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Vermutlich in der kommenden Woche sollen die mobilen Impfteams des Landkreises in der Weststadt aufschlagen.

Impfaktion

„Merken, dass Zuspruch abnimmt“: Corona-Impfaktion in der Weststadt soll Impftempo erhöhen

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Seit Freitag können sich die Bewohner der Gießener Weststadt für eine Sonderimpfaktion anmelden. Kommende Woche ist die Nordstadt an der Reihe.

Gießen – Die Inzidenz ist im ganzen Land gesunken, auch in der Stadt Gießen liegt sie im einstelligen Bereich. Das führt offenbar dazu, dass die Impfbereitschaft der Gießener nachlässt. Sowohl im Heuchelheimer Impfzentrum als auch bei den Hausärzten werden immer häufiger Impftermine nicht wahrgenommen. »Wir merken, dass der Zuspruch abnimmt. Mit dem Impfstoff, den wir zur Verfügung haben, könnten wir viel mehr Menschen impfen«, sagt Landrätin Anita Schneider. Daher soll das Impftempo nun erhöht werden. Am Donnerstag traf sich die Landrätin im Stadtteilbüro in der Pater-Delp-Straße mit Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Stadträtin Astrid Eibelshäuser, Werner Fleck vom Gesundheitsamt sowie Andreas Schmidt von der Diakonie und informierte über quartiersbezogene Corona-Schutzimpfungen, die aktuell in der West- und in der Nordstadt geplant sind.

Rund 1000 Dosen Johnson & Johnson für Gießener Corona-Impfaktion

Laut Schneider hat der Landkreis rund 1000 Dosen des Impfstoffs Johnson & Johnson vom Land erhalten, um damit Sonderimpfaktionen anbieten zu können, auch in Zusammenarbeit mit Glaubensgemeinschaften, der IHK sowie der Kreishandwerkerschaft. Weitere Dosen seien bereits zugesagt. »Wir wollen vor allem beraten und Skepsis abbauen«, sagte Schneider und betonte, dass viele Menschen eine Impfung ablehnten, da sie nicht ausreichend informiert seien. Daher hätten Vertreter der Gemeinwesenarbeit zuletzt verstärkt Menschen aus den Vierteln angesprochen und Beratungen angeboten. Zudem sind für Freitag um 16 Uhr in der Jugendwerkstatt sowie am 13. Juli um 18 Uhr im Nordstadtzentrum Info-Veranstaltungen geplant, bei denen sich Interessierte auch für eine Impfung registrieren lassen können. Wenig später sollen die mobilen Impfteams des Landkreises die Impfungen im Quartier vornehmen. Die Verantwortlichen haben sich bewusst gegen große Impfstraßen entschieden, wie sie zum Beispiel in Köln zu sehen waren. Zum einen wegen der aus epidemiologischer Sicht problematischen langen Schlangen, zum anderen wegen einer möglichen Stigmatisierung der Bewohner.

Corona-Impfungen in Gießen: Gemeinwesenarbeit schafft Vertrauen

Werner Fleck war 30 Jahre lang Hausarzt und arbeitet seit 2020 für das Gesundheitsamt. »Das Impfen in den Quartieren ist ein Mosaikstein der Impfkampagne«, sagt er. Er betonte zudem, dass die Bewohner nicht gezwungen seien, sich mit Johnson&Johnson impfen zu lassen. Sie würden auch Unterstützung erhalten, falls sie sich beim Arzt oder im Impfzentrum einen anderen Impfstoff spritzen lassen wollten.

Oberbürgermeisterin Grabe-Bolz begrüßt die Impfaktionen in den Quartieren. Sie verwies auf eine aktuelle Studie der Uni Mainz, wonach Leben auf engem Raum ein großer Pandemietreiber sei. »Die Gemeinwesenarbeit ist daher genau der richtige Ankerpunkt«, sagte Grabe-Bolz. Ihr würden die Menschen vertrauen und sich somit vielleicht auch überzeugen lassen, eine Impfung in Betracht zu ziehen.

Corona-Impfaktion in Quartieren: Folgeprojekte möglich

Diese Überzeugungsarbeit sei aber nicht leicht, betonte Andreas Schmidt vom Diakonischen Werk. Er erzählte von einer älteren Dame, die der festen Überzeugung sei, dass durch die Impfungen mehr Menschen gestorben seien als durch Covid-19. »Viele Bewohner sind Opfer von Legendenbildungen.« Mit Vertrauen und Information könnte jedoch viel erreicht werden, sagte Schmidt und verwies auf 70 Wohnungslose, die zuletzt von der Diakonie geimpft worden sind. »Darauf sind wir sehr stolz.«

Stadträtin Eibelshäuser hofft, dass die Sonderimpfaktionen in West- und Nordstadt ähnlich erfolgreich verlaufen. »Wir fangen in diesen beiden Quartieren an, da wir hier gute Strukturen haben«, sagte sie mit Blick auf das Engagement der hiesigen Sozialarbeiter. Noch handele es sich um ein Pilotprojekt, es gebe aber schon Pläne, in weiteren Quartieren der Stadt ähnliche Aktionen anzubieten.

Auch in DITIB-Moschee

In der DITIB-Moschee in der Marburger Straße ist für Sonntag, 11.Juli, ebenfalls eine Impfaktion geplant. Die Gemeinde lädt zusammen mit dem Arzt Dr. Ziya Oruc ein, sich zwischen 14 und 21 Uhr mit AstraZeneca oder Biontech impfen zu lassen. Der Impfstoff soll frei wählbar sein. Interessierte können sich unter der Telefonnummer 0163/0309499 informieren und anmelden.

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