Interview mit dem Tod

  • Karola Schepp
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Über den Tod spricht man nicht, sagt der Volksmund. Doch vielleicht kann man ja auch mal einfach mit ihm reden?! Gelegenheit dazu gibt es am 15. September in der Kongresshalle beim Auftritt des anonymen Frontmanns der DeathComedy-Crew. Wir haben uns schon mal vorgewagt – mit einem Telefoninterview voller zum Sterben schöner Nachrichten.

Als wir das letzte Mal telefonieren wollten, mussten Sie wegen einer Lebensmittelvergiftung kurzfristig absagen. Zum Glück haben Sie überlebt.

Tod: Ich hatte einen Leichenschmaus. Und dabei sollte man sich besser nicht auf Fisch einlassen.

US-Präsident Donald Trump twittert, was das Zeug hält, und den Tod kann ich auf YouTube abonnieren. Was muss mir mehr Angst machen?

Tod: Ich bin doch ganz harmlos. Die Probleme dieser Welt mache nicht ich. Da sind die Politiker gefährlicher.

Das Programm, mit dem Sie in Gießen auftreten, heißt »Mein Leben als Tod«. Wie ist denn so ein Leben als Sensenmann?

Tod: Gar nicht so einfach. Ich hatte das Thema Marketing und Imageverbesserung sehr lange aufgeschoben. Und da wurde es nun Zeit, etwas dafür zu tun. Tod ist ein großes Tabuthema und mit viel Angst besetzt. Aber Angst verschwindet erst, wenn man darüber redet. Also stelle ich mich den Leuten vor und zeige, dass der Tod jemand wie du und ich ist.

Lachen statt Schweigen – ist das die geeignete Art, dem Tabuthema Tod etwas entgegenzusetzen?

Tod: Lachen ist immer gut. Dabei hat man keine Angst.

Stimmt es, dass Sie im Nebenjob Animateur auf Mallorca sind?

Tod: Das hat sich durch mein Programm ergeben. Da zeige ich ein »Mallorca-Medley des Schreckens«, in dem ich Songs umdichte, etwa »Ein Stein, der Deinen Namen trägt«. Stimmung lassen die Leute auch beim Thema Sterben mit sich machen.

Und Sie sammeln außerdem Spenden für die Clowndoktoren oder den Verein Lebenswunsch. Ich muss sagen, der Tod ist doch ganz schön fürsorglich – oder einfach nur um ein besseres Image bemüht?

Tod: Im Rahmen meiner Imagekampagne ist es meine Aufgabe, die letzte Lebenszeit ein bisschen glücklicher zu machen. Zum zufriedener Sterben können gehört zum einen der Angstabbau, zum anderen auch, dass man Leute unterstützt, die in ihren letzten Tagen sind. In den vergangenen Jahren haben wir fleißig gesammelt und konnten schon mehr als 50 000 Euro an tolle Projekte spenden. Es hat doch auch etwas, dass gerade Anhänger des Todes das Leben schöner machen.

Preise gab es schon jede Menge für Ihre DeathComedy. Haben Sie mit einem solchen Erfolg gerechnet, als sie 2011 erstmals auf der Bühne gestanden haben?

Tod: Gerechnet hat damit keiner. Es ging eher um das Bedürfnis, etwas zu klären. Es ist schön zu sehen, dass das Verlangen auch in der Gegenrichtung besteht. Man will darüber reden, aber auch lachen. Es freut mich, dass mein Angebot angenommen wird. Ich habe gesehen, dass die Tod-Thematik in der westlichen Welt mit sehr viel Trauer besetzt ist. In anderen Kulturkreisen geht man damit aber auch sehr fröhlich und laut um. In Mexiko gibt es eigene Feiertage für den Tod und bei der Beerdigung von Nelson Mandela wurde gefeiert und gelacht. Die Leute trauern nicht, weil der Verstorbene weg ist, sondern freuen sich, dass er da war. Ich hoffe, dass dieses Umdenken auch hier passiert. Es macht es für die Hinterbliebenen einfacher.

