Justus Brandl (l.) hat ein ferngesteuertes Kameraflugzeug gebaut; Leon Schimpf ein über 50 km/h schnelles Mountainboard selbst entwickelt. 
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Justus Brandl (l.) hat ein ferngesteuertes Kameraflugzeug gebaut; Leon Schimpf ein über 50 km/h schnelles Mountainboard selbst entwickelt. 

Jugend forscht

Zwei Gießener Schüler greifen nach Landessieg

  • vonChristian Schneebeck
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Talentierte Erfinder braucht das Land. Solche wie Justus Brandl und Leon Schimpf. Die beiden Gießener Ostschüler sind mit ihren Ideen gerade bei "Jugend forscht" sehr erfolgreich.

Jeder Schritt ergibt direkt den nächsten. So ist das in der Tüftelei - und bei richtig guten Tüftlern manchmal auch mit den gewonnenen Preisen. "Man ist nie fertig", sagen Justus Brandl und Leon Schimpf deshalb - ausgerechnet direkt vor dem Ende eines langen Fachgesprächs. Um eines gleich festzuhalten: Für Expertisen sind die beiden 17-jährigen Schüler der Gesamtschule Gießen-Ost (GGO) zuständig. In der "Jugend forscht"-AG hat Brandl ein Kameraflugzeug entwickelt, Schimpf hingegen ein Mountainboard konstruiert. Beide reisen Anfang April zum Landesentscheid von "Jugend forscht" nach Darmstadt. Im regionalen Wettbewerb sind sie bereits ganz vorne gelandet.

Jugend forscht: Geringes Gewicht und hohe Leistungsfähigkeit

An diesem Mittag, kurz nach der siebten Stunde, sitzen sie mit AG-Leiterin Anne Bönisch in einem Chemieraum der GGO und erklären ihre Ideen. Brandls ferngesteuertes Flugzeug zeichnet sich besonders durch geringes Gewicht bei hoher Leistungsfähigkeit und optimaler Steuerung aus. Der Elftklässler ist versierter Modellbauer und macht gerade seinen Segelflugschein. Schimpfs Mountainboard besticht mit Speed. 52 km/h wären drin, hat der Zwölftklässler errechnet. Am eigenen Leib erlebt hat er das nicht - denn da sind "nur" 36 Stundenkilometer auf dem robusten Longboard querfeldein das Höchste der Gefühle.

Die Einsatzgebiete des Flugzeugs liegen auf der Hand. Ausgestattet mit einer kleinen Kamera an der Spitze erfüllt es ähnliche Aufgaben wie eine Drohne. Die Polizei könnte damit Überwachungsaufgaben stemmen, die Feuerwehr Glutnester von Bränden aufspüren, ein Landwirt im Feld kauernde Rehkitze vor dem Mähdrescher retten. Anders als eine Drohne ist der Styropor-Flieger ziemlich leise, sehr leicht - und damit ausdauernd und energiesparend.

Jugend forscht: Regeneratives Bremsen

Wer nun denkt, das Mountainboard diene bloß dem Vergnügen, der täuscht sich. Dem dient es auch, wenngleich nur auf privatem Gelände. Echte Nutzenfanatiker dürften seine Erfindung zudem als weitere Option für die berühmte "letzte Meile" sehen, meint Schimpf. "Aber das Fahren macht eben nicht zuletzt Spaß", sagt er. Genau wie das Tüfteln, möchte man nach dem Gespräch hinzufügen.

Je mehr Brandl und Schimpf ihr Fachwissen entfalten, desto irreversibler verhaken sich die Fragezeichen im Kopf des Zuhörers. Von Kabeln, Sendern und Empfängern ist natürlich irgendwann die Rede, kinetische Energie und regeneratives Bremsen kommen früher oder später unweigerlich vor, und wer genau hinhört, erfährt einmal sogar etwas über rechtliche Aspekte. So viel steht fest: Das Flugzeug verbirgt seine Technik innen, das Mountainboard unten. Und was auch immer Brandl und Schimpf eventuell verbergen - die Leidenschaft für ihr Metier ist es sicher nicht.

Jugend forscht: Satellitenähnliche Aufnahmen

Etwas schwammiger, dafür leichter verständlich sind die Zukunftspläne rund um Mountainboard und Kameraflugzeug. Letzteres könne er zum Beispiel noch mit einer Kamera an der Unterseite ausstatten, die satellitenähnliche Aufnahmen macht, sagt Brandl. Auch ein Autopilot wäre denkbar, ein Gerät für Wärmebilder indes nur per schwererem Trägerflugzeug in die Luft zu hieven. Schimpf betont, er wolle seinen Flitzer "optimieren", etwa für den Transport von Lasten. "Ansonsten ist das halt ein Longboard."

Das Basteln geht jedenfalls weiter. Und vielleicht auch das Abräumen von Preisen. Nach dem zweiten Platz in der Kategorie "Arbeitswelt" und dem Sonderpreis "Thinking safety" (Brandl) sowie dem Sieg in der Rubrik "Technik" (Schimpf) dürfen sich die beiden Gießener am 2. und 3. April in Darmstadt erneut Chancen ausrechnen. Zumal sie die höchste Hürde schon genommen haben. Ein Teilnehmer bei "Jugend forscht" ist nämlich nur so gut wie seine Dokumentation. In einer Facharbeit mussten Brandl und Schimpf ihre Ideen und deren Umsetzung schriftlich festhalten. Die Tüftelei schafft einen Wert, sie macht Spaß und ist eigentlich nie beendet. Aber manchmal wird sie kurz unterbrochen. Für Papierkram.

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