+
Jürgen Becker

Jürgen Becker hört auf

  • schließen

Gießen(hpb). Jürgen Becker sorgte bei der jüngsten Sitzung des Beirats für die Belange von Menschen mit Behinderungen für eine Überraschung. Der Behindertenbeauftragte der Stadt Gießen will nach knapp vier Jahren Ende März sein Amt altersbedingt abgeben. Im Februar werde er seinen 70. Geburtstag feiern. Da sei es an der Zeit, die Aufgabe in andere Hände zu legen. "Während meiner Tätigkeit habe ich ganz viele dicke Bretter gebohrt. Die Arbeit hat sich trotzdem gelohnt und mir immer sehr viel Freude bereitet", sagte Becker. Seine Kündigung habe er bereits eingereicht. Wer das Amt übernehmen wird, stehe noch nicht fest. Die Sitzungsteilnehmer dankten Becker für sein besonderes Engagement.

Die Frage, ob ein Nachfolger benannt oder ob die Stelle ausgeschrieben wird, konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden. Man war sich jedoch schnell einig darüber, dass eine Viertelstelle für eine Stadt wie Gießen nicht angemessen sei. Der Beirat beschloss einstimmig, mindestens eine Dreiviertelstelle bei der Stadt zu beantragen. Marburg (3/4 Stelle) und Wetzlar (1/2 Stelle) hätten den wachsenden Aufgaben des Behindertenbeauftragten bereits Rechnung getragen.

Becker berichtete über mehr als 20 Baumaßnahmen im Gießener Stadtbereich. Die behindertengerechte Neugestaltung der Bushaltestelle an der Kongresshalle verschiebe sich. Sie werde im Zuge der Umgestaltung der Veranstaltungsstätte modernisiert. An verschiedenen Ampelanlagen im Stadtgebiet sollen veraltete Zusatzeinrichtungen für Menschen mit Sehbehinderung ersetzt werden. Der Beirat wünscht sich, dass weitere Ampeln damit ausgestattet werden.

Ob bei großen oder kleinen Unternehmen, in der Gastronomie, in Geschäften, Arztpraxen oder anderen Bereichen - kein Verständnis hat Becker dafür, wenn bei geplanten Baumaßnahmen keine oder nur geringe Bereitschaft bestehe, auf die Belange behinderter Menschen zu achten. Dabei sei es vielfach nicht so schwierig, die richtigen Dinge zu tun. Nicht immer müsse eine separate Behindertentoilette gebaut werden. Manchmal reiche es auch aus, eine der Toiletten für Damen oder Herren behindertengerecht auszustatten.

Auf der Tagesordnung stand auch der Antrag des Gießener Arbeitskreises für Behinderte für mehr öffentliche barrierefreie Toilettenanlagen, der vom Behindertenbeirat einstimmig befürwortet wird. Die Gesellschaft werde immer älter und aktiver. Deshalb halte man es für unumgänglich, solche Einrichtungen zu installieren. Und zwar nicht nur zu den Öffnungszeiten von Einzelhandel oder Gastronomie und in Abhängigkeit von dem Projekt "Nette Toilette". Die geplante Anlage im Stadtpark Wieseckaue sei ein wichtiger Schritt und werde ausdrücklich begrüßt.

Etliche Anträge im Beirat

In einem weiteren Antrag ging es um Parkplätze für Schwerstbehinderte beim Kultursommer auf dem Schiffenberg. Die Parkmöglichkeiten am Buswendehammer würden dann für Sicherheitsmaßnahmen und Einsatzfahrzeuge benötigt. Begrüßt wurde, dass der Veranstalter einen Hol- und Bring-Service ab dem Hauptparkplatz anbiete. Dies könne aber nur eine Übergangslösung sein.

Für Diskussion sorgen derzeit die Buden auf dem Weihnachtsmarkt. Diese würden vielfach auf dem Blindenleitsystem stehen. Darüber müsse mit Gießen Marketing gesprochen werden. Das Blindenleitsystem sollte künftig frei bleiben. Der Beiratsvorsitzende Sven Germann informierte über eine Smartphone-App zum Abruf von Busabfahrzeiten, Verspätungen und ähnlichen Infos. Der Stadt habe ein Angebot eines Anbieters aus Nordrhein-Westfalen vorgelegen, das aus Kostengründen nicht angenommen wurde. Foto: hpb

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare