Jeder singt für sich allein

  • VonChristian Schneebeck
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Gießen(csk). Sie sehen und hören sich zwar gegenseitig über das Internet, doch trotzdem singt jeder daheim für sich allein: So erleben es gerade die Chöre an der Gießener Volkshochschule, die wegen der Pandemie seit geraumer Zeit ausschließlich in Online-Konferenzen üben. Sie sind vielleicht ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den coronabedingt gestörten Lehrbetrieb. Eine Ausnahme sind sie sicher nicht. Auch in den kommenden Monaten werde es absehbar noch zahlreiche "hybride Veranstaltungen" geben, betonten VHS-Leiterin Waltraud Burger und Stadträtin Astrid Eibelshäuser am Donnerstag bei der Vorstellung des neuen Programms für Frühjahr und Sommer.

Frühestens von Mitte Februar an sei dann eine schrittweise Wiederaufnahme der Präsenzlehre denkbar.

Tablets zum Leihen

Damit möglichst viele Interessenten an den Kursen teilnehmen können, hat die VHS unlängst 35 Tablets angeschafft, die in Kürze ausleihbar sein werden. Weitere Geräte sollen laut Burger folgen. Bislang müssen Kursteilnehmer selbst über entsprechende Geräte verfügen. Parallel sei im Herbst und Winter die technische Ausstattung insgesamt verbessert worden, Dozenten habe man eigens für das Arbeiten in digitalen Formaten geschult. So stecke in der misslichen Lage am Ende auch eine Chance: Auf jeden Fall solle die Online-Lehre "keine didaktische Eintagsfliege" bleiben, sagte Burger. Vielmehr eröffne sich hier ein "zusätzliches Lernfeld" in Sachen Medienkompetenz.

Das jetzt vorliegende Programm umfasst genau 501 Kurse. Darunter sind das gewohnte Grundbildungsangebot und eine breite Fremdsprachen-Palette. Bei den Neulingen verwies Burger zum Beispiel auf die Vortragsreihen "Alle reden über Klimawandel - warum?" und "In Corona-Zeiten gefragt: Was ist Wissenschaft?". Der Kurs "Abi und dann?" richtet sich unterdessen an Eltern, die sich über die Zukunftschancen ihrer Sprösslinge informieren möchten.

Besonders der Fachbereich Gesundheit sowie die Aktivitäten in Musik und Kunst seien durch die aktuellen Einschränkungen hart getroffen, berichtete Burger. Schauspielkurse habe man da schon mal in Pantomime-Übungen umwandeln wollen - um den Aerosol-Ausstoß zu minimieren.

Generell merkten sie und ihre Kollegen, "wie sehr die Leute darauf brennen, sich wieder persönlich zu treffen". Zunächst habe mancher mit "Ängsten" auf die Online-Formate reagiert, nun fühle sie eher "eine gewisse Lähmung", sagte die Schulleiterin. "Die Volkshochschule lebt einfach vom persönlichen Kontakt."

Wann dieser persönliche Kontakt wieder normal möglich ist, weiß im Moment niemand. "Wir hoffen aber darauf, bald wieder verstärkt Präsenzunterricht machen zu können", sagt Burger. Im Semesterprogramm genannte Zeiten und Daten stehen generell unter Vorbehalt. Für weitere Infos ist die VHS telefonisch unter 0641/306-1466, -1467, -1469 oder -1472 erreichbar.

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