Jacksons Sportunfall

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Verdacht auf Kreuzbandriss. Mit dieser Vordiagnose des Haustierarztes wird Jackson in der Tierklinik vorgestellt. Doch schon beim ersten Blick auf den Appenzeller Sennenhund ahnen die Experten, dass es eine andere Ursache für die Schmerzen gibt. Im Röntgenbild bestätigt sich: Das Sprunggelenk des jungen Rüden ist gebrochen. Er wird noch am selben Tag operiert.

Jackson lässt keinen Zweifel daran, was er von seinem Termin in der Tierklinik hält. Während der Wartezeit bellt und heult er jämmerlich. Doch es hilft alles nichts. Er kann nicht auftreten. Der zweijährige Rüde hält das rechte Hinterbein in die Höhe und belastet es nicht. Eine Schwellung ist deutlich zu sehen. Pamela und Christian Haupt sind an diesem Vormittag aus Katzenelnbogen in Rheinland-Pfalz angereist. Sie hoffen, dass ihrem vierbeinigen Familienmitglied schnell geholfen werden kann. Er war am Wochenende bei einem Spiel nach einem gewagten Sprung so unglücklich aufgekommen, dass Not- und Haustierarzt auf einen Kreuzbandriss tippten und in die Klinik überwiesen. Sie gehen nun davon aus, dass Jackson operiert wird und sie ihn im Anschluss mit nach Hause nehmen können. In der Kleintierklinik für Chirurgie der JLU wird das gesamte Leistungsspektrum der Orthopädie inklusive Unfallchirurgie und Weichteilchirurgie abgedeckt, zudem kommen Patienten mit onkologischen oder neurologischen Problemen hierher.

Dr. Thomas Häußler führt mit den Besitzern ein Vorgespräch und untersucht das Tier. Aus dem jungen Wilden wird ein geduldiger Patient. Zwar beäugt er den Mediziner skeptisch, doch er lässt alles stoisch über sich ergehen. Das ist auch dem Chirurgen zu verdanken, der ruhig zu dem Hund spricht und behutsam vorgeht. Vorsichtshalber setzen die Besitzer Jackson einen Maulkorb auf, das ist entspannter für alle. "Längst nicht alle Besitzer sind gleich so kooperativ", sagt Häußler. Nach der ersten Diagnose müssen sich die Haupts von ihrem Hund verabschieden - in Zeiten von Corona ist auch in der Tierklinik vieles anders, die Tierhalter dürfen nicht mit in die Behandlungsräume.

Nach einer erneuten gründlichen Untersuchung geht es in den Röntgenraum. Doch schon jetzt ist Häußler sicher, dass es sich nicht um einen Kreuzbandriss handelt. "Es spricht nichts dafür. Ich vermute, dass wir es mit einer Fraktur des Sprunggelenks zu tun haben. Eine typische Sportverletzung." Die Bilder bestätigen das: Das Wadenbein ist gebrochen, das äußere Seitenband des Sprunggelenks gerissen, weitere winzige Knöchelchen des komplizierten Sprunggelenks haben ebenfalls etwas abbekommen. "Ich weiß, das ist eine böse Überraschung", sagt Häußler, als er den Besitzern die Fakten erläutert.

Jackson muss so schnell wie möglich operiert werden und danach ein paar Tage in der Klinik bleiben. Und anschließend wird er einige Wochen ausschließlich an der Leine gehen müssen. Für einen jungen Hund ist das nicht einfach. Pamela Haupt steigen die Tränen in die Augen. Sie hätte ihrer Familie und dem Hund das alles gerne erspart - vor allem den Verbleib in der Klinik. Wie erklärt man seinem Hund, dass man ihn verlässt und "einfach so" verschwindet? Auch angesichts der Kosten muss das Ehepaar schlucken. 2500 bis 3000 Euro kommen nun auf sie zu. Zum Glück kann man in Raten zahlen, das macht es einfacher.

Die Operation am Nachmittag verläuft gut. Der Chirurg fixiert zwei Schrauben am Bandersatz und eine weitere an einem Knochenfragment des Gelenks. Außerdem verpassen die Ärzte dem Hund einen Fixateur externe, das ist eine Schienenkonstruktion, mit der Knochen und Gelenk ruhig gestellt werden. Diese sperrige Haltevorrichtung muss der Hund sechs bis acht Wochen tragen. Die Zeit des Heilungsprozesses wird anstrengend: Kontrollierte Bewegungen, Physiotherapie, kein freies Spiel. Doch wenn alles im wahrsten Sinne des Wortes gut läuft, wird Jackson wieder die Sportskanone sein, die er vor seinem Unfall war.

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