Markus Wach und Stephan Pussel improvisieren. FOTO: PM
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Markus Wach und Stephan Pussel improvisieren. FOTO: PM

Kabuli Rubab trifft auf Körpertambura

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Gießen(pm). Dass Markus Wach und Stephan Pussel in der kleinen, stimmungsvoll beleuchteten Georgskapelle der Morus-Gemeinde gemeinsam Musik machten, war in dieser Form eine Premiere. Die beiden Musiker kennen sich zwar schon lange, aber in dieser musikalischen Konstellation traten sie zum ersten Mal auf.

Auf Einladung von Kirchenmusiker Jakob Handrack wagten sie das musikalische Experiment und es glückte. Das sehr aufmerksame Publikum hörte intensiv der über sechzigminütigen Improvisation zu. Die Dramaturgie aus Wechselspiel, Phasen des Anspannens und des Entspannens, dem Sicheinlassen und Aufeinanderhören verlieh der Musik kontinuierliche Spannung. Dabei konnte man fühlen, wie die beiden Weltmusiker vollständig in ihrer Musik aufgingen. Improvisation als unerschöpfliche Quelle von Spiritualität schaffte Inspirierendes und offenbarte Persönliches.

Dazu hatten Wach und Pussel ein breites Klangspektrum an Möglichkeiten mitgebracht; zum Beispiel die Kabuli Rubab von Markus Wach, ein lautenähnliches Instrument, das überwiegend von Patschunen gespielt wird und als Nationalinstrument von Afghanistan gilt. Es besteht nur aus drei Melodiesaiten, die gezupft werden. Die 15 Resonanzsaiten schwingen je nach Stimmung mit. Es entsteht ein Gefühl der Unendlichkeit in der Tongestaltung. Die breiten Klangfrequenzen füllen Raum und Zeit.

Stephan Pussel ergänzte mit seinen perkussiven Klanginstallationen das freie, melodische Spiel, von gelassen-meditativ bis rhythmisch-pulsierend verlieh er den spirituellen Klangsphären Charakter. Dazu wusste er auch sein natürliches Instrument, seine Stimme, gekonnt einzusetzen. Mantraartig breitete sich das Vibrieren des sonoren Baßtons aus.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt ein Instrument Pussels, eine sogenannte "Körpertambura". Diese ist ein therapeutisches Instrument, entwickelt und gebaut in der Klangwerkstatt von Bernhard Deutz in Berlin ursprünglich für die Berliner Charité. Das Instrument ist auf der Rückseite nach innen gewölbt, gleich einer Wiege. Auf der unteren, nach außen gewölbten Form sind die 28 Saiten in Quinten angebracht. Werden die Saiten angeschlagen, vibriert die Auflagefläche und überträgt die Schwingungen auf den dort liegenden Säugling.

Das Publikum war nach einer Stunde aber noch lange nicht satt. Und so entwickelte sich das Improvisationskonzert zu einem anschließenden Gesprächskonzert.

Nächstes Konzert am Donnerstag

Die Reihe der Improvisationskonzerte in der Thomas-Morus-Kirche wird noch bis Ende März fortgesetzt, jeweils donnerstags um 19.30 Uhr. Am kommenden Donnerstag, 12. März, führt das Trio "Anglicore" um 19.30 Uhr in unerhörte Klangsphären der Neuen Improvisierten Musik. Der Eintritt ist frei.

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