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Eines von unzähligen Projekten, an denen Inge Bietz (l.) seit vielen Jahren mitwirkt, ist der Seniorenwegweiser »Älter werden in Gießen«.

100 Prozent Gießenerin

Inge Bietz: Sozialpolitische Marathonläuferin wird 80

  • Jens Riedel
    VonJens Riedel
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Die Stadtälteste Inge Bietz, seit 30 Jahren für die SPD im Gießener Parlament, wird am heutigen Freitag 80 Jahre alt. Unermüdlich setzt sie sich für soziale Gerechtigkeit ein.

100 Prozent Gießen: Das trifft auf Inge Bietz zu. Es gibt kaum eine soziale Organisation in Stadt und Kreis, in der sich Inge Bietz nicht außergewöhnlich aktiv engagiert. Heute wird die in Gießen geborene Lehrerin im (Un-)Ruhestand, die seit 28 Jahren Stadtverordnete der SPD ist, 80 Jahre alt.

Bietz ist in Gießen geboren und aufgewachsen. Die Belange der Stadt sind ihr buchstäblich ans Herz gewachsen. Die Liste der Projekte und Vereine, für die sie unermüdlich arbeitet, ist lang. Ob Freiwilligenzentrum, Frauenkulturzentrum, Seniorenbeirat mit Seniorenwegweiser oder Ausländerbeirat, ob Nordstadtverein, Wohnbau oder Generationenwohnen, ob Frauenkommission des Landkreises, Jugend im Rathaus, ob Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Forensikbeirat oder als Vorsitzende des Vereins »Aktion - Perspektiven für junge Menschen und Familien«: Bietz ist eigentlich überall dabei, wo sie ihre sozialpolitischen Überzeugungen einbringen und anderen Menschen helfen kann.

Lebensverhältnisse verbessern

Auch bei allen Aktionen von »Omas gegen rechts« und »Pro Choice« ist die Neu-Achtzigerin immer mit vollem Einsatz dabei. Und nicht zuletzt im Stadtparlament und im Ausschuss für Soziales, Sport und Integration. Unzählige Vorlagen hat sie mitbeschlossen, in denen es um die Verbesserung der Lebensverhältnisse für jene Gießener geht, die an Orten in der Stadt leben, die ehedem »Soziale Brennpunkte« genannt wurden. Bereits 2013 hat Bietz - deren Vater kurz nach ihrer Geburt im September 1941 bei Smolensk durch Artilleriebeschuss in einem Bunker verschüttet wurde und starb - die Auszeichnung »Stadtälteste« für über 20-jähriges kommunalpolitisches Engagement erhalten.

Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) ist froh, dass sich Inge Bietz - die mit Fug und Recht als sozialpolitische Marathonläuferin bezeichnet werden kann - nun seit über 30 Jahren für die Rechte und Belange von Frauen einsetzt. Dies betont ASF-Vorsitzende und Bietz-Weggefährtin Gudrun Beekmann-Mathar.

Bietz Verlässlichkeit, ihren Optimismus und ihre »zielorientierte Lösungsstrategien« schätzt auch Astrid Dietmann-Quurck, Geschäftsführerin des Vereins »Aktion - Perspektiven für junge Menschen und Familien«, wo Bietz seit inzwischen zwölf Jahren 1. Vorsitzende ist.

Durch ihr intensives Engagement in sozialen Vereinen und Einrichtungen sowie im Stadtparlament ist Bietz stets gut darüber informiert, wo der Schuh drückt, wo Unterstützung dringend gefragt ist und wer zurate gezogen werden kann. Trotz ihrer guten Kontakte zu den »etablierten« Vereinen sucht sie auch den Kontakt zu jungen und innovativen Initiativen und hilft ihnen mit Rat und Tat, um auf die Beine zu kommen.

Auch Gradlinigkeit ist Bietz wichtig: Sie redet stets Klartext: Mit den Worten »So geht das nicht. So können wir das nicht machen« kann sie Vorschläge auch mal unverblümt abweisen. Manch einer fühlt sich dadurch vielleicht zunächst vor den Kopf gestoßen. Bietz, die dem SPD-Ortsverein Gießen-Süd angehört und pädagogische Leiterin an einer Gesamtschule war, arbeitet jedoch stets konstruktiv und beharrlich an einer Lösung, wägt Pro und Contra sorgfältig ab.

Vorbild für Engagement

Trotz der vielen verantwortlichen Positionen, die Bietz innehat, hilft sie auch privat ihren Mitmenschen - sei es durch das Umsorgen von Alleinstehenden im Krankheitsfall, bei Umzügen ins Altersheim, bei Problemen von Migranten und Menschen mit Beeinträchtigungen. Darüber würde sie aber keine Worte verlieren. Sie lebt bürgerschaftliches Engagement vor.

Ein für sie ganz wichtiges Anliegen hat sie mit der ASF erreicht: die paritätische Besetzung der SPD-Fraktion im Gießener Stadtparlament. Frauen und Frauenrechte unterstützt sie auch gemeinsam mit der ASF.

Die ASF-Frauen und viele andere Mitstreiterinnen hoffen, die Feier zu Bietz 80. Geburtstag irgendwann nach Corona nachzuholen. »Denn genauso schön, wie mit ihr zu arbeiten, ist es mit ihr gemeinsam zu musizieren, ins Theater zu gehen, zu spielen oder zu feiern«, sagt Beekmann-Mathar über ihre langjährige Weggefährtin.

Im nächsten Stadtparlament wird Bietz nicht mehr vertreten sein. Die Sitzung des Sozialausschusses am Mittwochabend war ihre letzte - nach 28 Jahren.

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