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Kandidaten gehen von Stichwahl aus

  • Burkhard Möller
    VonBurkhard Möller
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Nach zwölf Jahren wird in Gießen ein neuer Oberbürgermeister gesucht. Bei der morgigen Wahl wird nach Erwartung der Kandidaten selbst und vieler Beobachter aber noch keine Entscheidung fallen. Für Spannung sorgt vor allem die Frage: Welche beiden Kandidaten schaffen es in die Stichwahl am 24. Oktober?

Zwei Wochen noch, dann beginnen in Hessen schon wieder die Herbstferien. Alexander Wright, Frederik Bouffier und Frank-Tilo Becher haben in dieser Zeit wohl keinen Urlaub geplant, aber einer von ihnen könnte spontan die Koffer packen. Am morgigen Sonntagabend werden die Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl wissen, wer von ihnen im Oktober nicht mehr ranmuss im Rennen um den Chefsessel im Gießener Rathaus. Denn alle, die sich ein bisschen in der Stadtpolitik auskennen, gehen davon aus, dass es am 24. Oktober zu einer Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt kommt, das SPD-Amtsinhaberin Dietlind Grabe-Bolz am 12./13. Dezember an ihren Nachfolger übergeben wird. Am morgigen Wahltag geht es für die drei aussichtsreichsten Kandidaten also darum, sich für die Stichwahl zu qualifizieren. Das Rennen um die ersten zwei Plätze gilt als offen; dafür reichen wird wohl ein Ergebnis von gut 30 Prozent. Einige Faktoren machen die Vorhersagen allerdings schwierig.

Bundestagswahl: Sie sorgt für eine hohe Wahlbeteiligung von sicherlich über 70 Prozent, die bei kommunalen Direktwahlen, wen sie allein stattfinden, nie erreicht wird. Da stellt sich die Frage, ob und wie die OB-Kandidaten vom Mitnahmeeffekt durch Wähler, die kommunal nicht wählen, profitieren.

Außenseiter-Kandidaten: Haben Marco Rasch (PARTEI) und Einzelbewerber Thomas Dombrowski das Potenzial zum Zünglein an der Waage? Rasch wohl eher als Dombrowski. Immerhin holte die Satire-Gruppierung PARTEI bei der Kommunalwahl im März 3,3 Prozent in Gießen. Ein Ergebnis von bis zu fünf Prozent ist dem Spaß-Kandidaten durchaus zuzutrauen.

Frei werdende Stimmen: Klar ist: Nur die Stimmen der Stammwähler ihrer Parteien reichen weder Wright (Grüne) noch Bouffier (CDU) und Becher (SPD) für ein Ergebnis, das zum Einzug in die Stichwahl reicht. Alle drei Kandidaten sind auf die Stimmen von Wählern der Parteien angewiesen, die keine eigenen Kandidaten ins Rennen geschickt haben. Nimmt man die Kommunalwahl vom März zum Maßstab, geht es hier immerhin um ein Potenzial von etwa 32 Prozent an frei werdenden Stimmen. Im eher linken Spektrum (Gießener Linke, Gigg und Volt) sind das knapp 17 Prozent, im eher rechten (FDP, Freie Wähler und AfD) knapp 16 Prozent. Wahlempfehlungen wurden außer von Gigg und Volt - zugunsten des SPD-Kandidaten Becher - keine ausgesprochen.

Ausgangssituation: Legt man das Kommunalwahlergebnis zugrunde, hätte Grünen-Kandidat Wright den kürzesten Weg in die Stichwahl, da die Grünen im März auf 26,8 Prozent kamen. Weiter würde der Weg für Bouffier (CDU: 20,5 Prozent) und für Becher (SPD: 16,9). Diese Betrachtung lässt freilich nicht nur die aktuelle politische Stimmung außer Acht, sondern auch den Faktor Persönlichkeit, der ganz entscheidend ist bei Direktwahlen wie der des Oberbürgermeisters oder des Landrats.

Wahlhistorie: Die morgige OB-Direktwahl ist erst die fünfte in Gießen seit 1997. Zu einer Stichwahl kam es bislang nur 2003, als Heinz-Peter Haumann (CDU) hauchdünn gegen Gerhard Merz (SPD) gewann. Damals war die Wahlbeteiligung von gut 30 Prozent bei der Stichwahl sehr niedrig.

Besonderheit: Die Zahl der Wahlberechtigten bei den morgigen Wahlen divergiert. Da bei kommunalen Wahlen auch die in Gießen lebenden Ausländer aus der Europäischen Union wahlberechtigt sind, sind bei Oberbürgermeister- und Landrats-Wahl rund 65 000 Gießener wahlberechtigt, bei der Bundestagswahl, bei der nur deutsche Staatsangehörige wählen dürfen, sind es 61 000.

Ablauf am Wahlabend: Für die Kandidaten bei der OB- und Landratswahl und deren Anhänger wird der Sonntagabend zur Geduldsprobe, denn zuerst wird die Bundestagswahl ausgezählt, danach die OB-Wahl und zuletzt die Landratswahl. Aber auch bei der Landratswahl soll auf jeden Fall in der Wahlnacht ein Ergebnis vorliegen.

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