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Der Dammweg am Schwanenteich muss saniert werden, andernfalls droht dem Schwanenteich die Austrocknung.

Damm undicht

Ist der Schwanenteich in Gießen noch zu retten?

  • Burkhard Möller
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Der Dammweg ist löchrig, Wasser sickert heraus. Ist der 85 Jahre alte, denkmalgeschützte Schwanenteich in Gießen noch zu retten? Die Antwort ist umstritten.

Gießen - Langjährige Beobachter der Gießener Stadtpolitik fühlten sich am Dienstagabend im Sitzungssaal des Rathauses ins Jahr 2012 zurückversetzt. Unten dozierte der gleiche Verwaltungsmitarbeiter aus dem Gartenamt wie damals über das »Pilotprojekt Bitterling«, oben auf der Zuschauertribüne saßen die gleichen Kritiker des Schwanenteich-Umbaus wie vor neun Jahren. »Lothar, bleib bei der Wahrheit«, rief Biologe Dietmar Jürgens in den Sitzungssaal hinab, als Gartenamts-Mitarbeiter Lothar Goldhorn vortrug.

Die in den letzten Sommern am Schwanenteich sichtbar gewordenen Probleme mit der »Wasserpest« und dem porösen Damm, der den Teich und die Wieseck trennt, haben die Kontrahenten von damals allesamt wieder auf den Plan gerufen. Denn einen solchen muss es bald geben, andernfalls droht dem denkmalgeschützten Gewässer die Austrocknung.

Von »dramatischen Veränderungen« sprach am Dienstagabend in der Bürgerfragestunde des Bau- und Umweltausschuss Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne). An nur zwei Tagen im Frühjahr sei der Wasserspiegel des Schwanenteichs um 15 Zentimeter abgesunken, weil Wasser durch den löchrigen Dammkörper in die Wieseck geflossen sei. Die punktuellen Sandsackbarrieren hätten diesen Abfluss nur verlangsamt. Dass Regen und Zufluss aus der Wieseck den Wasserverlust ausgleichen, sei fraglich. Schäden am Damm, auf dem ein beliebter Spazierweg verläuft, gebe es jedenfalls »auf ganzer Länge«. Weigel-Greilich, die Fragen von Wilhelm Pastoors beantwortete, der vor neun Jahren in der BI engagiert war, die gegen den Schwanenteich-Umbau kämpfte, sprach von der Notwendigkeit einer »kompletten Sanierung« des etwa 600 Meter langen Damms.

Schwanenteich in Gießen: »Dramatisch Veränderungen«

Später gab Gartenamtsleiter Thomas Röhmel im Rahmen eines Sachstandsberichts einen Überblick über verschiedene Varianten, um den Deich zu erneuern bzw. zu sanieren. Diese würden derzeit von Fachfirmen geprüft.

Die Rede war - neben dem kompletten Neubau eines Damms - von sieben Meter breiten Spundwänden, die man abschnittsweise auf der Wieseckseite des Damms zur Abdichtung in die Erde treiben könnte. Auch eine Verpressung, die zur Schließung von Hohlräumen führen würde, wäre eine Möglichkeit, Schlitzwände in der Dammkrone eine weitere. Auch von der Herstellung einer neuen Uferböschung zur Wieseck hin sprach Röhmel, zudem müssten Gehölze, die am Rand des Damms auf der Seite Schwanenteich stehen, entfernt werden. Die geplante Fällung gerade dieser Bäume hatte vor neun Jahren das von über 5000 Gießenern unterstützte Bürgerbegehren »Rettet den Schwanenteich« ausgelöst.

Schwanenteich in Gießen: Über 5000 Gießener gegen Umbau

Röhmel sprach auch den Denkmalschutz an, der den Uferverlauf einschließt. Von dieser »Grundstruktur« müsste bei Sanierungsarbeiten womöglich abgewichen werden. Auf Nachfrage von Gigg/Volt-Fraktionschef Lutz Hiestermann, wie es nun weitergehen soll, stellte Röhmel in Aussicht, dass das Gartenamt in sechs bis acht Wochen auf Grundlage gutachterlicher Aussagen und von Ergebnissen der durchgeführten Bodenuntersuchungen die verschiedenen Sanierungsvarianten bewerten kann.

Das nach einer im Schwanenteich lebenden Fischart genannte »Pilotprojekt Bitterling« war 2012 ein Vorhaben der Stadt, mit dem die Pflanzen- und Tierwelt am Schwanenteich dauerhaft gesichert werden sollte. Die Uferbereiche sollten umgebaut und verstärkt sowie ein Nebengerinne der Wieseck angelegt werden, und der Dammweg sollte eine Asphaltdecke erhalten.

Aber das 1,4-Millionen-Euro-Projekt stieß in der Bevölkerung auf massiven Widerstand. Gegen den Umbau des Schwanenteichs und die Fällung von 150 Bäumen auf dem laut Stadt porösen Dammweg regte sich Protest, über 5000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren wurden gesammelt, bei einer Bürgerversammlung ging es hoch her, eine Menschenkette umschloss das Gewässer. Am Ende blies der Magistrat das Pilotprojekt ab, erfüllte damit das Bürgerbegehren und griff das Vorhaben nicht wieder auf - bis jetzt.

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