Carl Justus Heyer, der renommierte Gießener Forstwirtschaftsprofessor, ist Nr. 3 der ewigen Mitgliederliste des Dienstagskranzes. Vor seinem Denkmal vor der Ricarda-Huch-Schule grüßen die aktuellen Repräsentanten des Männervereins: Schatzmeister Hans Maas (v. l.) Vizepräsident Prof.Wolf-Dietrich Walker (l.), Präsident Axel Pfeffer und Kranzsekretär Bernd Grüner. (FOTO: SCHEPP)
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Carl Justus Heyer, der renommierte Gießener Forstwirtschaftsprofessor, ist Nr. 3 der ewigen Mitgliederliste des Dienstagskranzes. Vor seinem Denkmal vor der Ricarda-Huch-Schule grüßen die aktuellen Repräsentanten des Männervereins: Schatzmeister Hans Maas (v. l.) Vizepräsident Prof.Wolf-Dietrich Walker (l.), Präsident Axel Pfeffer und Kranzsekretär Bernd Grüner. (FOTO: SCHEPP)

Jubiläum ohne Feier

  • Guido Tamme
    vonGuido Tamme
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Eigentlich hätte Gießensdrittältester Verein am Sonntag ein wenig feiern wollen. Denn er wurde am 15. November 1825 gegründet. Doch Corona hat auch diese Planung durchkreuzt. So können die 49 Männer vom Dienstagskranz ihr 195. Stiftungsfest nur in Gedanken begehen.

Der älteste Gießener Verein ist die schon 1778 gegründete Freimaurerloge Ludewig zur Treue. Seit 1792 aktiv ist der Gießener Konzertverein als Partner des Stadttheaters. Die Nummer drei war lange der Gesellschaftsverein mit dem Gründungsjahr 1816, doch hat sich der "Club" im Frühjahr 2017 wegen Nachwuchsmangel und Führungsnöten aufgelöst. So sind die Männer vom honorigen Dienstagskranz auf den dritten Platz vorgerutscht.

Offiziell am 15. November 1895 ins Leben gerufen wurde die Männerrunde von Akademikern der Universität, vorwiegend Forstleuten. Zu ihnen gehörte Carl Heyer, dem in seiner Heimatstadt eine Straße und ein Denkmal gewidmet sind. Später kamen Universitätsprofessoren anderer Fakultäten, Kaufleute, Fabrikanten, Richter, Hofräte und Lehrer hinzu, also sozusagen die Elite der oberhessischen Provinzialhauptstadt. Die Mitgliederzahl schwankte in den ersten Jahrzehnten zwischen 14 und 64, der Schnitt lag bei 35.

Das bis heute unveränderte Ritual besteht darin, dass die Kranzfreunde sich an jedem ersten Dienstag im Monat treffen, miteinander plaudern und dabei das Abendessen einnehmen. Gelegentlich hält ein Mitglied einen Vortrag aus seinem Fachgebiet. Von jedem Abend wird ein Protokoll geführt, das am Beginn des nächsten Treffens verlesen wird.

Im Laufe der ersten Jahrzehnte stellte sich dem Dienstagskranz immer wieder einmal bei nachlassendem Interesse die Existenzfrage, aber es fanden sich doch immer genügend angesehene Gießener, die die Tradition aufrechterhielten. Mitte der 50er Jahre musste sogar eine Obergrenze von 50 Mitglieden eingeführt werden. Im letzten Vierteljahrhundert stieg die Präsenz bei den Treffen deutlich an. Inzwischen gibt es einzelne Kranzfreunde, die noch keine 50 Jahre alt sind, aber die Senioren sind in der Überzahl. Deshalb liegt das Durchschnittsalter bei etwa 65 Jahren.

Heutzutage dominieren Mediziner und Juristen die Herrengesellschaft, die sich stets im Hotel Steinsgarten trifft. Dorthin ist der Kranz zurückgekehrt, nachdem das langjährige Domizil "Dach-Café nach dessen Umbau dafür nicht mehr geeignet war. Zu diesen Treffen kommen stets mindestens 25 Kranzfreunde.

Zur liebevoll gepflegten Tradition gehören auch ein alljährlicher Kulturausflug, bei dem ausnahmsweise auch die Partnerinnen willkommen sind, und im Juli eine Wanderung zum Gedenkstein von Geheimrat Richard Heß, der von 1889 bis 1914 die längste Amtszeit als Präsident verzeichnen konnte, im Akademischen Forstgarten. Dort genehmigt man sich ein Glas Rotwein, ehe es zum Abendessen auf den Schiffenberg geht.

All diese Aktivitäten spielen sich unbemerkt von der Öffentlichkeit ab. Denn der Dienstagskranz versteht sich als private Herrenrunde und widmet sich - anders als die Serviceclubs - nicht auch wohltätigen Zielen. Und es besteht auch keine Anwesenheitspflicht.

Übereinstimmung besteht darin, dass man sich nicht als Mitglied anmelden kann, sondern "berufen" wird - sofern keine Einwände gegen den Kandidaten erhoben werden. Was beim Kranz bisher aber höchst selten passiert ist. Eher kommt es vor, dass einem allzu passiven Mitglied der Austritt nahegelegt wird.

Zu den Besonderheiten der Männerrunde gehört es, dass seit der Gründung alle Mitglieder durchnummeriert werden. Im vergangenen Jahr wurden die Mitglieder 475 bis 479 aufgenommen. Da die Fluktuation außer durch Todesfälle gering ist, wird es also noch einige Jahre dauern, bis feierlich das 500. Mitglied begrüßt werden kann.

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