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Referent Andreas Kowol berichtet über die in Wiesbaden geplante "City-Bahn". FOTO: RSC

Inspiration aus Wiesbaden

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Gießen(rsc). 20 Prozent mehr Mitglieder im Kreis- sowie im Stadtverband: Nicht ohne Stolz haben die Grünen am Sonntagmittag beim Neujahrsempfang des Stadtverbands den Zuwachs bekanntgegeben.

"Sowohl bei der Hessenwahl, bei der unsere Direktwahlkandidatin Katrin Schleenbecker in den Hessischen Landtag gewählt wurde, als auch bei der Europawahl waren wir die stärkste Kraft in Gießen", freute sich Vorstandsmitglied Alexander Wright und fügte hinzu: "Auch bei der Kommunalwahl im nächsten Jahr können wir die meisten Stimmen bekommen." Bei der letzten Wahl waren die Grünen die drittstärkste Fraktion geworden und mussten als kleinste Koalitionsfraktion den Bürgermeisterposten an die CDU abtreten. "Von unseren neun Punkten im Koalitionsvertrag ist bis heute gerade mal einer erfüllt", kritisierte Wright.

In diesem Jahr nun sollen die Weichen für das neue Jahrzehnt gestellt werden. "Wir wollen nicht mehr weiter machen wie bisher." Vor allem der "bürgerliche Diskurs" solle im Mittelpunkt stehen. Bezüglich des Stadtverordnetenbeschlusses, dass Gießen bereits 2035 klimaneutral sein soll, habe die grüne Fraktion bisher als einzige konkrete Vorschläge unterbreitet.

Als Gastredner hatten die Gießener den Wiesbadener Verkehrsdezernenten Andreas Kowol eingeladen, der über die in der Landeshauptstadt geplante "City-Bahn" berichten sollte. Kowol sprach zunächst über den Ist-Zustand. Demnach besitze in Wiesbaden mehr als jeder zweite Einwohner ein Auto, im nahen Mainz sei es fast jeder zweite. Nehme man nur die Personen zwischen 18 und 80 Jahre, so seien das auf hessischer Rheinseite gar 61 Prozent. Das sei deutschlandweit Spitze. Kowol betonte zudem, dass Wiesbaden in Sachen städtischer Staudichte bundesweit hinter Hamburg auf Platz Zwei liege. Mehr als 65 000 Fahrzeuge führen tagtäglich auf dem ersten Ring am Wiesbadener Hauptbahnhof vorbei.

Dass vor einigen Jahren der Stadt angedrohte Fahrverbot habe mit einem konkret erarbeiteten Planungskonzept bisher verhindert werden können, sagte der Gastredner. Vor drei Jahren sei dann mit einem Straßenbahnprojekt gestartet worden, da es bei den Buskapazitäten eng geworden sei. Kowol lobte in diesem Zusammenhang die Gießener Stadtbusflotte, die mit Erdgas fährt. In Wiesbaden führen Elektrobusse, die allerdings eine begrenzte Reichweite hätten. Das Vorhaben, mit Wasserstoff zu fahren, sei eine Bauchlandung gewesen. Zwar sei die Infrastruktur mit einer entsprechenden Tankstelle eingerichtet worden. "Doch es gibt keine europäischen Anbieter von Wasserstoffbussen."

Ein Konzept mit Straßenbahnen biete hingegen mehrere Vorteile. Eine Bahn könne nicht nur mehr Fahrgäste transportieren, sie benötige auch eine schmalere Fahrbahn als Busse. Angesprochen auf Seilbahnen meinte Kowol, dass dies "nur bei wenigen Haltepunkten interessant" sei.

Kowol monierte zudem, dass bei bei einem 5000-Euro-Vorhaben bei einer Bushaltestelle lang und breit über die Kosten diskutiert werde - bei Riesensummen hingegen nicht. Da drehten sich Stadträtin Gerda Weigel-Greilich und Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Grothe einander zu und nickten bedeutungsvoll mit dem Kopf.

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