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Katharina Lorenz Professorin für Klassische Archäologie

JLU-Spitze: Erstmals Frauen in der Mehrheit?

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Gießen (bei). Die Entstehung und Etablierung der europäischen Wissenschaften und Universitäten ist von Männern bestimmt und darüber hinaus eng verwoben mit dem Kolonialismus. Forscher und Entdecker gingen jahrhundertelang Hand in Hand mit Ausbeutern. Das war auch in der 414-jährigen Geschichte der Justus-Liebig-Universität nicht anders, deren Senatssaal ausschließlich Portraits von Männern zieren, die die Geschicke geleitet haben.

Nach der heutigen Doppelwahl von neuen Posten im Präsidium könnten erstmalig mehr Frauen als Männer dem fünfköpfigen Führungsgremium angehören. Ende Mai hatte JLU-Präsident Prof. Joybrato Mukherjee seine Vorschläge für die Führungsämter in den Bereichen Studium und Lehre sowie Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verkündet:

Katharina Lorenz, Professorin für Klassische Archäologie, hat er als Vizepräsidentin für das erstgenannte Amt nominiert. Aufgrund ihrer Lehrtätigkeit in Nottingham könne sie gute Einblicke aus dem angelsächsischem System liefern. Mukherjee betonte zudem, auch gerne Perspektiven eines kleinen Faches wie der Archäologie in der JLU-Spitze zu haben. Lorenz hat neben Archäologie auch Alte Geschichte und Griechische Philologie in Berlin, Oxford, Rom sowie Heidelberg studiert. Falls gewählt, wird sie das Amt von Verena Dolle übernehmen, Professorin für Romanische Literatur- und Kulturwissenschaft.

Den jetzigen Vizepräsidenten für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Prof. Peter Kämpfer, löst Katja Fiehler ab, sofern der Erweiterte Senat ihr seine Zustimmung gibt. Sie sei hoch anerkannt in der Community und könne wunderbare Impulse für diesen Bereich geben, warb Mukherjee.

Seit 2016 hat Fiehler den Lehrstuhl für Experimentelle Psychologie inne. Studiert hat sie Psychologie an der Technischen Universität Dresden, promoviert am Leipziger Max-Planck-Institut in Kognitions- und Neurowissenschaften und habilitiert schließlich in Marburg; außerdem ist sie Sprecherin des internationalen Graduiertenkollegs »Das Gehirn in Aktion« der Universitäten Marburg und Gießen.

Es sei an der Zeit für einen fachlichen Wechsel im Präsidium, erläuterte Mukherjee seine Vorschläge. Seit mehreren Amtszeiten kommen die Vizepräsidenten nämlich aus den Kernbereichen Labor- und Naturwissenschaften.

Die erste Frau im JLU-Präsidium war 2009 Katja Becker, die inzwischen Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist. Hinzu kam schon einen Monat später Eva Burwitz-Melzer, wodurch Geschlechterausgleich in der damals vierköpfigen Spitze herrschte. 2014 wurde Susanne Kraus Kanzlerin der Uni, ihre zweite Amtszeit geht bis 2026. FOTOS: JLU

Katja Fiehler Professorin für Experimentelle Psychologie

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