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Impfdruck und »Querdenker« in Kita-Elternschaft

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Von: Burkhard Möller

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In der Kita Wilde 13 läuft ein Pilotprojekt mit Corona-Tests - laut Jugenddezernentin mit »mäßigem Erfolg«. © Oliver Schepp

Gießen (mö). Es bleibt dabei: Es wird in Gießen keine stadtweite Regelung zum Testen auf Corona in den Kindertagesstätten geben. Ein entsprechender Antrag der Fraktion Gigg/Volt, der im September in den Ausschüssen beraten worden war, erhielt am vergangenen Donnerstag im Stadtparlament keine Mehrheit. Die Grünen/SPD/Linke-Koalition sowie CDU, AfD und Freie Wähler lehnten den Vorstoß von Gigg/Volt, der von FDP und der PARTEI unterstützt wurde, ab.

Interessanter als das erwartbare Abstimmungsergebnis waren die Einblicke, die Jugenddezernentin Gerda Weigel-Greilich zur Stimmungslage in den Betreuungseinrichtungen gewährte. Wie in der Gesamtgesellschaft gebe es auch in der Elternschaft sehr unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit der Corona-Pandemie. Auf der einen Seite gebe es Eltern, die für eine allgemeine Impfpflicht und/oder eine spezielle für die Erzieherinnen seien, auf der anderen Seite gebe es in der Elternschaft auch »Querdenker«, erklärte die Grünen-Politikerin. Mit diesen Polen müsse das Kita-Personal umgehen. Die Stadt würde den Einrichtungen mit einer von oben verfügten Test-Strategie keinen Gefallen tun. An einer Rechtsgrundlage für das Testen in den Kitas fehle es ohnehin - auch nach den Beschlüssen von Bundestag und der Ministerpräsidenten-Konferenz.

Das Corona-Test-Pilotprojekt in der Lützellindener Kita »Wilde 13«, wo es im September zu einem größeren Ausbruch gekommen war, hat Weigel-Greilich in ihrer Haltung eher bestärkt. Sie sprach von einem »mäßigen Erfolg«. Nur etwa die Hälfte der Kinder habe an dem Projekt mit regelmäßigen Lolli-Tests, die das Land stellt, bislang teilgenommen. In der Elternschaft sei in einer Weise gegenseitig Druck aufgebaut worden, »dass ich einschreiten musste«, sagte Weigel-Greilich und fügte hinzu: »Dieses Modell sollte man nicht in der ganzen Stadt ausrollen.«

Johannes Rippl (Gigg/Volt) verwies auf die Entwicklung der Infektionszahlen, zudem gebe es Anfragen von Kita-Trägern, wie man an Tests komme. »Es gibt viel Verunsicherung«, sagte Rippl. Unterstützung erhielt er von Klaus-Dieter Greilich von der FDP: »Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich die Lage verschlechtert hat.« Kita-Kinder, für die es noch keine Impfempfehlung gebe, würden »der Durchseuchung ausgesetzt«.

Sprecher der Koalition wie Gerhard Merz (SPD) verteidigten das bisherige Vorgehen, es der Eigenverantwortung von Trägern und Kita-Leitungen zu überlassen, wie getestet wird. Merz: »Die haben Rechte und die Eltern auch.«

Weigel-Greilich verwies auch auf die Corona-Erfahrung, die Kita-Träger wie Diakonie, Caritas, Arbeiterwohlfahrt und DRK durch den Betrieb von Altenheimen und Teststellen im Laufe der Pandemie gewonnen hätten. Es wäre anmaßend, wenn das Jugendamt diesen Trägern medizinische Vorgaben machen würde.

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