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Jugendclique klaut und sprüht in der Weststadt

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Von: Karen Werner

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Diebstähle, Vandalismus, Graffiti, Lärm: Solche Probleme haben in der Weststadt in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Sie gehen zu einem erheblichen Teil offenbar auf das Konto einer Jugendclique, die mit den bestehenden Angeboten nicht erreicht wird. Das soll nun zwei mobilen Extra-Pädagogen gelingen. Die Fachleute im Jugendhilfeausschuss signalisierten einhellige Zustimmung zur Schaffung zweier halber Stellen über mindestens drei Jahre. Die Polizei betont auf Anfrage: »Hinweise, die auf eine Gang mit festen Strukturen schließen lassen, haben wir nicht.«

Diebstähle, Vandalismus, Graffiti, Lärm: Solche Probleme haben in der Weststadt in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. Sie gehen zu einem erheblichen Teil offenbar auf das Konto einer Jugendclique, die mit den bestehenden Angeboten nicht erreicht wird. Das soll nun zwei mobilen Extra-Pädagogen gelingen. Die Fachleute im Jugendhilfeausschuss signalisierten einhellige Zustimmung zur Schaffung zweier halber Stellen über mindestens drei Jahre. Die Polizei betont auf Anfrage: »Hinweise, die auf eine Gang mit festen Strukturen schließen lassen, haben wir nicht.«

Die »Aufsuchende Jugendsozialarbeit Gießen-West« solle über eine Vertrauensbasis zum »Anwalt« der Gruppe werden und langfristig soziale Benachteiligung abbauen, erklärten die Quartiermanager Annke Rinn und Christoph Balasch vom Diakonischen Werk. Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) mahnte an, natürlich müssten auch die Interessen der Stadt ein Ziel der Arbeit sein, zum Beispiel »dass sie zur Schule gehen« oder dass Anwohner weniger belästigt werden. Unter anderem trifft sich die Clique auf dem Hof der Grundschule West.

Regelmäßige Polizeikontrollen

Das »Schwänzen« sei nur einer der Regelverstößen der »überwiegend männlich« geprägten Gruppe, schilderten Balasch und Rinn. Der harte Kern bestehe aus zehn bis zwölf Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund. Etliche seien unter 14 Jahre alt und deshalb noch nicht strafmündig. »Wir kennen sie mit Namen.« Teilweise nutzten sie die vorhandenen Jugendtreffs. »Aber sobald man sie anspricht, sind sie wieder weg.« Gespräche bei der Polizei oder mit den Eltern hätten wenig gebracht.

Weil die vorhandene Aufsuchende Sozialarbeit – vorwiegend in der Innenstadt tätig – ausgelastet sei, sieht das Konzept nun die Einstellung eines Mannes und einer Frau mit jeweils einer halben Stelle vor. Es sollen Kräfte sein, die bisher nicht in der Jugendarbeit in der Weststadt tätig waren. Als Träger ist das Diakonische Werk vorgesehen. Im derzeit entstehenden Stadtteilbüro in der Pater-Delp-Straße sollen die Sozialarbeiter ihre Räume haben, ihre Klientel aber vor allem auf der Straße ansprechen zu den Tageszeiten, zu denen sie dort unterwegs sind.

Polizeisprecher Jörg Reinemer betont auf GAZ-Nachfrage, es handle sich um »einige wenige« junge Weststadt-Bewohner. Viele von ihnen wüchsen in nicht funktionierenden Familien auf (»Broken Homes«). Nach Anzeigen führe die Polizei mit den unter-14-Jährigen pädagogische Orientierungsgespräche, die durchaus »fruchtbar« seien. Bei den Älteren kommen Erziehungsmaßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz durch die Staatsanwaltschaft hinzu. Polizisten nähmen regelmäßige »Jugendschutzkontrollen« an sogenannten Hotspots vor.

Die gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Schule, Jugendhilfe, Erziehungsberechtigten und Justiz zeige positive Ergebnisse. Sie werde nun intensiviert, um zu verhindern, dass sich das Verhalten dieser gefährdeten Kinder und Jugendlichen verfestigt.

Weigel-Greilich vermutet, dass bei Einrichtung der Pädagogenstellen »auch andere Stadtteile die Finger heben werden«. Die Aufsuchende Arbeit im Viertel könne möglicherweise ein »Pilotprojekt« werden.

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