+
Peter Zutt fürchtet um seinen Kanuverleih in Gießen. Wegen den Corona-Einschränkungen konnte die Saison auf der Lahn noch nicht anlaufen. FOTO: SEG

Kanu-Verleih im Trockendock

Die Straßen in der Innenstadt füllen sich wieder, aber die Lahn bleibt menschenleer. Der Kanu-und Tretboot-Verleih ist immer noch verboten. Peter Zutt von Kanutours Gießen erzählt, was das für das Unternehmen bedeutet und worauf er hofft.

Die dunkelgrünen Kanus liegen aufgereiht in ihren Halterungen und die Tretboote sind noch demontiert - den Schwänen und Flamingos fehlt der Kopf. Peter Zutt, der Inhaber von Kanutours Gießen, steht vor seinem Unternehmen an der Lahn: "Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht." Hunderte Fahrradfahrer tummelten sich an den schönen Frühlingstagen dicht an dicht am Damm, aber er könne seinen Verleih nicht öffnen.

Dabei dürfe man auf der Lahn mit dem Tretboot oder Kanu fahren, sagt er, aber nur, wenn es das eigene sei. Der Kanu-Verleih fällt als Anbieter von Freizeitaktivitäten unter die hessische Corona-Verordnung und muss deswegen geschlossen bleiben.

Wie viele andere Unternehmen, die wegen Corona schließen mussten, haben auch Kanutours im Moment keine Einnahmen. "Und daran haben wir echt zu knabbern", sagt Zutt. Als Saisongeschäft hätten sie bei dem guten Wetter normalerweise viele Kunden. Seine Frau Elke Zettel wirft ein: "Wir bekommen auch die ganze Zeit Anrufe von Menschen die fragen, ob wir geöffnet haben. Den Eltern und Kindern fällt die Decke auf den Kopf." Aber sie müsse ihnen absagen. Auch die Reservierungen für April mussten sie bereits verschieben oder stornieren, sagt sie. Peter Zutt erklärt, dass dieses Jahr noch kein Boot im Wasser war. Das sei finanziell ein Desaster. Die Mitarbeiter müssten Kurzarbeit machen, und die bis zu 20 Aushilfen würden gerade auf dem Trockenen sitzen. Das Unternehmen habe trotzdem laufende Ausgaben im vierstelligen Bereich. Dazu zählen zum Beispiel die Miete, aber auch die Leasing-Gebühren des Reisebusses. Die alleine liegen bei 1500 Euro, sagt der Inhaber. "Wir haben einen Antrag auf die 9000 Euro Soforthilfe gestellt, und das hat auch funktioniert, aber das hält uns nicht lange über Wasser." Kredite aufzunehmen, sehen sie skeptisch. Peter Zutt sagt: "Die verschieben das Problem ja nur nach hinten." Aber der Kanu-Verleih sei ein Saisongeschäft und verdiene das meiste Geld im Sommer. Wenn sie die nächsten Monate weiter geschlossen bleiben müssen, helfe ihnen ein Kredit nichts. Das fehlende Geld können sie in den Wintermonaten nichtmehr verdienen, erklärt er. Deswegen zehren sie gerade von ihren Ersparnissen, aber ewig reiche das nicht.

"Wir verstehen die Regeln ja, aber wenn sich die Menschen wieder in Geschäften aufhalten dürfen, dann doch wohl auch auf dem Wasser unter freien Himmel", sagt er. Auch dort könne man die Abstandsregeln einhalten. Sie hätten sich schon reichlich Gedanken gemacht, wie man das alles umsetzen könne. Wenn einer vorne und einer hinten im Kanu sitze, dann seien drei Meter Abstand zwischen ihnen. Außerdem hätten sie Flächendesinfektionsmittel beschafft und Masken bestellt. Es gebe auch ein großes Waschbecken im Außenbereich des Lagers, und ein mobiles Becken würde man vor den Steg stellen. Elke Zutt sagt: "Wir würden auch nur mit Reservierungen ein Boot herausgeben, damit nicht so viel Andrang ist und natürlich die Ausweise prüfen, damit nur Familien zusammen aufs Wasser gehen."

Ihnen sei klar, dass der Betrieb diesen Sommer nicht laufen werde wie immer, auch die Ladengeschäfte und Eisdielen müssen sich an spezielle Regeln halten. Peter Zutt sagt dazu: "Das verlangt natürlich eine besondere Logistik, aber die Herausforderung nehmen wir an." Sie erhoffen sich, wenn Anfang Mai weitere Aufhebungen von Beschränkungen verkündet werden sollten, dass sie dann auch dabei sind. Er appelliert: "Die Politik muss sich da ein bisschen bewegen."

Achim Girsig vom Lahntal Tourismus Verband weist darauf hin, dass es von der Virusentwicklung abhängt, wann der Tourismus an der Lahn wieder losgehen kann. Er sagt: "Wichtig ist eine einheitliche Lösung der Bundesländer, sonst sorgt man nur für Wanderbewegungen der Touristen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare