Ingo Appelt lässt die Hosen runter

Wer befürchtet hatte, Ingo Appelt könnte handzahm oder gar politisch korrekt geworden sein, konnte sich am Sonntagabend in der Kongresshalle beruhigen lassen.

Gewohnt schwarzhumorig, derb und unanständig ging es in seinem Programm "Besser ist… besser!" zu. Der Essener Komiker, der in den 1990ern zur Avantgarde des F-Wortes gehörte und wegen geschmacklicher Entgleisungen öfters in die Kritik geraten war, kokettierte zunächst mit seinem Ruf: Vom Saulus zum Paulus habe er sich gewandelt. Doch schnell kam die Erkenntnis, dass der Mann, naturgemäß "in einer Dauerbrunft gefangen", eben nur zwei Dinge im Kopf habe: "Ficken und töten."

Und damit war der Komiker unter der Gürtellinie angekommen, um sich dort für den Großteil der nächsten zweieinhalb Stunden genüsslich einzurichten. Das erste Wort der Menschheitsgeschichte? "Ficken", selbstredend. Das sichere Thema der Geschlechtsunterschiede war für den 48-Jährigen ein schier unerschöpflicher Quell der Heiterkeit. Es ist Appelts doppelbödiger Eloquenz zuzuschreiben, dass man selbst den anschaulichsten Ausführungen über Körperflüssigkeiten mit Vergnügen lauschen mochte.

Nein, politisch korrekt geworden ist Appelt nicht: "Ich laufe seit 25 Jahren durch diese Republik und beleidige alles, was bei drei nicht auf den Bäumen ist". Am meisten bekam die Kanzlerin ab. Veronica Ferres habe er einmal vorgeworfen, sich hochgeschlafen zu haben. Und Altkanzler Schröder habe er den Selbstmord nahegelegt. Denn: "Deutschland stirbt aus. Die Rentner nicht." Apropos Selbstmord: Wenn, dann bitte nicht mit einem Flugzeug voller Passagiere, sondern wie Rex Gildo mit einem "Hossa" aus dem Küchenfenster springen. Auch mit einer Reihe von Ministrantenwitzen schien Appelt die Grenzen der Geschmacklosigkeit ausloten zu wollen. So mancher Lacher kam zögernd, als müssten sich die Zuschauer erst durch einen Blick auf den Sitznachbarn von einer adäquaten Reaktion auf Appelts Bösartigkeiten ermutigen lassen.

Harmloser kamen die Vorschläge daher, Tebartz-van Elst, der "Shopping Queen aus Limburg", die Fertigstellung des Berliner Flughafens anzuvertrauen oder eine schwule Bundeswehr zu gründen für "Frieden in Afghanistan ohne einen einzigen Schuss." Mit grandiosen Parodien von Til Schweiger und Herbert Grönemeyer erreichte die ohnehin gute Stimmung im Saal einen Höhepunkt. Schließlich nahm Appelt selbst am Keyboard Platz (das er virtuos beherrscht) und versuchte sich an einem Liebeslied. Kein Wunder, dass sich das besungene Objekt der Begierde als das eigene Geschlechtsorgan entpuppte.

Als das Thema auf Mario Barth kommt – mit dem Appelt gerade vor der Kamera steht – bittet der Essener kurz um Mitleid, dass es ihm nicht ebenso vergönnt ist, das Berliner Olympiastadion zu füllen. In Gießen sind es derweil 360 zahlende Gäste, die Appelt begeistert zusehen, wie er sich Stück für Stück des Designeranzugs entledigt und schließlich nur noch in Unterhose auf der Bühne steht. Unter der Gürtellinie gefällt es ihm eben am besten. Julian Wessel

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