Und dann schreibt der Tod auch noch ein Buch mit dem Titel »Mein Leben als Tod«. Wer kauft denn so was – und vor allem: Darf man so etwas überhaupt verschenken? Kann das nicht als Wink mit dem Zaunpfahl missverstanden werden?

Tod: (lacht) Das ist für die Vorlesezeit davor. Dann kann man sich schon mal mit dem Sterben beschäftigen. Im Buch kann man etwa auswählen, welche Getränke man für die Überfahrt haben möchte. Es ist ein tolles Geschenk – und natürlich auch eine Ansage, wenn man es der Schwiegermutter schenkt.

Ihre Partnerin Exitussi, die rosarote Praktikantin mit Sprechverbot, schreibt sogar an einem Kinderbuch über den Tod.

Tod: Besucher haben uns erzählt, dass sie Probleme damit haben, Kindern den Tod zu erklären – warum es ihn gibt und warum alle so traurig sind. Man kann den Kindern aber ganz gut klarmachen, dass die Welt einfach zu voll würde, wenn keiner geht und dass das Sterben Sinn macht, auch wenn es traurig ist. Wenn man das Thema gut erklärt und mit schönen Bildchen verziert, können Kinder das gut begreifen.

Eine indiskrete Frage: Was trägt der Sensenmann eigentlich unter seiner Kutte?

Tod: (lacht) Sie wollen wohl dem Tod unter die Kutte schauen?! Das kommt ganz auf die Jahreszeit an. Jetzt im Sommer ist es hart – da ist nicht viel außer Knochen.

Ist es nicht verdammt schwer, Comedy zu machen, ohne dass die Zuschauer das Gesicht erkennen können?

Tod: Viele sagen, beim Schauspielen und bei Comedy seien Gesicht und Mimik das Wichtigste. Es sei auch wichtig, sein Privatleben der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich finde es aber gerade gut, dass der Tod zeigt, dass es auch ohne das geht. Es kommt einfach drauf an, was man sagt und nicht, was man preisgibt. Es ist aber eine Herausforderung, weil man weniger Möglichkeiten hat. Es gehört auch zum Mysterium des Todes dazu, dass man nicht alles erkennt. Mir gefällt die Vorstellung, dass jeder den Tod bekommt, den er gerne hätte. Wenn er vor der Tür steht, und seine Kapuze lüftet, sollte das darunter zu sehen sein, was man sich gerne vorstellt.

Auftritte im Fernsehen gibt es eher selten. »Die wollen immer mein Gesicht zeigen«, sagen Sie. Wäre das so schlimm?

Tod: Die haben erst mal Angst vor dem Thema und dann verzweifeln die Kameramänner. Es gab viele Angebote, die ich absagen musste, weil die Bedingung war: Kutte lüften oder eben nicht. Aber die Zuschauer kommen trotzdem in meine Show. Es geht eben auch ohne Fernsehen.

Wie sehen die Radieschen von unten aus?

Tod: Ganz harmlos: Ich bringe zu meinem Auftritt in Gießen welche mit.

In welcher Stimmung werden die Zuschauer die Show verlassen? Erleichtert oder nachdenklich?

Tod: Ich versuche, alles drin zu haben. Man soll lachen, nachdenken und auch ein bisschen traurig sein. Das gehört alles zusammen. Nach der Show lassen sich auch viele mit uns fotografieren. Wir stehen oft noch stundenlang mit den Besuchern zusammen und unterhalten uns über das Thema. Ich habe auch sterbenskranke Fans, die mir hinterher reisen – beziehungsweise so lange dem Tod entgegenreisen wollen, wie es geht.

Wie wünschen Sie sich Ihren eigenen Tod?

Tod: Auch ich bin im Kreislauf des Lebens gefangen. Aber es macht eben auch den Charme aus, dass man den Tod nicht planen kann und lebt, ohne sich konkret Gedanken machen zu müssen.

(Foto: A. Pankotsch)

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