Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie stellte sich vor

Gießen (son). Das Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Gießen besteht schon seit 50 Jahren. Erstmals öffnete die in der Ludwigstraße 73, der ehemaligen Villa Bänninger, untergebrachte Einrichtung ihre Pforten für einen Tag der offenen Tür.

Der Besucherandrang war enorm. Die Gäste nutzten den Tag, das von Sigmund Freud entwickelte Konzept des Unbewussten, das der Arbeit der im Institut tätigen Psychoanalytiker und Psychotherapeuten zugrunde liegt, näher kennenzulernen.

In den Räumen der Institutsambulanz kamen sie mit Therapeuten über die Besonderheiten der Therapie im Liegen ins Gespräch. Und sie lauschten den drei Vorträgen über die Themen "Das Unbewusste ist immer und überall", "Die Liebe kommt, die Liebe geht wann bleibt sie" und "Von Hiroshima über Tschernobyl bis Fukushima". Auch informierten sie sich über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, die das Institut zu bieten hat. Komplettiert wurde das Angebot mit einem Büchertisch des Psychosozial-Verlags, einer Ausstellung zum Thema "Das Unbewusste" und einer Filmvorführung der Arbeitsgruppe "Film und Psychoanalyse".

Das Gießener Institut ist nach Berlin das zweitgrößte in Deutschland und hat derzeit 143 Mitglieder. Gegründet wurde es vor 50 Jahren von dem Gießener Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, der am 19. Dezember vergangenen Jahres verstarb. "Sein Tod wird eine bleibende, tiefe Narbe hinterlassen", sagte die Vorsitzende des Trägervereins Elvira Selow in ihrer Eröffnungsansprache. Zu seiner Ehre werde man am 25. Februar eine Gedenkfeier veranstalten. "Viele unserer Mitglieder und Kandidaten sind Psychoanalytiker geworden, weil Richter ein großes Vorbild war", sagte sie. Er habe schon immer sein Wirken und Denken nicht auf das Individuum beschränkt, sondern den familiären, psychosomatischen, gruppendynamischen sowie gesellschaftlichen Kontext aktiv miteinbezogen. Gerade diese Ausrichtung auf die Familien-, Paar und Sozialtherapie sei in den Anfängen von vielen als revolutionär begriffen worden, ergänzte Selow später im Gespräch. "Das war bundesweit eine einmalige Sache".

Richter habe für seine Arbeit immer den Anspruch erhoben sozial und politisch verantwortlich zu handeln. "So sind im Institut heute die drei Sektionen Psychoanalyse, Psychotherapie und Familientherapie vereint", erklärte der stellvertretende Vorsitzende Volker Niemeier. In allen Bereichen werden Ärzte und Therapeuten aus- und weitergebildet. Auch Patienten werden direkt im Institut beraten, vermittelt und therapiert.

Der 50. Geburtstag des Instituts soll ebenfalls noch gebührend gefeiert werden. Dies will man im Rahmen einer zweitägigen Veranstaltung am 2./3. November tun.

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