Die VR-Technik, mit der Nutzer in künstlich geschaffene 3-D-Welten eintauchen können, ist im Moment der neuste Schrei der Technik.
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Die VR-Technik, mit der Nutzer in künstlich geschaffene 3-D-Welten eintauchen können, ist im Moment der neuste Schrei der Technik.

inVRinity

Auf Jagd in virtuellen Welten: Virtual Reality in Gießen

  • vonLena Karber
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Virtual Reality ist im Moment der neuste Schrei der Technik. Die Streifzug-Redaktion hat einen Gießener Anbieter für "VR-Games" getestet und berichtet über ihre virtuellen Erlebnisse.

War es vor einigen Jahren noch etwas besonderes, Filme in 3D auf Leinwand zu schauen, hat sich die Technik in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Heute werden ganze 3-D-Welten, sogenannte Virtual Realitys (VR), geschaffen, in die der Nutzer "eintauchen" kann – etwa im Rahmen sogenannter "VR-Games". Einen Gießener Anbieter solcher Spiele haben drei Mitglieder der Streifzug-Redaktion besucht und das Spieleerlebnis getestet. 

Im Sommer 2018 hat "inVRinity" eröffnet. Seitdem hat Betreiberin Anneka Bost ihr Repertoire beständig erweitert, besonders spektakulär wirken die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße 59 in Gießen auf den ersten Blick jedoch nicht. Klar, die Wände sind etwas futuristisch angemalt und hier und da wurden Leuchtstäbe an den Wänden angebracht. Doch als uns Anneka Bost, die Leiterin von "inVRinity", unser "Spielfeld" zeigt, sind wir trotzdem einigermaßen verwundert: blauer Teppich bedeckt den Boden des düsteren Raums, der nur durch einen Vorhang abgetrennt ist und wenig deutet darauf hin, dass wir hier gleich sockig fremde Welten erkunden werden.

Dass die Optik der äußeren Umgebung beim VR-Spielen völlig irrelevant ist, merken wir jedoch schnell, als uns die Brillen aufgesetzt werden und Bost für uns das erste Multi-Player-Spiel startet. 

Von einer Sekunde auf die andere befinden wir uns in einer Elfenstadt und der Controller in unserer linken Hand verwandelt sich plötzlich in einen Bogen, der rechte in einen Pfeil. Damit können wir im Rahmen des Spiels "Tower Defense" nicht nur die heranstürmenden Orks aufhalten, sondern uns auch in andere Positionen teleportieren. Dazu zielen wir auf bestimmte farblich markierte Flächen, schießen einen Pfeil dorthin und schwupps, befinden wir uns an einer völlig neuen Position. 

Virtual Reality Gießen: Mischung aus realen und virtuellen Bewegungen 

Auf dem Spielfeld bewegt man sich während der Spiele nicht beziehungsweise kaum. Körperdrehungen, das Spannen des Bogens, das Schießen der Pfeile sowie ein gelegentliches Ducken sind die einzigen "realen" Bewegungen, die man bei "Tower Defense" absolviert. Positionsveränderungen im Spiel geschehen rein virtuell. 

So stehen wir während des Spiels fast nebeneinander. Jeder hat seine kleine Fläche, die er nicht verlassen sollte, was ihm die Brille mithilfe eines eingeblendeten Gitters anzeigt. So wird verhindert, dass man gegen Wände oder andere Spieler stößt. 

Unsere Bewegungen und Aktionen müssen für Nichtmitspieler ziemlich merkwürdig aussehen, doch hinter der Brille fühlt sich das nicht so an und damit hat das Spiel seinen Zweck erreicht: Die reale Welt wirkt plötzlich ziemlich weit weg und es gelingt uns, den Gedanken an unseren merkwürdig aussehenden Eiertanz auszublenden. 

Denn "in unserer Welt" stürmen in stärker werdenen Wellen Orks auf unsere Burg zu und auch die durch die Luft segelnden Drachen sind potenzielle Feinde, die unsere Festung einnehmen wollen. Während die Drachen wenig überraschend Feuer speien, reagieren auch die Orks zunehmend verärgert auf unsere Attacken und schleudern ab und zu urplötzlich Fackeln in unsere Richtung. Da heißt es ganz schnell ducken, denn der Controller in unserer Hand registriert die Ausweichbewegung. 

Klappt das Ausweichmanöver einmal nicht und man wird getroffen, ist man zunächst "tot" und kann nicht weiterschießen. Zur nächsten Ork-Welle wird man jedoch zum Glück wieder freigeschaltet, sodass man sich nicht langweilt. 

Virtual Reality Gießen: Mit den Mitspielern duellieren

Um möglichst viele Eindrücke mitzunehmen, entscheiden wir uns im Anschluss für "Loco Dojo", ein Spiel, bei dem sich die Teilnehmer in einer bunten Umgebung bei verschiedenen Minispielen miteinander duellieren. 

Zwischen den einzelnen Spielen befindet man sich mit seinen Mitspielern an einem virtuellen Spieltisch, erhält Punkte für seine Leistung und dreht an einem Rad, um per Zufallsprinzip das nächste Spiel auszuwählen. Wer früher Mario Party gespielt oder eine Eye-Toy-Kamera auf dem Fernseher stehen hatte, dürfte sich zurückversetzt fühlen – nur dass hier natürlich alles sehr viel intensiver und moderner ist. 

