Basisarbeit für die CDU: Randy Uelman (2.v.l.) entfernt mit Marleen Weppler und Volker Bouffier jun. Wahlplakate.
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Basisarbeit für die CDU: Randy Uelman (2.v.l.) entfernt mit Marleen Weppler und Volker Bouffier jun. Wahlplakate.

Kritik an den »Profis«

Kanzlerkandidatur: Gießener CDU-Vize vermisst Einbindung der Mitglieder

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Laschet oder Söder? Der Gießener CDU-Vizechef Randy Uelman kritisiert den Machtkampf um die Kanzlerkandidatur in der Union. Es sei höchste Zeit für mehr Mitglieder-Mitbestimmung.

Gießen - Mit einer Mischung aus Sorge und Spannung verfolgen auch in Gießen viele CDU-Mitglieder, wie das Tauziehen der Schwesterparteien um die Kanzlerkandidatur ausgehen wird. Laschet oder Söder lautet die Frage, die den stellvertretenden Gießener Parteivorsitzenden Randy Uelman aber nur in zweiter Linie interessiert. Ihn ärgert vielmehr, dass es die Union erneut verpasst hat, die Mitglieder bei dieser so wichtigen Entscheidung für Partei und Land mitzunehmen. »Ich bin langjähriges CDU-Mitglied und ich wurde - wie meistens in meiner Partei - wieder nicht gefragt«, sagt Uelman im GAZ-Interview.

Herr Uelman: Sie erhalten gerade auch von Parteifreunden viel Zustimmung für einen kritischen Beitrag zum Entscheidungsprozess in Sachen Kanzlerkandidatur in der Union. Was stört Sie?

Randy Uelman: Ich bin langjähriges CDU-Mitglied und ich wurde - wie meistens in meiner Partei - wieder nicht gefragt. Das ist keine moderne Form der partizipativen Parteiendemokratie und lässt alle Mitglieder bei wichtigen Entscheidungen unberücksichtigt. Ich glaube, dass die Mitglieder der CDU/CSU aber klüger, reflektierter und abgewogener sind, als es die etablierten Führungsgremien der Parteien glauben. Von oben wurde wieder erklärt: Haltet die Füße still, die Profis machen das schon richtig. Es ist aber nicht richtig gelaufen, sondern ziemlich unprofesionell. Das ärgert mich.

Geht es Ihnen jetzt um diese eine Entscheidung oder grundsätzlich um mehr Mitsprache?

Angesichts der völlig verunglückten Abläufe der letzten Tage ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Frage nach den Entscheidungsstrukturen auch grundsätzlich zu stellen. Bei gewissen Themen und Personalentscheidungen kann es sinnvoll sein, von den Mitgliedern ein Meinungsbild einzuholen oder eine Urabstimmung durchzuführen. Die in den letzten Tagen erneut zutage getretene Methode, dass die Silberrücken das alleine austragen, schadet der Union jedenfalls erkennbar.

Ist es vielleicht nur eine Frage der vorhandenen oder gerade nicht vorhandenen Harmonie in einer Partei? Ausgerechnet die Grünen entscheiden ihre Kanzlerkandidaten-Frage jetzt unter vier Augen und nach Vorbild des legendären Wolfratshausener Frühstücks zwischen Angela Merkel und Edmund Stoiber.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn Harbeck und Baerbock das jetzt bei Falafel und Bier unter sich ausmachen, hätte es doch einen Charme gehabt, wenn die Union diese Frage basisdemokratisch beantwortet hätte.

Sehen Sie das vielleicht auch kritischer, weil Sie zu den jungen Wilden gehören?

Ich bin kein basisdemokratischer Revoluzzer, aber ich bekomme natürlich mit, welche Erwartungen junge Leute haben, die sich für unsere Partei interessieren. Beim Stammtisch der JU oder dem Ortsverein nett zusammenzusitzen, ist schön, reicht aber nicht. Neumitglieder haben durchaus konkrete Vorstellungen, an welchen Stellen und zu welchen Themen sie sich einbringen wollen. Die Teilhabemöglichkeiten müssen verbreitert werden. Auch mit Formaten wie Regionalkonferenzen oder Werkstattgesprächen erreicht man doch nur einen Bruchteil der Mitglieder. Mehr als 20 von 2000 schaffen es nicht ans Rednerpult, wenn die Bundeskanzlerin in der Rittal-Arena zu Gast ist.

In Gießen praktiziert der CDU-Stadtverband schon sehr lange die mitgliederoffenen Parteitage ohne Delegiertensystem. Jedes Mitglied in Gießen kann mitentscheiden, wer Vorsitzender oder wer OB-Kandidat wird und mit welchen Parteien die CDU koalieren soll.

Das stimmt. Helge Braun hatte bereits Mitte der 1990er Jahre die Idee der mitgliederoffenen Parteitage. Aus meiner Sicht hat sich der Verzicht auf Delegierte bewährt, auch wenn es auch bei uns nicht so ist, dass wir Stühle vor die Tür im Bürgerhaus stellen müssen, weil so viele Mitglieder gekommen sind. Als Gießener CDU-Mitglied kann ich mich auch nicht über einen Mangel an Transparenz beklagen, was die Entscheidungsprozesse ganz oben betrifft. Wir haben den Kanzleramtschef und den hessischen Ministerpräsidenten in unseren Reihen. Da sind wir natürlich privilegiert.

Der Kardinalfrage dieser Tage entkommen Sie nicht: Laschet oder Söder?

Ich könnte mit beiden leben und hoffe, dass das jetzt schnell entschieden wird und sich nicht noch zwei Wochen hinzieht. (mö)

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