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Die alte Rampe, am hinteren linken Seiteneingang der Johanneskirche, ist bereits abgerissen. An der selben Stelle wird auch die neue Rampe entstehen. Die soll besser mit Rollstuhl, Kinderwagen und Rollator zu befahren sein. FOTO: SEG

Barrierefrei

Johanneskirche: Bald auf Rollen zum Altar

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Vier Jahre dauerte der Bau der Johanneskirche in Gießen. Fast doppelt so lange dauerte die Planung der neuen Rampe für die Rollstuhlfahrer. Jetzt geht’s aber los.

Die letzte Renovierung der Johanneskirche kostete 1,5 Millionen Euro und wurde 2016 abgeschlossen. Schon jetzt stehen neue Bauarbeiten vor der Tür - im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei der Innenrenovierung damals wurde zwar eine barrierefreie Toilette eingebaut, aber eine Rampe, die Rollstuhlfahrer ohne Probleme befahren können, fehlt bis heute. Das soll sich jetzt ändern.

Alte Rampe war zu steil

Die alte Rampe am hinteren linken Seiteneingang wurde von den Arbeitern bereits abgerissen. Architekt Heiner Schmees schätzt: "Ich glaube, die hatte 20 Prozent Steigung." Damit sei sie für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Kinderwagen zu steil gewesen, sagt der Kirchenvorstand Klaus Busch. "Auch die älteren Mitmenschen mit Rollator haben Hilfe gebraucht, um die alte Rampe hochzukommen." Von den 200 Menschen die zu einer regulären Messe kommen, sei ein Großteil im fortgeschrittenen Alter, und immer mehr Gäste der Kirche benutzen einen Rollator. Busch sagt: "Wir hoffen auch, dass sich jetzt wieder mehr Bewohner aus dem Seniorenzentrum Johannesstift zu uns trauen." Selbstständig in die Kirche gehen zu können, sei für viele eine ganz wichtige Erfahrung. Deswegen habe man sich auch gegen einen Lift entschieden, obwohl er günstiger wäre. "Den hätte aber jemand immer an- und ausschalten müssen", erklärt der Kirchenvorstand.

Die neue Rampe werde außerdem durch eine extra Spur mit dem Gehweg verbunden, denn das Kopfsteinpflaster vor der Kirche sei nur schwer zu befahren. Der Handlauf werde beleuchtet sein, und es gebe ein Podest zum Ausruhen auf der Hälfte des Weges, zählt Busch weitere Vorteile auf.

Der Pfarrer der Lukas-Gemeinde, Matthias Weidenhagen, erklärt, warum sich der Bau so lange hingezogen hat: "Bereits 2012 gab es die Idee für einen barrierefreien Zugang. Aber die Denkmalpflege hat einen Entwurf für eine Rampe am Haupteingang nicht akzeptiert."

Verhandlungen mit Denkmalpflege

Die hätte den Anblick des Hauptportals zu stark verändert. Deswegen mussten sie umplanen. Es folgten lange Verhandlungen mit der Denkmalpflege, den Architekten und der Stadt, bis dem jetzigen Konzept von allen Seiten zugestimmt wurde.

Der Baubeginn freut auch den Pfarrer der Johannesgemeinde, Michael Paul. Er hat die Baustelle gesegnet und ist froh, dass die Kirche bald leichter betreten werden kann. Die Baustelle soll auch keine Auswirkungen auf die Messen im Moment haben. Er erklärt: "Wegen Corona kann man die Kirche gerade sowieso nur durch die Vordertür betreten."

Auch wenn die Planung lange Zeit in Anspruch genommen hat, soll der Bau, an dem ausschließlich lokale Firmen beteiligt sind, vergleichsweise schnell vonstatten gehen. Schmees sagt: "Die Fertigstellung der Rampe ist für Ende Juli geplant."

Das Bauprojekt soll insgesamt 140 000 Euro kosten. Den größten Teil davon, 73 000 Euro, übernimmt die Evangelische Kirche. 54 000 Euro stammen aus Spenden von den Mitgliedern der Lukas- und Johannesgemeinde. Mit 10 000 Euro bezuschusst die Stadt Gießen den Bau. 2 000 Euro kommen vom Förderverein Johanneskirche. Dessen Schatzmeister Wolfgang Launspach hat angekündigt, dass diese Spende noch größer werden wird.

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