • Marc Schäfer
    vonMarc Schäfer
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Das kontaktlose Bezahlen erlebt in der Corona-Krise ein ungeahntes Hoch. Ob Brötchen, Mundschutz oder Kaffee - immer öfter zücken auch die Gießener in diesen Tagen an der Kasse ihre Karte. Der Geldautomat indes hat beinahe ausgedient.

Ob die Brötchen beim Bäcker, den Americano im Café oder auch den Wocheneinkauf im Supermarkt – immer häufiger zahlen die Gießener in der Corona-Krise mit der Karte. Die Höhe der Beträge spielt dabei kaum eine Rolle. Seit die Weltgesundheitsorganisation WHO den Verzicht auf Bargeld empfohlen hat und auch die meisten Ladenbesitzer ihre Kunden zur Reduzierung des Ansteckungsrisikos um kontaktloses Bezahlen bitten, schnellt die Anzahl der bargeldlosen Transaktionen in die Höhe. Kartenzahlungen sowie das mobile Zahlen mit dem Smartphone sind im Corona-Shutdown zu einem Trend geworden, der die Krise überdauern könnte.

Das glaubt auch Lars Witteck, Vorstand der Volksbank Mittelhessen. Denn das Geldinstitut hat in den letzten Tagen interessante Zahlen erhoben. Demnach haben sich die Kartenzahlungen der Volksbank-Kunden im Zeitraum der Krise von Mitte März bis Mitte April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um etwa 60 Prozent gesteigert. 2019 zählte die Bank in diesen vier Wochen 280 000 Transaktionen. In diesem Jahr 470 000. Fast 400 000 Transaktion waren zuvor von Mitte Februar bis Mitte März 2020 angefallen. "Ein Plus von 70 000 Transaktionen innerhalb eines Monats, obwohl die meisten Geschäfte geschlossen waren, ist eine beachtliche Entwicklung", sagt Witteck. Er berichtet, dass es eine ähnliche Steigerung auch beim Zahlen mit dem Handy gegeben habe. Dort sind die Transaktionen von etwa 1300 (2019) über 2400 (Februar bis März 2020) auf zuletzt 3300 gestiegen. "Vieles davon wird sich nicht zurückdrehen lassen. Ich bin sicher, gerade bei den bis zu 50-Jährigen wird das Bargeld nach der Krise abgemeldet sein"; sagt Witteck.

Den Trend zum bargeldlosen Zahlen gab es schon vor Corona. Die Beratungsfirma Oliver Wyman berichtet in einer Studie, dass der Anteil von Barzahlungen nach Umsatz bis 2025 auf 32 Prozent fallen werde. 2017 lag er laut Bundesbank noch bei 52 Prozent.

Corona Gießen: Kartenzahlungen mehr als verdoppelt

Ein weiteres Indiz dafür, dass Bargeld gerade eine untergeordnete Rolle spielt, ist die Benutzung der Geldautomaten. Bei der Volksbank kamen im März 2019 durchschnittlich an allen Automaten 3112 Abhebungen zustande. Im März 2020 waren es noch 2275. Doch im April fiel die Zahl weiter. Bis zum 23. nutzten VoBa-Kunden die Automaten zu 1196 Abhebungen. Das ist knapp die Hälfte der Abhebungen aus dem April 2019. Eine Entwicklung, die auch die Sparkasse Gießen beobachtet hat. "Wir erleben einen deutlichen Rückgang der Verfügungen an den Automaten, sowohl in der Anzahl als auch in der Höhe", berichtet Sprecherin Christina Brückel. Witteck ist sicher: "Auch dieses Verhalten wird nicht zum alten Niveau zurückkehren. Unsere Kunden werden dauerhaft weniger mit Bargeld bezahlen."

Die Banken haben weitere Veränderungen bemerkt: Es gebe eine sehr hohe Nachfrage der Händler nach Kartenterminals, sagt Witteck, "auch von denen, die das für ihre Branche bislang immer ausgeschlossen haben". Zudem sei seit Mitte März ein sprunghafter Anstieg bei der Eröffnung von Online-Wertpapierdepots zu verzeichnen. Interessant ist auch die Veränderung in der Kontaktaufnahme der Kunden. Sowohl Sparkasse als auch Volksbank bemerken eine starke Zunahme von Anrufen und E-Mails. "Viele haben in der Krise entdeckt, dass die medialen Zugangswege Vorteile haben. Wir gehen davon aus, dass sie darauf in Zukunft nicht verzichten", sagt Brückel. Beide Banken schließen indes aus, dass diese Erfahrungen zu vermehrten Filialschließungen führen werden.

Kein Recht auf Bares

Kontaktlos ist das Zahlen mit Karte nur ohne Eingabe der Geheimzahl. In der Corona-Krise hat die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) das Limit für eine Kartenzahlung ohne PIN von 25 auf 50 Euro erhöht. Etwa die Hälfte aller Kartenzahlungen laufe laut DK derzeit auf diese Weise - im Dezember 2019 seien es noch 36 Prozent gewesen.

Anspruch auf Barzahlung besteht nicht. Die Verbraucherzentrale klärt auf, dass das Prinzip der Vertragsfreiheit gelte. Es bedeutet, dass Vertragsparteien auch die Art der Bezahlung bestimmen können. Es steht Händlern frei, eine bestimmte Art der Bezahlung auszuschließen.

Gebühren fallen zumindest für den Händler je nach Modell bei Kartenzahlung in unterschiedlicher Höhe an. Manche verfügen aber auch über eine Flatrate. Bei manchen Kontomodellen werden auch die Kunden (pro Buchung 20 Cent) zur Kasse gebeten.

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