khn_immopreise_270521
+
Wer ein bebautes oder unbebautes Grundstück - wie hier im Allendorfer Neubaugebiet - kaufen will, muss tief in die Tasche greifen.

Marktbericht

Immobilienmarkt läuft heiß: Wohnen in Gießen wird immer teurer

  • Kays Al-Khanak
    VonKays Al-Khanak
    schließen

In Gießen steigen die Quadratmeterpreise auf dem Immobilienmarkt kräftig an. Ein Ende dieser Entwicklung ist aktuell nicht abzusehen.

Gießen – Vor 15 Jahren kaufte ein Investor im Norden des Gießener Stadtgebiets eine Immobilie für 300 000 Euro. Verkauft hat er sie mittlerweile für 750 000 Euro. Solche Preissteigerungen kamen in der Universitätsstadt immer mal wieder im Jahr vor. Mittlerweile registrieren Fachleute, dass Objekte mehrmals im Monat für zum Teil wenig nachvollziehbare Preise verkauft werden.

Diese exorbitante Preissteigerung ist der Kernpunkt im Marktbericht des Gutachterausschusses für Immobilienwerte für die Stadt Gießen. Dessen Vorsitzender Horst-Friedhelm Skib betonte am Mittwoch (26.05.2021) bei der Vorstellung der Zahlen: Solange die Niedrigzinspolitik anhalte, werde auch der Run auf Immobilien weitergehen. »In einer Teilgruppe der Gesellschaft ist Geld vorhanden«, sagt Skib, »und dieser Teil ist bereit, es auszugeben.«

Immobilien in Gießen: Immer weniger Objekte auf dem Markt

704 Verträge mit 790 Objekten sind im vergangenen Jahr über den Schreibtisch von Skib gegangen. Das bedeutet einen Rückgang von 11 Prozent im Vergleich zu 2019. 781 400 Quadratmeter wechselten den Eigentümer; der Hauptanteil entfiel mit 587 000 Quadratmeter Fläche auf unbebaute Grundstücke. In diesem Segment ist erneut ein leichter Zuwachs gegenüber 2019 erkennbar. Darunter ist aber auch ein sehr großes Objekt im ehemaligem US-Depot. Skib geht deshalb davon aus, dass genau wie im Handel mit bebauten Grundstücken von einem Rückgang bei den unbebauten Flächen auszugehen ist. »Es zeigte sich, dass immer weniger Objekte am Markt verfügbar sind.«

Der Umsatz lag 2020 mit rund 314,7 Millionen Euro 16 Prozent unter dem des Vorjahres. Der größte Anteil mit 170 Millionen Euro entfiel auf bebaute Grundstücke mit einem deutlichen Minus von etwa 33 Prozent gegenüber 2019. Für unbebaute Grundstücke wurde ein Umsatz von 67 Millionen Euro erzielt. Dies entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent, was auch am Objekt im ehemaligen US-Depot lag.

Schlaglichter aus dem Marktbericht für die Stadt Gießen

Wohnbaugrundstücke : Wer 2020 in Gießen ein Wohnbaugrundstücke kaufen wollte, musste im Schnitt 410 Euro pro Quadratmeter zahlen. Bewegten sich 2019 diese Preise bei 190 und 350 Euro, waren im vergangenen Jahr 600 Euro keine Ausnahme mehr. 2020 entfielen 38 Prozent der Käufe auf die Stadtteile und 62 Prozent auf das Gebiet des Stadtgebiets. Der Quadratmeterpreis bewegte sich im Durchschnitt zwischen 340 Euro in den Ortsteilen und 450 Euro in der Kernstadt.

Wohnhäuser : Der Mittelpreis der 2020 gehandelten frei stehenden Einfamilienhäuser lag mit rund 421 000 Euro etwa 2 Prozent über dem Mittelpreis von 2019. Heraus sticht der statistische Bezirk Gießen Süd: Hier wurden frei stehende Einfamilienhäuser in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt deutlich über 500 000 Euro gehandelt; ansonsten lag der Mittelwert zwischen 323 000 und 458 000 Euro. Bei den Zweifamilienhäusern gab es einen Preiszuwachs um 18 Prozent auf rund 440 000 Euro. Der Mittelpreis von Reihenhäusern lag mit 212 000 Euro unter dem Vorjahresniveau von 318 000 Euro. Der Grund liegt im Baujahr: Abweichend zu 2020, wurden 2019 auch neuwertige Objekte verkauft. Der Durchschnittspreis für Reihenendhäuser sank um 2 Prozent auf rund 325 000 Euro. Hingegen stieg der für Doppelhaushälften um 1 Prozent auf 352 000 Euro an.

Eigentumswohnungen: Der Mittelpreis je Quadratmeter Wohnfläche beim Erstverkauf lag 2020 mit 3721 Euro rund 8 Prozent über dem Wert von 2019. Beim Wiederverkauf der Wohnungen ist der Durchschnittspreis im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf 2829 Euro gestiegen.

Mietpreissteigerung in Gießen bei rund 2,5 Prozent

Mieten : Bei den Mieten ergab sich für 2020 eine Spanne zwischen 4,80 und 17,70 pro Quadratmeter für die Nettokaltmiete. Die Mietpreissteigerung von 2019 nach 2020 lag im Durchschnitt bei rund 2,5 Prozent. Der Höchstwert aus 2019 von 17,70 Euro pro Quadratmeter wurde im vergangenen Jahr nicht mehr erreicht. Vielmehr scheint sich laut Skib eine Obergrenze zwischen 14,50 und 15 pro Quadratmeter für neue Ein-Zimmer-Appartements zu bilden. Für alle Objekte liegt der Durchschnittswert pro Quadratmeter bei 8,70 Euro.

Info: Gutachterausschuss

In Hessen gibt es für die Bereiche der Landkreise und Städte 18 Gutachterausschüsse für Immobilienwerte. Sie sind selbständige und unabhängige Einrichtungen des Landes. Ihre Aufgabe ist es, die Kaufpreissammlung zu führen und auszuwerten, wertrelevante Daten zu ermitteln und auf Antrag Gutachten zu diversen Fragen zu erstatten

Als spannender Modellversuch in Sachen Wohnen könnte sich die Gießener Philosophenhöhe erweisen. Auf dem ehemaligen Motorpool-Gelände lässt die Stadt Raum für gemeinschaftliches Wohnen entstehen, auf den sich Gruppen mit ihren Konzepten bewerben können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare