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Das Kinocenter in der Bahnhofstraße soll schließen.

Online-Treffen

Gießener Initiative gegen Kinocenter-Abriss: Junger Einsatz für altes Kino

  • vonChristian Schneebeck
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Nicht alle Gießener wollen das Aus für das Kinocenter einfach so hinnehmen. Wie sieht ihr Protest aus? Welche Ideen haben sie?

Gießen – Wenigstens dieser eine Vorschlag bleibt wohl ein Scherz. Zu der Option »Kinocenter besetzen« wollte sich bei der Online-Bürgerversammlung der Initiative #kinocenterbleibt am Donnerstagabend jedenfalls niemand genauer äußern. Andere, mal mehr, mal weniger realistische Vorschläge, wie das Traditionshaus in der Bahnhofstraße langfristig erhalten bleiben könnte, sammelten die gut 30 Teilnehmer zuhauf.

Dass man der Kreativität dabei keinerlei Grenzen setzen wollte, betonte Jan Buck gleich in seinem Begrüßungsstatement. »Wir möchten heute bewusst auch Utopien entwickeln«, ermunterte der Co-Gastgeber die ziemlich große Runde.

Kinocenter in Gießen: Initiative will sich mit Abriss „nicht einfach abfinden“

Fast schon irritierend nüchtern wirkte da die Idee von Florian Dreyer. »Vielleicht sollten hier alle mal mehr ins Kino gehen und so dafür sorgen, dass es in Zukunft rentabel bleibt«, sagte er. Tatsächlich hatte Kinopolis-Chef Gregory Theile, dessen Unternehmen auch das Kinocenter betreibt, erklärt, dieses sei schon vor der Pandemie quersubventioniert worden. Als Eigentümerin des Grundstücks plant die Frankfurter Adam Henrich Lichtspiel GmbH jetzt einen Abriss samt anschließender Neubebauung mit Wohnungen und Gewerbeeinheiten. Eine entsprechende Änderung des Bebauungsplans hat das Stadtparlament kürzlich bereits auf den Weg gebracht.

»Mit diesem Zustand wollen wir uns nicht einfach abfinden«, machte Initiativen-Sprecher Jakob Lucifero deutlich. Und Emily Härtel ergänzte, es gebe »ziemlich viele Möglichkeiten, die bisher nicht ernsthaft erörtert wurden«. Nach Ansicht der Initiative gehören dazu etwa die Öffnung des Centers für andere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Theatervorstellungen, eine gastronomische Mitnutzung sowie die Gründung eines Träger- oder Fördervereins, der neben Mitgliederbeiträgen auch öffentliche Fördergelder akquirieren könne.

1600 Unterschriften gesammelt für Erhalt von Gießener Kinocenter

Auf der digitalen Pinnwand, auf der die Teilnehmer ihre Gedanken sammelten, standen am Ende unter anderem noch eine Kooperation mit den JLU-Theaterwissenschaften, Gaming- und Koch-Abende, der Verkauf von Jahreskarten und die Berufung eines Intendanten oder künstlerischen Leiters. Wolf D. Schreiber meinte außerdem, wenn sich das Kinocenter stärker über »Spezialprogramme«, zum Beispiel Stummfilmvertonungen, profiliere, könne es vielleicht sogar überregional neues Publikum anlocken.

Eine Demonstration soll die Anliegen der Initiative demnächst öffentlich bekannt machen - sobald die Pandemielage das wieder zulässt. Auch von einem Bürgerantrag und weiteren Aktionen im Seltersweg war am Donnerstag die Rede. Bloß mit den Grundstückseigentümern hat es demnach bisher keinen Kontakt gegeben. Dieser solle aber »möglichst bald« folgen, sagte Härtel. Am besten mit einem Gesamtkonzept der »noch ganz jungen Initiative« (Lucifero) in der Hand. Parallel sammelt #kinocenterbleibt mit einer Online-Petition Unterschriften für den Erhalt des Kinos. Mehr als 1600 Menschen hatten sie bis Freitagmittag unterzeichnet. (csk)

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