Bei den Minispielen schießen wir mit Kartoffeln auf Möwen, um zu erreichen, dass sie ihre Beute über unserem Steg fallen lassen, balancieren mit Eiern, während die anderen versuchen, diese kaputtzuhauen oder schießen Seesterne auf ein Schiff, während jemand verzweifelt versucht, dieses sauber zu halten und die Flecken zu entfernen. 

Als unsere Zeit abgelaufen ist und das Spiel endet, werden uns vorsichtig die Controller aus den Händen genommen und jemand nimmt uns die großen Brillen ab, die langsam zu drücken begonnen haben. Nach einer Stunde "Virtual Reality" fühlt sich das "Aufwachen" in der Realität vorerst etwas merkwürdig an – ein sicheres Indiz dafür, dass das Spieleerlebnis gelungen ist. 

Schlecht war es trotz Reisekrankheit und Kinderkarussell-Angst während des Spiels keinem von uns. Dabei kann der Umstand, dass das Gehirn denkt, wir bewegen uns, während der Körper spürt, dass wir eben das nicht tun, prinzipiell zu Übelkeit führen. Grund dafür ist, dass anders als im echten Leben bei virtuellen Bewegungen keine g-Kräfte auf unseren Körper wirken, was diesen verwirrt.

Virtual Reality Gießen: Spiele für Klaustrophobiker geeignet

Die meisten Menschen gewöhnen sich jedoch recht schnell an die ungewohnte Situation und auch an empfindlichere Spieler wurde bei inVRinity gedacht. "Motion sickness spielt bei den Anfängerspielen eigentlich keine Rolle. Wir haben da eine Vorselektion getroffen, denn wir wollen ja, dass die Leute bei uns Spaß haben", berichtet Bost und fügt hinzu: "Aber man weiß nicht, ob man es verträgt oder ob man es nicht verträgt, wenn man es nicht ausprobiert hat." 

Auch für Klaustrophobiker sind die Spiele geeignet, denn anders als in Escape Rooms bleiben hier die Türen in den meisten Fällen offen. So können die Mitarbeiter bei Fragen und Problemen schneller behilflich sein und der Spielende ist ja gewissermaßen sowieso "nicht im Raum". 

Für alle, die trotzdem nur zuschauen möchten, gibt es einen Sitzbereich mit Bildschirmen. Dort kann man es sich gemütlich machen und seinen Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten oder Kollegen zusehen und sich über ihr merkwürdiges Verhalten amüsieren. 

"Die Zeit ging so schnell rum, ich komme sicher wieder", versicherte eine unserer Redakteurinnen beim rausgehen. Anlass genug bietet das inVRinity ohne Zweifel, denn das Angebot an Spielen ist groß: 

Neben "Tower Defence" als auch "Loco Dojo" werden in der Kategorie "Getrennte Flächen" eine Vielzahl an Multi-Player-Spielen, aber auch Spiele, die alleine gespielt werden können, angeboten. Von Spielen für Kinder über Schießspiele mit oder ohne Aliens bis hin zu virtuellen Realitäten, in denen man mit Walen schwimmen kann, gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten und Schwierigkeitsgraden.

Virtual Reality Gießen: VR-Escape-Rooms und weitere Attraktion 

In einem anderen Raum werden zudem sogenannte asymmetrische Spiele angeboten, bei denen nur ein Spieler eine VR-Brille aufhat, jedoch mit seinen Mitspielern in der realen Welt kommunizieren muss, um die Aufgabe zu lösen. 

Die Spiele tragen den Namen "Keep Talking", Dabei geht es in einem Fall um das Malen und Erraten von Begriffen und in einem anderen Fall um die Entschärfung einer Bombe. 

In einem dritten Raum stehen "Laufställe", in die die Teilnehmer eingespannt werden. Mithilfe von speziellen Schuhen können sie sich durch Laufen auf der Stelle dann in der virtuellen Welt fortbewegen, was die Intensivität des Erlebnisses noch einmal steigern soll. Bost empfiehlt jedoch, die Geräte nur zu nutzen, wenn man bereits Erfahrungen mit VR gesammelt hat, um den eigenen Körper nicht zu überfordern. 

Und auch Escape-Room-Liebhaber kommen auf ihre Kosten: Das inVRinity bietet nämlich auch verschiedene VR-Escape-Rooms für Teams von zwei oder vier Personen an.

Virtual Reality Gießen: inVRinity

  • Öffnungszeiten Di-Fr 17-22 Uhr, Sa & So 12-22 Uhr 
  • Preise Getrennte Flächen: 30 Minuten 12 Euro p. P., ab 3 Personen 10 Euro p. P., jede weitere halbe Stunde kostet 10 oder 9 Euro p. P. zusätzlich
  • Preise VR Escape Room: Bei 2 Personen 30 Euro p. P., bei 4 Personen 25 Euro p. P.
  • Preise Laufställe: 30 Minuten 15 Euro p. P., bei zwei Personen 13 Euro p. P. , jede weitere Viertelstunde kostet 7 oder 6 Euro p. P. zusätzlich
  • Preise Keep Talking: 30 Minuten 20 Euro, jede weitere halbe Stunde kostet 15 Euro zusätzlich. Der Preis ist hier unabhängig von der Personenzahl.

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