Die Kantorei der Petruskirche bei ihrem Jubiläumskonzert. (Foto: jou)
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Die Kantorei der Petruskirche bei ihrem Jubiläumskonzert. (Foto: jou)

Kantorei der Petruskirche feiert Geburtstag

Feste kulturelle Institution: Für die Kantorei der Petruskirche gab es beim Konzert zum 50-jährigen Bestehen herzlichen Applaus.

Ein Konzert zum 50-jährigen Bestehen veranstaltete am Samstag die Kantorei der Petruskirche unter Leitung von Marina Sagor-ski in Begleitung der Camerata gisensis. Pfarrer Matthias Leschhorn blickte "auf eine lange und erfolgreiche Chorarbeit" zurück und würdigte das Engagement der Sänger und Kantoren.

Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz bezeichnete das Ensemble als "frisch, vital und voller Tatendrang"; Kontinuität zeige sich darin, dass es seit der Gründung erst drei Wechsel in der Leitung gegeben habe. Universitätsmusikdirektor Stefan Ottersbach erinnerte an Produktionen mit Beteiligung des Chors, die er dirigiert hatte: 2007 Gustav Mahlers 8. Sinfonie, 2008 Carl Orffs Kantate "Carmina Burana" und jüngst, im Februar Benjamin Brittens "War Requiem". Weitere Ansprachen hielten Landeskirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum, der Vorsitzende des evangelischen Dekanats Gießen, Gerhard Schulze-Velmede, sowie ein langjähriges Mitglied der Kantorei.

In welch hohem Maße das Ensemble zur festen kulturellen Institution geworden ist, bewies es in seinen ambitionierten Darbietungen. Im Programm stand die Lobpreisung Gottes im Mittelpunkt. Stabilität strahlte die Musik im mitreißend zu Gehör gebrachten Eröffnungssatz des "Gloria" RV 589 von Antonio Vivaldi aus. Das anschließende ruhige "Et in terra pax" geriet nachdenklich im Ausdruck. Die Kantorei spannte hier die melodischen Bögen mit langem Atem; eine farbige Untermalung lieferte das Orchester. Im Ganzen bereitete die feine Interpretation ein emotional berührendes Erlebnis. Aus der Messe e-Moll WAB 27 von Anton Bruckner verschmolz im "Gloria" der warme Bläserklang anmutig mit dem nuancierten Chorgesang. Besonders gefiel hier die lebendige, dabei deutliche Textgestaltung der Petruskantorei. Überdies bestach die plastische räumliche Wirkung.

Dass der Kantorei gleichermaßen Musik des 20. Jahrhunderts liegt, demonstrierte sie bei der 1974 entstandenen "Gloria"-Vertonung des englischen Komponisten John Rutter (geb. 1945). Kraftvoll spielte das Orchester den dramatischen, Aufmerksamkeit weckenden Beginn, dann stimmte der Chor mit ein und die Komposition zog mit ihrer Feierlichkeit in Bann. Erneut begeisterte die sorgfältige Hingabe, mit der die Musiker das stilistisch unkomplizierte, kontrastbetonte Werk vortrugen. In sanftere Gefilde führte der zweite Satz "Domine Deus, Rex caelestis" mit reizvoller Holzbläserbegleitung. Die beschauliche Atmosphäre vermochte magisch zu fesseln. Rhythmisch akkurat gelang das beschwingte "Quoniam tu solus sanctus" mit intensiven Schlusssteigerungen. Für das niveauvolle Konzert spendeten die zahlreichen Besucher lang anhaltenden herzlichen Applaus. Sascha Jouini

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