Die Solisten Thomas Jakobs, Nicole Tamburro, Heike Keller und Johannes Schendel (v. l.) nehmen den Beifall entgegen. FOTO: JOU
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Die Solisten Thomas Jakobs, Nicole Tamburro, Heike Keller und Johannes Schendel (v. l.) nehmen den Beifall entgegen. FOTO: JOU

Jauchzen und frohlocken

  • vonSascha Jouini
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Mal ganz ruhig, dann swingend virtuos: Die abwechslungsreiche Aufführung des "Weihnachtsoratoriums" in der Bonifatiuskirche begeistert das Publikum. Der Gießener Chor Cantamus, das Wetzlarer Bach-Collegium und das Junge Sinfonieorchester Wetzlar kommen nicht ohne Zugaben aus.

Zum zehnjährigen Bestehen widmete sich der Chor Cantamus Gießen einer neuen Herausforderung: Erstmals führte das Ensemble unter Leitung von Axel Pfeiffer gemeinsam mit dem Bach-Collegium und Jungen Sinfonieorchester Wetzlar Johann Sebastian Bachs "Weihnachtsoratorium" auf. Die Darbietung der kompletten Teile 1, 3 und 5 sowie 2 und 6 in Auszügen stieß auf begeisterte Resonanz - die Besucher in der voll besetzten Bonifatiuskirche waren begeistert.

Aufmerken ließ die lebhafte wie schwungvolle Darbietung des Eröffnungschors "Jauchzet, frohlocket". Chor und Orchester setzten hier sogleich ein Ausrufezeichen. Insgesamt gefiel die durchdachte Konzeption. So wählte Dirigent Axel Pfeiffer beim Choral "Wie soll ich dich empfangen" ein bewusst ruhiges, die kontemplativen Züge betonendes Tempo. Die differenzierte, in sich runde Gestaltung gefiel auch in weiteren Sätzen wie "Brich an, o schönes Morgenlicht". Ebenso ansprechend trafen Chor und Orchester den drängenden Duktus in "Lasset uns nun gehen gen Bethlehem". Überhaupt kam der abwechslungsreiche Bewegungscharakter der Komposition vorzüglich zur Geltung.

Festliche Stimmung verbreitete besonders der den Rahmen des dritten Teils bildende Chor "Herrscher des Himmels". Swingend virtuos, wie aus einem Guss geriet der Eingangschor des fünften Teils "Ehre sei dir, Gott, gesungen". Eine Aufführung des Oratoriums steht und fällt mit dem Tenor in der Evangelistenrolle, und diese Aufgabe meisterte Thomas Jakobs souverän. Mit leuchtender Stimme und feiner lyrischer Ader vergegenwärtigte er die Weihnachtsgeschichte. Gleichermaßen überzeugten die weiteren Solisten.

Überzeugende Solisten

Altistin Heike Keller brachte die Arie "Bereite dich, Zion" melodisch anmutig und voller menschlicher Wärme zu Gehör. Genuss bereitete überdies die vom Bassisten Johannes Schendel mit Elan vorgetragene Arie "Großer Herr, o starker König" mit der brillanten, den herrscherlichen Ton unterstreichenden Trompetenstimme. Als weiteres solistisches Glanzlicht erwies sich das Duett "Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen", derart sensibel boten es Sopranistin Nicole Tamburro und Bassist Johannes Schendel dar. Für den Theologen und Musikwissenschaftler Meinrad Walter trägt der Dialog der Stimmen typische Merkmale eines "geistlich-erotischen" Duetts, dazu zählen die vielen Verzierungen.

Das Junge Sinfonieorchester Wetzlar begleitete Chor und Solisten durchweg feinnervig, mit Gespür für tonmalerische Elemente. Einen erbaulich aufs Gemüt wirkenden Schlusspunkt setzte der weihevolle Choral "Nun seid ihr wohl gerochen". Lang anhaltende stehende Ovationen folgten.

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