Bei Karstadt Kaufhof im Seltersweg muss weiter gebangt werden. FOTO: SCHEPP
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Bei Karstadt Kaufhof im Seltersweg muss weiter gebangt werden. FOTO: SCHEPP

Krise bei Warenhauskette

Karstadt-Mitarbeiter in Gießen hoffen auf "schwarze Liste"

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Bei der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof haben am Montag Betriebsversammlungen stattgefunden, auch in Gießen. Ob und wie es am Selterstor weitergehen wird, ist immer noch nicht klar.

80. Das ist die Zahl, die den 28 000 Mitarbeiter/innen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof seit Wochen Angst macht. Bis zu 80 der insgesamt gut 170 Filialen sollen geschlossen werden, um das Gesamtunternehmen zu retten. Mit einer Antwort auf die Frage, ob das große Warenhaus am Gießener Selterstor zu diesen 80 Filialen gehört, haben die rund 200 Gießener Beschäftigten am Montag nicht gerechnet, als am Morgen auch in Gießen eine Betriebsversammlung stattfand. Dass sie mit der Ungewissheit wohl auch noch diese Woche leben müssen, war aus den Gesprächen zwischen Arbeitnehmerseite, Management und den beiden Schutzschirm-Bevollmächtigten schon durchgesickert.

Während andernorts wie zum Beispiel in Fulda Belegschaften auch mit Demonstrationen und Kundgebungen auf ihre Lage aufmerksam machten, verlief die sehr gut besuchte Betriebsversammlung in Gießen laut Ver.di Fachsekretär Joachim Haucke "ruhig, still und konzenriert". Der Betriebsrat selbst, der zur Betriebsversammlung eingeladen hatte, hielt sich auf GAZ-Anfrage bedeckt.

Laut Gewerkschaftsverteter Haucke war klar, dass man den Beschäftigten "nicht viel Neues" würde sagen können. Der Sanierungsplan, der im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens bis Ende des Monats beim Insolvenzgericht in Essen vorgelegt werden muss, sehe voraussichtlich weiterhin die Schließung von bis zu 80 Filialen, einen zehnprozentigen Personalabbau in den fortbesetehenden Filialen sowie Lohnverzicht vor.

Im Vordergrund steht natürlich die Frage nach dem Erhalt der Filiale. Falls es die Streichliste schon gibt, ist sie ein gut gehütetes Geheimnis. Durchgesickert sind aber drei Kategorien, die es geben soll. Die Rede ist von roten, grauen und schwarzen Filialen. Rot stehe für Häuser, die aktut von der Schließung bedroht seien, grau für solche, bei denen es darum gehe, bessere Rahmenbedingungen wie eine geringere Miete zu erreichen, und schwarz für die profitablen Standorte. Da die Zahlen in Gießen vor der Corona-Krise ganz gut gewesen sein sollen, ist Schwarz im Seltersweg die Farbe der Hoffnung.

Gewerkschafter Haucke geht davon aus, dass es in der nächsten Woche Gewissheit geben wird, da die Verhandlungen über den Sanierungsplan vor der Einreichung beim Amtsgericht Essen abgeschlossen werden müssen.

Zukunftskonzept gefordert

Um möglichst viele Beschäftigte und Filialen angesichts der "Kahlschlagpläne" zu schützen und abzusichern, verhandelt die Tarifkommission von Ver.di seit Ende vergangener Woche mit der Unternehmensleitung und dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz sowie dem gerichtlich bestellten Sachwalter Frank Kebekus. Die Arbeitnehmerseite fordert einen Sozialtarifvertrag und die Vorlage eines schon lange geforderten Zukunftskonzepts für die Kaufhäuser, an deren Ausgestaltung die Beschäftigten beteiligt werden müssten.

Derweil steht der bisherige Chef von Galeria Karstadt Kaufhof, Stephan Fanderl, laut Medienberichten vor der Ablösung.

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