Die Kita der AWO in der Marshallstraße ist erneut für den Kita-Preis nominiert. SYMBOLFOTO: DPA
+
Die Kita der AWO in der Marshallstraße ist erneut für den Kita-Preis nominiert. SYMBOLFOTO: DPA

Integration mit Gebärden

  • vonSebastian Schmidt
    schließen

In der AWO-Kita Marshallstraße benutzen die Pädagogen beim Sprechen mit den Kleinen zusätzlich Gebärden. Damit helfen sie, Kinder zu integrieren, die nicht Deutsch sprechen. Mit diesem Konzept gehört die Kita zu den zehn Finalisten des Deutschen Kita-Preises.

Die Hände flach zusammenpressen und den Kopf mit der Wange darauf legen. Was bedeutet diese Geste? Richtig: schlafen. Das verstehen auch Kinder, die kein Deutsch sprechen, und deswegen benutzt die Kita der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Marshallstraße Gebärden als Kommunikationsmittel. Dafür ist die Kita nun zu den zehn Finalisten des Deutschen Kita-Preises ernannt worden. Als erste Kita überhaupt ist die Einrichtung damit zwei Jahre in Folge für diesen Preis nominiert. Im vergangenen Jahr allerdings für Gemüse statt für Gebärden.

Ein Schlüsselerlebnis für die Pädagogen sei eine Teamfortbildung gewesen, erinnert sich Gabriele Nickel, die Kita-Bereichsleiterin der AWO. Auf der Fortbildung sei den Teilnehmern ein Text auf Swahili vorgelesen worden. "Natürlich hat den keiner verstanden." Danach sei der Text zusammen mit Gesten vorgetragen worden, und die AWO-Mitarbeiter haben verstehen können, worum es geht. Diese Kommunikationshilfe wollten die Pädagogen in den Kita-Alltag integrieren.

Mit Gesten Swahili verstehen

Dazu überlegten sich die Mitarbeiter zuerst einen "Wortschatz" an Gebärden. "Wir benutzen nicht die richtige Gebärdensprache", erklärt Nickel. Wichtig sei aber, dass immer das gleiche Wort mit der gleichen Geste verbunden wird. Die imaginäre Gabel zum Mund muss also immer Mittagessen bedeuten und die Wange auf die Hände legen immer Schlafenszeit. Dadurch lernen die Kinder den Zusammenhang und auch, welche deutschen Wörter mit den Gesten verknüpft sind. Das helfe beim Erlernen der deutschen Sprache, sagt Nickel.

In der Kita der AWO gibt es im Moment zehn Kinder unter drei Jahren und 20 Kinder darüber. Für viele davon sei Hilfe beim Lernen der deutschen Sprache wichtig. "Wir haben einen hohen Migrantenanteil", sagt AWO-Geschäftsführer Jens Dapper. Bei Kindern, die die Sprache nicht können, bestehe die Gefahr, dass sie schon in der Kita den Anschluss verlieren, erklärt Nickel. Dapper sagt: "Sprache ist das Schmiermittel, um in der Kita integriert zu werden." Dass man für dieses Förderkonzept für den Kita-Preis nominiert worden sei, sei eine tolle Auszeichnung für diese Arbeit.

Bereits im vergangenen Jahr war die Kita nominiert gewesen. Damals wegen eines Schrebergarten-Projekts. Dort wachsen Tomaten, Kürbisse und Himbeeren, erzählt Nickel. Die Kinder pflegen den Garten gemeinsam mit Eltern. "Wir sind auch Familienzentrum. Es geht nicht nur um die Kleinsten. Wir wollen alle einbinden", sagt Dapper. Das zusammen angebaute Obst und Gemüse werde gemeinsam geerntet und auch ein gemeinsames Essen daraus gekocht. So werde den Familien auch etwas über gesunde Ernährung mit auf den Weg gegeben.

Letztes Jahr hat es "nur" für einen Platz unter den 25 besten Kitas gereicht. Dieses Jahr ist die AWO-Kita unter den zehn Finalisten. Eine weitere Entscheidung ist noch nicht gefallen. Normalerweise würden die Juroren nach Gießen kommen, um sich die Kita anzuschauen, dies sei wegen Corona nicht möglich. Als Gewinn winken jedenfalls 25 000 Euro.

Was mit dem möglichen Preisgeld finanziert werden könnte, ist noch offen. Dapper lacht und sagt: "Man soll das Fell des Bären ja nicht verteilen, bevor man ihn erlegt hat."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare