Jeder Künstler zeigt ein Werk seiner Wahl

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Gießen(bf). Die Krise spornt die kreativen Kräfte spürbar an. Das sieht man etwa an den Museen und der Kunsthalle. Auch die Macher der Galerie23 haben sich etwas einfallen lassen, um ihre Besucher weiter zu erreichen. Eine Ausstellung, klar, aber eine etwas andere. Sie präsentiert wie gewohnt die zum Haus gehörigen und einige andere Künstler in einer neuen Form. "Couragiert unkuratiert" heißt das Unternehmen, freitags und samstags kann man einfach gucken kommen.

"Man kann ja hier bei uns leicht Abstand halten," sagt Andrea Lührig, die mit Mirko Westermayer die Galerie leitet. "Wir haben lange überlegt, wie wir mit der Situation umgehen sollen, auch als uns klar wurde, dass wir die gewohnten Festlichkeiten wie die Vernissagen sehr lange nicht machen können. Wir nahmen uns also als Kuratoren zurück und baten alle unsere Künstler, ein Werk ihrer Wahl auch selbst zu rahmen und womöglich auch selbst zu hängen. Die Idee dieser Ausstellung ist auch die, dass sie die ganze Zeit sozusagen lebendig bleibt, indem wöchentlich neue Arbeiten dazukommen und hoffentlich auch verkauft werden." Dazu finden sich auf der Webseite der Galerie Einzelbilder der Werke mit allen Angaben.

Man sieht eine Schau, die fast genauso wirkt wie sonst, allerdings muten die Werke dem Besucher ein bisschen vertraut an. Die beiden großen Wände sind nur zum Teil bestückt. "In einer Woche wird es anders aussehen, und in vier Wochen dann wieder ganz anders. Darin liegt auch ein Reiz, dass Leute regelmäßig herkommen und sich ansehen, was inzwischen passiert ist." Es besteht die Möglichkeit, die Ausstellung im Überblick auch online zu verfolgen und einzelne Werke auch zu erwerben. "Das hatten wir noch nie."

"Wir haben auch die letzte Ausstellung, weil sie auch nur verkürzt gezeigt wurde, ebenfalls in dieser Form präsentiert. Das war sehr erfolgreich, wir haben gemerkt, dass es in diesen Zeiten doch viele Menschen gibt, die Künstler und Einrichtungen wie uns gerne unterstützen wollen; wir haben da durchaus einige Bilder verkaufen können."

"Mir hat’s große Freude gemacht, selbst ohne den großen Festakt, der immer auch so eine Geburt ist - der sollte wegfallen? Aber als die Idee entstand, in diesem Prozess zu bleiben, war es dann ganz spannend, mit so vielen Künstlern Kontakt zu haben. "Sogar das erste zarte Ergebnis ist ganz wunderbar bunt, lebendig, und vielfältig - ich war dann ganz beglückt," sagt die Galeristin.

Lührig, inzwischen in Kurzarbeit, fragt sich in diesen Zeiten, "ob die Galerie, das Ganze, das wir uns hier erarbeitet haben, in diesen fragilen Zeiten bestehen bleiben kann. Hier muss man Ingke Günther (eine der ausstellenden Künstlerinnen) zitieren: Nichts ist notwendiger als das Überflüssige. Ich glaube, dass Menschen Kunst, Kultur und Theater brauchen um gesund zu bleiben."

Im Rahmen der Schau stieß man auf die sehr erfolgreiche Keramikerin Ule Ewelt, die international arbeitet und gewöhnlich in Paris oder London ausstellt. In der Galerie23 zeigt sie einen kleinen im offenen Feuer gebrannten Bisontorso, der einer der zentralen Punkte der Ausstellung ist. (Lührig: "Dass jemand hier in der Nähe so tolle Sachen macht, wusste ich nicht"). Die Skulptur scheint vor gespeicherter Energie leise zu vibrieren, es ist eine Premiere in der Region.

Für den zweiten Raum: ließ man sich von einer Outsider-Messe anregen, wo es relativ viele keramische Arbeiten gab. "Da hab ich mich gefragt, warum machen wir das nicht auch?", sagt Lührig. "Wir zeigen jetzt unsere ersten Resultate. Industriekeramiken haben wir ja schon lange bemalt, aber es ist etwas anderes, die Stücke von Grund auf anzufertigen. Etwa die Vasen, die Birgit Gigler in ihrer so wunderbaren Art bemalt hat. Neben den Druckgrafiken wird sich das im Atelier auch als kleiner Schwerpunkt etablieren, ich hoffe."

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