Das Haus auf der Hardt wird in absehbarer Zeit keine Gäste empfangen können. FOTO: ARCHIV
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Das Haus auf der Hardt wird in absehbarer Zeit keine Gäste empfangen können. FOTO: ARCHIV

Zahlungsunfähigkeit droht

Jugendherberge in Gießen bleibt geschlossen

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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21 von 28 Jugendherbergen in Hessen haben wieder geöffnet. Doch Gießen gehört nicht dazu. Daran wird sich auch erst einmal nichts ändern.

Gießen(cg). 21 von 28 Jugendherbergen in Hessen haben wieder geöffnet, Gießen gehört nicht dazu. Daran wird sich auch erst einmal nichts ändern, sagt Knut Stolle, Pressesprecher des Landesverbandes Hessen des Deutschen Jugendherbergswerks. Die aktuelle Lage habe sich durch das bis Ende Januar 2021 verlängerte Schulfahrtenverbot durch das Kultusministerium nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Die Buchungszahlen für 2020 lägen aufgrund der angeordneten Corona-Schließung von Mitte März bis Mitte Mai und nun fehlender Großgruppen, Schulklassen und genereller Buchungszurückhaltung im Landesverband nur bei 20 bis 25 Prozent des Vorjahres. Problematisch sei zudem, dass Schulen Neubuchungen für anschließende Reisezeiträume nur tätigten, wenn die Jugendherbergen als Anbieter eine kostenlose Stornierung ermöglichten. Somit trügen die Jugendherbergen, obwohl sie gemeinnützige Vereine seien, das volle Buchungsrisiko.

Erstes Ziel sei es, bis zur Saison 2021 die Zahlungsfähigkeit des DJH Landesverbandes Hessen zu retten. Stolle: "Dies wird ohne weitere Unterstützung des Landes Hessen nicht gelingen". Im Mai hatte das Land den Jugendherbergen eine Million Euro Unterstützung zugesichert. "Ein Tropfen auf den heißen Stein", wie Stolle schon damals befand, denn der Verband rechne für 2020 mit Einbußen von neun Millionen Euro. Deshalb lägen derzeit alle Modernisierungs- und Neubauprojekte wie Marburg, Wetzlar, Rüdesheim und auch Gießen auf Eis.

Die Gießener Jugendherberge ist schon seit Jahren ein Sorgenkind des Verbandes, daran ändert auch die idyllische Lage auf der Hardt und der nostalgische Charme nichts. "Sie ist zu klein", klagte im Frühjahr Herbergsvater Marcus Winter. Um wirtschaftlich betrieben werden zu können, brauche man etwa 160 Plätze, Gießen hat aber nur 85 Betten. Deshalb wurde seit Jahren über eine Ausweitung bzw. über einen Umzug an einen anderen Standort in der Stadt nachgedacht, der mehr Potenzial biete. Aus diesen ohnehin zögerlich angegangenen Plänen wird nun erst einmal nichts. Schon im Mai hatte Winter befürchtet, dass Gießen nicht zu den Häusern gehören werde, die noch in dieser Saison wieder öffnen dürfen. Er kann aufgrund der räumlichen Situation kein akzeptables Hygienekonzept anbieten.

Möglicherweise wird die Pandemie für die Gießener Jugendherberge das Ende bedeuten. Das würden nicht nur viele Stammgäste sowie Lahntouristen und Besucher des Mathematikums bedauern, sondern auch die Stadt Gießen. Diese war dem Verband hinsichtlich Miete und Instandsetzung immer entgegen gekommen, letztlich kann aber nur der Betreiber selbst die Einrichtung retten.

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